21.10.2006 · Für Fernando Alonso ist trotz seines großen Vorsprungs die Entscheidung in der Formel-1-WM noch offen. „Ich glaube nicht, daß alles gelaufen ist“, warnte der spanische Spitzenreiter vor dem Finale in São Paulo sein Renault-Team vor Selbstgefälligkeit.
Für Fernando Alonso ist trotz seines großen Vorsprungs die Entscheidung in der Formel-1-WM noch offen. „Ich glaube nicht, daß alles gelaufen ist“, warnte der spanische Spitzenreiter vor dem Finale in São Paulo sein Renault-Team vor Selbstgefälligkeit.
Michael Schumacher hat die Fahrer-Weltmeisterschaft abgehakt, weil Sie mit zehn Punkten Vorsprung führen und nur noch einen Punkt brauchen, um zum zweiten Mal Weltmeister zu werden. Was halten Sie davon?
Ich denke nicht, daß es vorbei ist. Du weißt erst nach der letzten Runde, ob du Champion bist. Alles kann passieren, nichts ist sicher.
Sie fühlen sich also gerüstet?
Das Team ist für diesen letzten Kampf bereit. Dank des Resultats von Japan (Alonso siegte, Schumacher fiel in Führung liegend wegen eines Motorschadens aus) haben wir eine gute Ausgangsposition. Das Auto ist gut vorbereitet, ich auch. Allerdings war das nicht so einfach. Ich mußte gut auf dem Mountainbike trainieren, aber vorsichtig sein, weil ich mich nicht verletzen wollte. Ich wollte hier mit maximaler Konzentration anreisen. Denn wir dürfen uns keine Fehler leisten. Wenn wir unsere übliche Leistungsfähigkeit erreichen, ein normales Rennen haben, dann können wir mit beiden Autos unter die ersten drei kommen.
Auf dem Kurs "Autodromo Jose Carlos Pacé" ist die erste Linkskurve mit dem folgenden Rechtsbogen sehr eng. Es könnte leicht zu Unfällen kommen. Wie können Sie einen Crash vermeiden?
Ich muß mich aus allen Zweikämpfen heraushalten. Die Startphase ist sicherlich besonders gefährlich. Da kann es schnell zu einer Kollision kommen. Da muß nicht mal Vorsatz im Spiel sein.
Haben Sie Angst, am Sonntag könnte es unfair zugehen?
Nein, gar nicht. Alle Fahrer wünschen sich im letzten Rennen ein gutes Resultat. Alle wollen vor dem Winter ein gutes Ergebnis. Ich gehe von einem normalen Rennen aus.
Sie brauchen nur noch einen Punkt, um Weltmeister zu werden, können also vorsichtig fahren. Andererseits wünscht sich Renault, auch die Konstrukteurswertung zu gewinnen.
Stimmt, aber um ehrlich zu sein: Die Fahrer-WM hat doch eindeutig Priorität, nicht nur für mich, sondern für alle. In China sah man an den Straßenrändern nur Michaels und Alonsos Gesicht auf den Plakaten. Die Logos von Ferrari oder Renault waren nicht zu sehen. Die Leute erinnern sich, wer Weltmeister wird und mit welchem Auto er fuhr. Aber wer Konstrukteursweltmeister war, das weiß in zehn Jahren niemand mehr. Ich denke, das Team: weiß auch, welche Meisterschaft wichtiger ist. Wenn es uns dann auch noch gelingt, Marken-Weltmeister zu werden, dann ist das um so besser für die Preisgeldverteilung, für die Position von Renault.
In ihrem Auto steckt eine andere Motorenausbaustufe als im Wagen Ihres Teamkollegen Giancarlo Fisichella. Starten Sie mit einer konservativeren Strategie?
Nein, die sollte gleich sein. Denn der Leistungsunterschied ist nicht eklatant, nicht einmal eine Zehntelsekunde. Daher wird die Rundenzeit oder Strategie nicht weit auseinanderklaffen.
Vor einem Jahr war Ihre Ausgangsposition vor Brasilien ähnlich wie diesmal. Ist der Druck jetzt höher als damals?
Er ist gleich. Wenn man die Chance hat, Weltmeister zu werden, hat man immer Druck, weil die Motivation da ist, der Traum noch einmal erreicht werden kann. Vergangenes Jahr hatte ich drei Möglichkeiten: hier, in China und in Japan, während es diesmal nur dieses eine Rennen ist. Jetzt kann ich es mir halt nicht leisten, mir diese Möglichkeit entgehen zu lassen. Also: Volle Konzentration!
Aufgezeichnet von Anno Hecker.