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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne Das Schweigen vor dem Sturm

03.03.2010 ·  Das war's: Die letzten Testrunden sind gedreht, die Formel-1-Teams schicken ihre Container auf den Weg nach Bahrein zum Saisonauftakt in der kommenden Woche. Und Michael Schumacher? Liefert nur mittelmäßige Testzeiten. Was hat das zu bedeuten?

Von Michael Wittershagen
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Es gibt nur eine Wahrheit in der Formel 1, und die prangt auf den Zeitenmonitoren: Lewis Hamilton (McLaren) vor Mark Webber (Red Bull) und Felipe Massa (Ferrari) - in dieser Reihenfolge würden die Piloten auf die Hatz nach Punkten und Pokalen gehen, wenn die Testergebnisse von Barcelona auch beim Saisonauftakt in Bahrein am 14. März noch gültig wären.

Ein Rennen im Konjunktiv, denn die klugen Köpfe der Teams bemühen sich längst schon wieder darum, die Zukunft zu beeinflussen. Sie zu ihren Gunsten zu verändern. Brüten über den Daten der Übungsfahrten, üben sich in Hochrechnungen und Analysen und versuchen sich in möglichst zuverlässigen Prognosen. Noch will indes niemand sagen, wie schnell sein Bolide tatsächlich ist - im Vergleich mit der Konkurrenz. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit.

Die Branche hüllt sich in Geheimniskrämerei, das gehört zum guten Ton der Formel 1. Unüblich ist jedoch, dass die Kampfansagen ausbleiben. Als Erklärung dient den Verantwortlichen in diesem Jahr das Nachtankverbot während der Rennen. Vollgepumpt mit Benzin kann ein Bolide schon mal 150 Kilogramm mehr wiegen als ein anderer, je nach Strecke unterscheiden sich die Rundenzeiten dann um bis zu vier Sekunden. Was ist da eine absolute Bestzeit überhaupt noch wert?

„Es ist ein Puzzle, das schwer zu lesen ist“, sagt selbst Rekordweltmeister Michael Schumacher. Dabei gibt es beinahe nichts rund um diese sündhaft teuren Boliden, was nicht durchleuchtet wird. Tausende Sensoren fühlen das Innenleben der Rennwagen, messen den Puls der Geschwindigkeit und zeichnen all das auf, was irgendwelche Probleme bereiten könnte. Schon bevor die erste Startampel auf Grün schaltet, wissen die Ingenieure besser über die eigenen Stärken und jene der Konkurrenz Bescheid, als sie zugeben möchten. Also: Quo vadis?

Mercedes im Mittelmaß

Diese Frage lächelt Schumacher nur milde beiseite. Kein Kommentar. Zumindest keiner, der nähere Erkenntnisse zulassen würde. Auch zum Schutze seiner selbst? Beim Test-Abschluss in Barcelona reichte es für ihn schließlich nur für die neuntbeste Zeit - sogar Adrian Sutil im Force India (4.) und Nico Hülkenberg im Williams (5.) waren schneller unterwegs. Ebenso Sebastian Vettel (7.) und Teamkollege Nico Rosberg (8.). Mercedes nur ein Hinterbänkler?

Zumeist bewegten sich die Stuttgarter auf Augenhöhe mit Williams und Sauber. Mit Rennställen also, die zuletzt Synonyme für das Mittelmaß der Serie waren. Was Schumacher Hoffnung macht: Die besten acht Teams trennte nur eine halbe Sekunde. Längst haben die Rennställe erste Container voll mit Material auf den Seeweg nach Bahrein geschickt. Der Ernstfall rückt näher, und damit kennt sich kaum jemand besser aus als Schumacher: „Testen ist eine Sache, Rennfahren eine andere.“

Da wird schließlich manches wieder ganz anders sein, und genau das macht die Faszination der Formel 1 aus. Denn trotz aller Mühen um ein gläsernes Auto ist dieser Sport vor allem deshalb so spannend und interessant, weil niemand vorher weiß, was am Ende auf den Zeitenmonitoren steht. Dafür ist der Mensch ein allzu unbeständiges Wesen.

Testergebnisse Barcelona:

Hamilton (McLaren): 1.20.473
Webber (Red Bull): 1.20.496
Massa (Ferrari): 1.20.539
Sutil (Force India): 1.20.606
Hülkenberg (Williams): 1.20.614
Alonso (Ferrari): 1.20.637
Vettel (Red Bull): 1.20.667
Rosberg (Mercedes): 1.20.686
Schumacher (Mercedes): 1.20.689
Barrichello (Williams: 1.20.870
Kobayashi (Sauber): 1.20.911
De la Rosa (Sauber): 1.20.973
Liuzzi (Force India): 1.21.056
Buemi (Toro Rosso): 1.21.413
Button (McLaren): 1.21.450
Alguersuari (Toro Rosso): 1.21.571
Petrow (Renault): 1.22.523
Kubica (Renault): 1.23.175
Trulli (Lotus): 1.25.059
Kovalainen (Lotus): 1.25.251
Glock (Virgin): 1.25.942
di Grassi (Virgin): 1.26.160

Crashtest - die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Mittwoch für Mittwoch dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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