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24 Stunden von Le Mans Der Hundertjährige zu langsam

14.06.2009 ·  Peugeot hat die Siegesserie von Audi bei den berühmten 24 Stunden von Le Mans gestoppt. Nach zuletzt fünf Triumphen in Serie an der Sarthe mussten sich die Ingolstädter bei der Le-Mans-Premiere des neuen R15 TDI mit Rang drei zufrieden geben.

Von Jochen Stahnke, Le Mans
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Ausgerechnet zum Hundertsten Geburtstag von Audi hat Erzrivale Peugeot das 24-Stunden-Rennen von Le Mans überlegen gewonnen. Im Herstellerduell gegen Audi zogen die Ingolstädter, die die vergangenen fünf Jahre hintereinander gewinnen konnten, mit deutlich geringerer Geschwindigkeit den Kürzeren. Audi wurde mit sechs Runden Rückstand allerdings dennoch Dritter hinter den zwei erstplatzierten Dieselfahrzeugen von Peugeot. Am Steuer des siegreichen 908 HDI saßen die ehemaligen Formel-1-Piloten Alexander Wurz, David Brabham und Marc Gené, die 382 Runden zurücklegen konnten. Ihre französischen Teamkollegen Sebastien Bourdais, Franck Montagny und Stephane Sarrazin belegten Rang zwei.

Es war ein Wochenende des Protests. Zunächst blockierten französische Milchbauern die Zufahrtsstraßen nach Le Mans und kippten Gülle auf die Fahrbahn. Kurz vor dem Rennen legte dann Peugeot gleich zweimal Protest gegen die aerodynamische Frontpartie des neuen Audi R15 ein, obgleich diese vom Veranstalter Automobile Club de l'Ouest bereits abgenommen worden war. Der französische Automobilverband lehnte den Protest ab. Sportchef Olivier Quesnel kündigte daraufhin an, beim Weltverband FIA protestieren zu wollen.

Peugeot hat in diesem Jahr alle möglichen Register gezogen: Ende vergangenen Jahres wurde der Sportchef Michel Barge gefeuert und durch Quesnel ersetzt. Schließlich besetzte man die drei Teams wieder fast ausschließlich mit aktuellen oder ehemaligen Formel-1-Fahrern. Zudem nahm Peugeot eine Box am anderen Ende der Boxengasse, so weit wie möglich entfernt vom Hauptrivalen Audi. „Wir mussten eine riesige Erwartungshaltung erfüllen“, sagte Quesnel nach dem Rennen. Angeblich hatte die Fortsetzung des Engagements von Peugeot in Le Man auf dem Spiel gestanden: „Für mich geht ein großer Traum in Erfüllung.“

Audi machte es den Franzosen nicht allzu schwer. „Das Rennen ist zweifellos nicht so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben“, sagte Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich nach dem Rennen. Alle drei Fahrzeuge hatten regelmäßig technische Probleme. So verschmutzten die schwer zugänglichen Ladekühler des Audis so stark, dass sie andauernd gereinigt werden mussten. Bereits kurz vor zehn Uhr am Samstagabend schied der zweite Audi aus, nachdem Lucas Luhr wegen eines Fahrfehlers in die Reifenbegrenzung geprallt war. „Es steht fest, dass es sich um keinen technischen Defekt gehandelt hat, mehr sage ich nicht“, sagte ein Audi-Sprecher, während Sportchef Ulrich tobte.

Audi machte es den Franzosen nicht allzu schwer

Selbst das Wetter war in diesem Jahr auf Seiten der Franzosen: Bis auf kleinere Schauer blieb es trocken und tagsüber sonnig. Die Audi-Fahrzeuge bieten aber nur auf regennasser Fahrbahn mehr Haftung. So waren die Peugeot-Boliden im Schnitt mehr als vier Kilometer pro Stunde schneller. Dass Audi die etwas größere Reichweite besitzt, nützte deshalb nichts. Am Ende blieb der Audi von Tom Kristensen, Allan McNish und Dindo Capello sechs Runden hinter dem zweitplatzierten Peugeot zurück.

