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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Zwist im Fall Glandorf Kein Feuer für die WM?

Der beste deutsche Linkshänder sagt für die WM ab, was den Handball-Bundestrainer echauffiert. Nach Glandorfs Verzicht wird der Vorwurf laut, Flensburg verbiete Spielern die Nationalmannschaft. Die SG reagiert empört.

© dpa Vergrößern Nach langer Verletztung auf dem Weg zu alter Stärke: Flensburgs Holger Glandorf

Beim Deutschen Handballbund ist es natürlich niemandem verborgen geblieben, wie Holger Glandorf gerade spielt - überragend. Zehn Tore gelangen dem 29 Jahre alten Profi am Samstag beim 29:25-Sieg der SG Flensburg-Handewitt gegen Frischauf Göppingen. Einen Glandorf in dieser Form könnte auch Bundestrainer Martin Heuberger dringend gebrauchen: „Holger ist der beste Rückraum-Rechte, den wir haben“, sagt Heuberger. Er sagt es allerdings nicht besonders erfreut. Denn seit einigen Tagen ist es kein in der Handballszene kursierendes Gerücht mehr, sondern ein Fakt, dass Glandorf dem DHB bei der Weltmeisterschaft im Januar in Spanien fehlen wird.

Beide brauchen eine Pause

Zunächst zögerte Glandorf mit seiner Zusage, dann zog Heuberger die Reißleine: Ihm fehlten bei Glandorf das „Feuer und die Bereitschaft“, der deutschen Nationalmannschaft in Spanien zu helfen. Also verzichtete er bei der Zusammenstellung seines vorläufigen Kaders auf Glandorf und auf den zweiten Flensburger Rückraumschützen Lars Kaufmann gleich mit. Beide brauchten nach langwierigen Verletzungen eine Pause, so dass sie sich beim kommenden Großereignis unbedingt schonen müssten, hieß es von Seiten der SG Flensburg. Glandorf hatte sich im April ausgerechnet bei Länderspielen durch eine verunreinigte Spritze eine schlimme bakterielle Infektion zugezogen und danach wochenlang pausieren müssen. Bei Kaufmann schmerzt das Knie, er befindet sich nach einer Arthroskopie noch im Aufbautraining. Beide hatten Heuberger telefonisch ihren Verzicht mitgeteilt.

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Allerdings macht es Heuberger stutzig, dass Glandorf in Flensburg längst wieder spielt, auf einen DHB-Einsatz aber verzichten will. Am Montag sagte der Bundestrainer: „Wenn ein Spieler so angeschlagen ist, wie er es mir versucht, glaubhaft zu machen, muss er auch auf Vereinsspiele verzichten. Holger ist aber auf Topniveau.“ Heuberger sagte, er habe Glandorf goldene Brücken gebaut. Er hätte es akzeptiert, wenn Glandorf erst kurz vor der WM zum Team gestoßen wäre - so wie es zu Heiner Brands Zeiten auch mit Volker Zerbe gemacht wurde.

Nun steht Glandorfs Verzicht unverrückbar in der Landschaft und mit ihm der halblaut geäußerte Vorwurf in Richtung der SG, sie würde ihren Spielern die Nationalmannschaft verbieten. Der dänische Kreisläufer Michael Knudsen wird ebenfalls auf die WM verzichten - von der SG kurz vor der Vertragsverlängerung sanft dorthin gedrängt. Allerdings stellt der Verein klar, dass weder Glandorf noch Kaufmann noch Knudsen gezwungen worden seien, Spanien sausen zu lassen. Alle drei sollen ihre Nationalmannschaftskarrieren danach fortsetzen. Nur in diesem Januar eben sollen sie sich darauf beschränken, frisch und fit für die Rückrunde im Flensburger Trikot zu werden.

„Diesen Vorwurf finde ich frech“

Das Verhältnis zwischen Glandorf und seinem Arbeitgeber auf der einen und dem DHB auf der anderen Seite ist nach dem schweren medizinischen Zwischenfall im April ohnehin belastet. Da war es kein Wunder, dass man sich in Flensburg über die Unterstellung, Glandorf fehle das Feuer, aufregte. „Diesen Vorwurf finde ich frech“, sagte der Flensburger Trainer Ljubomir Vranjes, „das geht unter die Gürtellinie. Der Bundestrainer war die ganze Zeit informiert, wie es mit Lars und Holger steht.“ Auch leide Glandorf infolge seiner Infektion immer noch unter Bluthochdruck und Kreislaufproblemen.

Bild Holger Glandorf Wuchtig im Abschluss: Glandorf gilt als bester deutscher Linkshänder im rechten Rückraum © dpa Bilderstrecke 

Es stehen sich zwei Positionen ziemlich unvereinbar gegenüber: das Interesse des Vereins, der die Belastung seiner Angestellten außerhalb der Klubspiele so gering wie möglich halten will, und das Interesse des Bundestrainers, der das stärkste Nationalteam zusammenstellen will. Heuberger fehlt neben Glandorf und Kaufmann ein dritter Schlüsselspieler, der verletzte Linksaußen Uwe Gensheimer.

Für Glandorf ist das sicherlich ein Dilemma, jeder weiß, wie gern er für die Nationalmannschaft spielt. Allerdings wird er sich kaum über den Rat seines Geldgebers hinwegsetzen. Der ehemalige Handballstar Stefan Kretzschmar hat das grundlegende Problem schon benannt: „Wenn die Vereine einen derartigen Druck auf ihre Spieler ausüben, ist das eine bedrohliche Entwicklung für die Nationalmannschaft.“ Doch vielleicht führt dieser Druck endlich dazu, den Terminkalender der Handballspieler zu entschlacken.

Quelle: F.A.Z.

 
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