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Crashtest - die Formel-1-Kolumne Alter Mann zum Mitfahren gefunden

23.11.2011 ·  Die alte Formel-1-Saison ist noch nicht beendet, da kündigt die neue ein erstes Highlight an. Neu ab 2012: Die Ü-40-Wertung. Denn Michael Schumacher bekommt Konkurrenz. Ernsthaft? Nun ja.

Von Anno Hecker
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© AFP Vor fünf Jahren: De la Rosa als nicht ganz frischer, aber schneller McLaren-Pilot

Die Formel 1 kommt langsam in die Jahre. Der 81 Jahre alte Chefmanager Bernie Ecclestone mag das mit dem Vorsprung von 41 Jahren vor Pedro de la Rosa anders betrachten und in dem Spanier einen jungen Hüpfer sehen.

Aus dem Blickwinkel der vielen blutjungen, hochtalentierten Rennfahrer mit Formel-1-Potential aber erscheint der Stammpiloten-Vertrag für de la Rosa beim Rennstall HRT wie ein groteskes Comeback des Altertums. Macht die Formel 1 jetzt eine Ü-40-Klasse auf? Respekt, meine Damen und Herren!

Pedro de la Rosa gilt als Weiser unter den Steuermännern. Der Mann kreist schließlich seit 1999 in der Formel 1, allerdings meistens um Cockpits. Wobei es zu differenzieren gilt. Martin Whitmarsh kann das. Er ist ein Mensch, der sehr eloquent die Details des Geschäfts zu erklären vermag. Der Teamchef von McLaren sprach dieser Tage in den höchsten Tönen von seinem nun ehemaligen Test- und Ersatzpiloten de La Rosa.

Wärme und Menschlichkeit

Und zwar so, wie man sich das Fazit zum Ende eines langen, gemeinsamen Lebensabschnitts wünscht: Whitmarsh erwähnte die Wärme, die Menschlichkeit dieses feinen Kerls, ja, auch dessen unsichtbare Hilfe bei der Verbesserung seiner Rennwagen in acht Jahren.

Whitmarsh sagte über den Vater dreier Töchter aber auch dies: Ein Personalproblem habe McLaren nun nicht. Gute Fahrt, also, lieber Pedro. Das ist ihm zu wünschen. Denn in zwölf Jahren hat es selten gereicht für eine kontinuierliche Arbeit am Lenkrad eines Arrows, eines Jaguars, eines Saubers.

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© ASSOCIATED PRESS Weggeboxt: Nick Heidfeld gibt Pedro de la Rosa in dessen zweiten Formel-1-Jahr bei Arrows Flugunterricht - Sepang im Oktober 2000

Sie meinen, de la Rosas zweiter Platz von Ungarn 2006 am Steuer des McLaren beweise, dass das Glück des Formel-1-Menschen vom Auto abhängt? Das stimmt grundsätzlich.

Aber das Unglück der Piloten, von der Boxenmauer aus ständig durchleuchtet zu werden, kompensiert diese Rechnung. Die Steuermänner an den Monitoren wissen genau, wann die Kurvenkünstler ihr persönliches Limit erreichen. In de la Rosas Fall muss man die Daten nicht mal en Detail studieren.

Es reicht, sich an die Zweikämpfe in seinen 86 Grand Prix zu erinnern: Bei Arrows verlor er gegen den durchschnittlichen Jos Verstappen, bei Jaguar gegen den von Ferrari ausgemusterten Schumacher-Knappen Eddie Irvine, bei Sauber gegen den fixen, aber ungestümen Kamui Kobayashi.

Weshalb die Schweizer schon im Spätsommer 2010 den Spanier durch den ewigen Zweiten Nick Heidfeld ersetzten. Selbst in der McLaren-Familie blieb de la Rosa Stand-by-Pilot. Die Nachfolge des geschassten Pablo Montoya trat 2007 Lewis Hamilton an. Den Sitz von Fernando Alonso erhielt 2008 Heikki Kovalainen für zwei Jahre. Dann wurde der Finne abgeschoben. Nun versucht er, mit Lotus den Anschluss als Mittelfeld zu bekommen.

Freude wie ein Zwanzigjähriger

De la Rosa hat also viel ertragen müssen. Vor allem Niederlagen gegen Piloten der zweiten Kategorie. Glücklicherweise gibt es aber viele Fahrer-Klassen in der Formel 1. Da wären die Champions wie Sebastian Vettel, etablierte Spitzenpiloten wie Jenson Button, potentielle Titel-Kandidaten wie vielleicht Nico Rosberg, der hoffnungsvolle Nachwuchs und schließlich noch die Altruisten.

Ja, es gibt nicht nur Egozentriker in der Formel 1. Sie nennen sich Entwicklungshelfer für die Minderbemittelten. De la Rosa ist nun einer dieser Selbstlosen. Er begibt sich schließlich in die Niederungen mit dem Einstieg bei HRT.

Wenn man die spanischen Besitzer so reden hört, dann ist ihr Landsmann die einzig vernünftige, ja die geradezu zwingende Lösung. Der wiederum freut sich auf seinen Einstieg im Team der Überlebenskünstler wie ein Zwanzigjähriger: „Das ist der wichtigste Schritt in meiner Karriere.“ Aber sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Auch in der Ü-40-Wertung wird de la Rosa seinen Meister finden: Schumacher.

Crashtest - Die Formel-1-Kolumne bei FAZ.NET: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen Woche für Woche dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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