Die Deutschen haderten zwar nicht mit der Niederlage, erwarten aber für die Zukunft ein klares Signal, „dass es wieder stabile und verlässliche Regeln gibt“, wie Audi-Sprecher Jürgen Pippig sagte. Dieses Jahr mussten die Dieselfahrzeuge nach dem neuen Reglement 30 Kilogramm mehr wiegen als im vergangenen Jahr. Schlimmer noch wog, dass der traditionellen Testtag am Dienstag gestrichen wurde. So konnte Audi sein völlig neu konstruiertes Fahrzeug vor dem Rennen nur im freien Training am Mittwoch, im Qualifying und in der Aufwärmphase am Samstagmorgen testen.

Spekulationen um Ferrari

Testfahrten sind auf der 13,629 Kilometer langen Strecke nicht möglich, da sie zu mehr als 70 Prozent als öffentliche Landstraße dient. Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler kündigte trotz der Verärgerung eine Rückkehr im nächsten Jahr an: „Wir stehen klar zu diesem Rennen. Audi wird alles daran setzen, den Le Mans-Siegerpokal 2010 zurückzuholen.“

Ein neues Werksteam könnte Ferrari werden. Jedenfalls erweckte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo diesen Eindruck in Le Mans. Der Italiener wollte eine werkseitige Rückkehr seiner Scuderia in das berühmteste 24-Stunden-Rennen auf Nachfragen nicht ausschließen. Vielleicht betrieb er aber auch nur ein bisschen Politik angesichts des Dauerstreites in der Formel 1 (siehe: Der Streit geht weiter: Machtkampf in der Formel 1). Immerhin scheinen sich Wiedereinsteige zu lohnen. Hinter Peugeot und Audi kam Aston Martin auf Rang vier. Das Team um den Deutschen Stefan Mücke nahm erstmals seit 1959 wieder in der Prototypenklasse teil und profitierte von den Ausfällen der Favoriten.

77. Auflage der 24 Stunden von Le Mans (eine Runde = 13,629 km), 55 Teams gestartet - 32 im Ziel, Endstand nach 382 Runden (5206,278 km):
1. David Brabham/Marc Gene/Alexander Wurz (Australien/Spanien/Österreich) Peugeot 908 HDi 24:01:45,442 Stunden (216,664 km/h), 2. Sebastien Bourdais/Franck Montagny/Stephane Sarrazin (alle Frankreich) Peugeot 908 HDi 1 Runde zurück,
3. Rinaldo Capello/Tom Kristensen/Allan McNish (Italien/Dänemark/Großbritannien) Joest-Audi R15 TDI 6 Runden, 4. Jan Charouz/Tomas Enge/Stefan Mücke (Tschechien/Tschechien/Berlin) Aston Martin-Lola 9 Runden, 5. Soheil Ayari/Nicolas Lapierre/Olivier Panis (alle Frankreich) Oreca-01-AIM 12 Runden, 6. Christian Klien/Pedro Lamy/Nicolas Minassian (Österreich/Portugal/Frankreich) Peugeot 908 HDI 13 Runden, 7. Narain Karthikeyan/Andre Lotterer/Charles Zwolsman (Indien/Duisburg/Niederlande) Kolles-Audi R10 TDI 13 Runden, 8. Joao Barbosa/Bruce Jouanny/ Christophe Tinseau (Portugal/Frankreich/Frankreich) Pescarolo-Judd 14 Runden

