21.09.2007 · Radprofi Floyd Landis ist wegen Testosteron-Dopings für zwei Jahre gesperrt worden. Zudem wurde ihm der Tour-Sieg 2006 aberkannt. Dem Zweitplazierten Oscar Pereiro fällt damit der Titel zu.
14 Monate nach seinem Sieg bei der Tour de France und knapp 16 Wochen nach seiner Anhörung vor der American Arbitration Association (AAA) ist der amerikanische Radprofi Floyd Landis wegen Testosteron-Dopings für zwei Jahre gesperrt worden. Zu diesem Urteil kam das dreiköpfige Schiedsgericht der AAA.
Der Beginn der Sperre wurde rückwirkend auf den 30. Januar 2007 festgelegt. Zudem bestätigte der Weltverband UCI an diesem Freitag, dass Landis der Tour-Sieg 2006 aberkannt worden ist. Somit ist er der erste Sportler in der 105-jährigen Geschichte der Frankreich-Rundfahrt, der den Titel nachträglich verloren hat. Landis muss außerdem seine Siegprämie von 450.000 Euro zurückzahlen. Dies dürfte seine finanzielle Situation weiter erschweren, nachdem eine Armada von Anwälten ihn bereits Unsummen gekostet hat. Von 1,5 Millionen Euro ist hierbei die Rede.
Sieger Pereiro: „Eine Erleichterung“
Dem Zweitplazierten der Tour 2006, Oscar Pereiro aus Spanien, fällt nach dem Urteil der Titel zu. Der Präsident des Weltverbandes UCI, Pat McQuaid, hat den Spanier an diesem Freitag offiziell zum Sieger ausgerufen. „Gemäß unserer Statuten werden wir Landis aus der Siegerliste streichen und Oscar Pereiro als Gewinner führen“, sagte der Ire. Landis habe zwar noch die Chance, vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne das Urteil anzufechten, „aber egal, ob er das macht oder nicht, wir werden ihm den Titel aberkennen“. Zum möglichen Gang nach Lausanne sagte Landis: „Ich habe keinen Grund, dort mehr Fairness zu erwarten.“
Der Deutsche Andreas Klöden wird künftig als Zweiter geführt. „Dieses Urteil ist ein Schlag ins Gesicht für alle Athleten. Ich bin unschuldig, und das werde ich beweisen“, sagte Landis. „Ich bin Opfer eines korrupten Systems geworden.“ Der 30 Jahre alte Pereiro dagegen begrüßte das Urteil gegen den Amerikaner. „Es ist eine Erleichterung, dass Landis schuldig befunden worden ist. Ich hatte es satt, nur der 'virtuelle Sieger' zu sein“, sagte der Spanier am Freitag.
„Ich bin glücklich, aber so ein Sieg schmeckt nicht so wie der von Alberto Contador in diesem Jahr. Dieses Triumphgefühl auf den Champs-Elysées ist mir verwehrt geblieben“, bedauerte Pereiro. Aber in zehn Jahren sei es wunderbar, sich an diesen nachträglich zugesprochenen Sieg zu erinnern.
Test entsprach nicht Wada-Standard
Das Schiedsgericht räumte in seiner 84-seitigen Urteilsbegründung zwar ein, dass der bei Landis durchgeführte und letztlich positiv ausgefallene Testosteron-Epitestosteron-Test nicht nach den Standards der Welt-Antidoping-Agentur Wada durchgeführt wurde. Aber eine anschließende, präzisere und teurere Untersuchung habe eindeutig einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln ergeben. „Allein diese Analyse genügt schon als Basis, um von einem Steroid-Missbrauch zu sprechen“, sagten die Richter.
Laut Testergebnis hatte der positive Testosteron-Befund mit 11:1 den erlaubten Grenzwert von 4:1 deutlich überschritten. Landis wurde daraufhin von seinem Schweizer Rennstall Phonak suspendiert.
2:1 gegen Landis
In ihrer Abstimmung hatten die Juroren Landis mit 2:1 Stimmen für schuldig gesprochen, auf der 17. Etappe der Tour de France im Juli 2006 mit Testosteron gedopt zu haben. Nach einem Einbruch am Vortag hatte er in Morzine eine wundersame Wiederauferstehung gefeiert und mit 5:42 Minuten Vorsprung als Solist gewonnen.
Die Verteidigung des Radprofis hatte während der Anhörung im Mai darauf verwiesen, dass die nachträgliche Untersuchung der Landis-Proben im französischen Labor Chatenay-Malabry fehlerhaft gewesen sei und die Ergebnisse deshalb als „schlampig“ bezeichnet. „Bei der Untersuchung wurden so viele Fehler gemacht, aber das Schiedsgericht hat all diese Ungereimtheiten ignoriert. Es ist ein klares Fehlurteil“, betonte Landis' Anwalt Maurice Suh.
Das Gericht betonte zwar, dass diese Fehler nicht ausreichten, um den positiven Test für ungültig zu erklären, stellte jedoch gleichzeitig klar, dass es in Zukunft durchaus Probleme mit ähnlichen Fällen geben könnte, wenn derartige Untersuchungspraktiken fortgesetzt werden. Die Wada betonte in einer ersten Stellungnahme, dass man das Urteil genau analysieren wird. „Und wie bei allen anderen Dopingfällen bewerten wir die Sanktionen so, wie sie beschlossen wurden“, teilte die Wada weiter mit.