13.01.2010 · Der neue Schumacher der Formel 1 heißt Schumacher. Mit ihm kehren seine Jünger an die Strecke zurück. Und der Unterschied zwischen zwei britischen Weltmeistern heißt: Jessica. Crashtest - die neue Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET.
Von Michael WittershagenWelch schöner Anblick das doch gewesen wäre! Dienstag, 9.07 Uhr in Jerez de la Frontera: 13 Grad Celsius, der Himmel ist bewölkt, und die große Hoffnung kreist wieder: Rekordweltmeister Michael Schumacher drückt aufs Gas und macht sich in einem Boliden der Nachwuchsklasse GP2 bereit für sein Comeback. Nur lässt er niemanden zuschauen.
Diese Ruhe und Abgeschiedenheit von allem und jedem, er wird sie schon bald nicht mehr erleben. Die Maschinerie rund um seine Rückkehr hat längst begonnen. Die Einschaltquoten werden steigen, Sponsoren wieder freizügiger investieren und die Fans so zahlreich wie lange nicht mehr zu den Strecken pilgern. Ein einziger Mann reicht aus, um die Phantasie der Formel-1-Gemeinde kräftig zu beflügeln - und das Geschäft mit der Geschwindigkeit ordentlich anzukurbeln. Welch wunderbare Nachrichten in diesen schlechten Zeiten. Aber war es in den drei Jahren ohne ihn nicht schon spannend genug?
Viele werden das nicht mitbekommen haben, schließlich saßen in der vergangenen Saison in Deutschland im Schnitt mehr als zwei Millionen Zuschauer weniger vor den Fernsehern als noch 2006. Gemeinsam mit Schumacher hatten einige seiner Jünger damals der Formel 1 den Rücken gekehrt. Nun sind sie wieder da, und die Konkurrenz erscheint größer denn je. Jenson Button, Lewis Hamilton, Fernando Alonso und eben Schumacher - wann zuletzt starteten so viele Weltmeister in eine Saison? Sebastian Vettel, Nico Rosberg, Felipe Massa, Rubens Barrichello - wann waren so viele ernstzunehmende Herausforderer dabei?
Schon 2009 war die Leistungsdichte an der Spitze enorm. Sechs Sieger aus vier verschiedenen Teams; der Absturz von Ferrari, die zwischenzeitliche Krise von McLaren-Mercedes; Adrian Sutil und Giancarlo Fisichella, die den Favoriten im sonst so unterlegenden Force India schon mal vor der Nase kreisten; dazu die Ausstiege von BMW und Toyota; die Skandale um den Manipulator Flavio Briatore und Chefvermarkter Bernie Ecclestone, der allzu oft über seine politischen Neigungen parlierte. Und 2010?
Der Unterschied zwischen Hamilton und Button
Nicht nur wegen Schumacher verspricht die neue Saison noch mehr. Drei verschiedene Weltmeister in den drei Jahren ohne Schumacher - welche Sprünge möglich sind, hat in der vergangenen Saison Ross Brawn demonstriert, dessen Überraschungsauto Button zur Verwunderung vieler zum Titel gefahren hat. Diesen blassen Engländer, der in seinen ersten neun Jahren seiner Formel-1-Karriere vor allem durch protzige Boote im Hafen und schöne Frauen an seiner Seite aufgefallen war. Eine ist noch immer da: Jessica Michibata, das Unterwäsche-Model. Sie ist der große Unterschied zwischen Button und seinem neuen Widersacher im eigenen Team. Lewis Hamilton, der Weltmeister von 2008, hat sich in dieser Woche von seiner Freundin Nicole Scherzinger getrennt - und zieht als Einzelkämpfer in die Battle of Britain bei McLaren. Und als selbsterklärter Außenseiter: „Ich bin nur der Nummer-zwei-Fahrer“, sagt er.
Die Nummer eins bei Ferrari und somit Schumachers Nachfolger mit Verzögerung ist Fernando Alonso. Dem Spanier ist es 2005 und 2006 gelungen, zwei Mal hintereinander Weltmeister zu werden. Alonso war der einzige, der Schumacher am Ende von dessen Ferrari-Ära nahtlos folgen konnte. Andere, seine potentiellen Nachfolger, hätten dies wenigstens gern probiert. Vettel etwa, der sich bisher nur im Kart und in Showkämpfen mit Schumacher messen konnte.
Oder Hamilton, der nun frohlockt ob seines neuen Gegners: „Ich denke, es könnte eines der aufregendsten Jahre für die Formel 1 werden, besonders für mich.“ Wer ist der neue Schumacher? Eine oft gestellte Frage in den vergangenen Jahren. Nun gibt es die Antwort: Das Original ist zurück - und bald werden Millionen Zuschauer ihn auch wieder bei der Arbeit beobachten dürfen.