Sieger der 24 Stunden von Le Mans (1923 - 2009):
1923 Chenard & Walcker A. Lagache/R. Leonard 1924 Bentley J. Duff/F. Clement 1925 La Lorraine G. de Courcelles/A. Rossignol 1926 La Lorraine R. Bloch/A. Rossignol 1927 Bentley D. Benjafield/S. Davis 1928 Bentley W. Barnato/B. Rubin 1929 Bentley W. Barnato/H. Birkin 1930 Bentley W. Barnato/G. Kidston 1931 Alfa Romeo E. Howe/H. Birkin 1932 Alfa Romeo R. Sommer/L. Chinetti 1933 Alfa Romeo R. Sommer/T. Nuvolari 1934 Alfa Romeo L. Chinetti/P. Etancelin 1935 Lagonda J.S. Hindmarsh/L. Fontes 1937 Bugatti J.P. Wimille/R. Benoist 1938 Delahaye E. Chaboud/J. Tremoulet 1939 Bugatti J.P. Wimille/P. Veyron 1949 Ferrari L. Chinetti/Selsdon 1950 Talbot-Lago L. Rosier/J.L. Rosier 1951 Jaguar P. Walker/P. Whitehead 1952 Mercedes H. Lang/F. Riess 1953 Jaguar T. Rolt/D. Hamilton 1954 Ferrari F. Gonzalez/M. Trintignant 1955 Jaguar M. Hawthorn/I. Bueb 1956 Jaguar R. Flockhart/N. Sanderson 1957 Jaguar R. Flockhart/I. Bueb 1958 Ferrari O. Gendebien/P. Hill 1959 Aston Martin C. Shelby/R. Salvadori 1960 Ferrari O. Gendebien/P. Frere 1961 Ferrari O. Gendebien/P. Hill 1962 Ferrari O. Gendebien/P. Hill 1963 Ferrari L. Scarfiotti/L. Bandini 1964 Ferrari J. Guichet/N. Vaccarella 1965 Ferrari J. Rindt/M. Gregory 1966 Ford C. Amon/B. McLaren 1967 Ford D. Gurney/A.J. Foyt 1968 Ford P. Rodriguez/L. Bianchi 1969 Ford J. Ickx/J. Oliver 1970 Porsche H. Herrmann/R. Attwood 1971 Porsche H. Marko/G. van Lennep 1972 Matra-Simca H. Pescarolo/G. Hill 1973 Matra-Simca H. Pescarolo/G. Larrousse 1974 Matra-Simca H. Pescarolo/G. Larrousse 1975 Mirage-Ford J. Ickx/D. Bell 1976 Porsche J. Ickx/G. van Lennep 1977 Porsche J. Ickx/J. Barth/H. Haywood 1978 Renault J.P. Jaussaud/D. Pironi 1979 Porsche K. Ludwig/B. und D. Whittington 1980 Rondeau Ford J.P. Jaussaud/J. Rondeau 1981 Porsche J. Ickx/D. Bell 1982 Porsche J. Ickx/D. Bell 1983 Porsche V. Schuppan/H. Haywood/A. Holbert 1984 Porsche K. Ludwig/H. Pescarolo 1985 Porsche K. Ludwig/P. Barilla/J. Winter 1986 Porsche D. Bell/H.J. Stuck/A. Holbert 1987 Porsche D. Bell/H.J. Stuck/A. Holbert 1988 Jaguar J. Dumfries/J. Lammers/A. Wallace 1989 Sauber-Mercedes J. Mass/S. Dickens/M. Reuter 1990 Jaguar M. Brundle/J. Nielsen/P. Cobb 1991 Mazda J. Herbert/B. Gachot/V. Weidler 1992 Peugeot D. Warwick/Y. Dalmas/M. Blundell 1993 Peugeot G. Brabham/E. Helary/C. Bouchut 1994 Porsche Y. Dalmas/H. Haywood/M. Baldi 1995 McLaren Y. Dalmas/J.J. Lehto/M. Sekiya 1996 Porsche D. Jones/M. Reuter/A. Wurz 1997 Porsche M. Alboreto/S. Johansson/T. Kristensen 1998 Porsche A. McNish/S. Ortelli/L. Aiello 1999 BMW Y. Dalmas/J. Winkelhock/P. Martini 2000 Audi F. Biela/T. Kristensen/E. Pirro 2001 Audi F. Biela/T. Kristensen/E. Pirro 2002 Audi F. Biela/T. Kristensen/E. Pirro 2003 Bentley T. Kristensen/R. Capello/G. Smith 2004 Audi T. Kristensen/R. Capello/S. Ara 2005 Audi T. Kristensen/JJ Lehto/M. Werner 2006 Audi F. Biela/E. Pirro/M. Werner 2007 Audi F. Biela/E. Pirro/M. Werner 2008 Audi T. Kristensen/A. McNish/R. Capello 2009 Peugeot D. Brabham/M. Gene/A. Wurz

Quelle: FAZ.NET mit dpa
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Jahrgang 1980, Redakteur in der Politik.

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