Andacht und Betroffenheit statt Marktgeschrei und Bambule: Das Terrorattentat in den USA hat auch die in Amerika beheimatete Motorsportserie völlig auf den Kopf gestellt. Tiefe Betroffenheit, lange Gesichter und nur knappe Kommentare der US- Piloten kennzeichneten die Situation in der Boxengasse am Lausitzring, wo die Champ Cars erstmals in Europa Station machen.
Der Dauerregen tat sein übriges, um die Tristesse noch zu verstärken. Die
Premiere der US-Cart-Serie fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Nach heftigen Regenfällen wurde das freie Training am Donnerstag abgesagt. Auch das entscheidende Qualifying am Freitag wurde bereits gestrichen.
„The Show must go on“ - mit diesem Slogan hatten sich die Veranstalter zuvor entschieden, die Europa-Premiere der Millionen-Veranstaltung trotz aller moralischen Bedenken über die Bühne gehen zu lassen.
Superstar Michael Andretti noch in Amerika
„Wir stehen hinter dieser Entscheidung der Cart-Organisation. Alle haben lange Wege auf sich genommen, um hier zu starten“, meinte der Schwede Kenny Bräck, der in diesem Jahr schon die Rennen in Japan, Milwaukee und Chicago für sich entschieden hat und im Gesamtklassement nach 15 Stationen aussichtsreich auf Platz zwei liegt.
Unmittelbar betroffen von den verheerenden Auswirkungen der Anschläge ist Cart-Superstar Michael Andretti. Der US-Amerikaner, der bislang 41 Champ-Car-Rennen gewann und damit unangefochtener Rekordhalter ist, konnte auf Grund des Flugverbots in Amerika noch nicht nach Europa abheben. Nach Auskunft des Motorola-Pressesprechers will der 38-jährige Sohn des 78er Formel-1-Weltmeisters Mario Andretti dennoch versuchen, bis zum Freitag in der Lausitz zu sein.
Gefragter Pfarrer
Gedrückte Stimmung herrschte aber nicht nur unter den derzeit rund 1500 Amerikanern am Eurospeedway anwesenden Amerikanern. Kaum einer der Stars will seinen Gemütszustand nach der Katastrophe öffentlich zur Schau stellen. Viele haben die Angebote zur Betreuung durch Pfarrer der „American Church“ aus Berlin in Anspruch genommen.
Eine fünfminütige Gedenkpause für die Opfer des Terrors ließ schließlich auch in den sonst so quirligen Boxen das ganz große Schweigen einziehen. Im Gegensatz zur Formel 1 ist bei den Champ Cars das Publikum in der Boxengasse herzlich willkommen. Hunderte Fans nutzten am Morgen die Gelegenheit, gemeinsam mit ihren Stars der Katastrophen-Opfer zu gedenken.
Reduziertes Showprogramm
Insgesamt wurden 20.000 Tickets auch für den Boxenaufenthalt verkauft. Die großen Werbekampagnen mit dem „american way of drive“, zu dem auch die Show-Stars Paul Newman, David Letterman oder Sylvester Stallone in der Lausitz erwartet wurden, sind angesichts der bedrückenden Weltsituation rigoros zurückgefahren worden.
Hüpfende Show-Girls und fröhliche Songs sind abgesagt, die Flaggen wehen auf Halbmast. Slogans wie „Für die Hölle gibt es noch Eintrittskarten“ haben unter den neuen Vorzeichen keinen Platz mehr am Eurospeedway.