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Zum Tod von Bob Anderson Der wahre Darth Vader

 ·  Der ehemalige englische Olympia-Fechter Bob Anderson ist am Neujahrstag gestorben. Was viele nicht wissen: Sein Leben nach dem Sport war eine aufregende Stuntshow.

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Schade, dass mancher Leistungssportler heute so ratlos vor dem nahenden Ende seiner Karriere steht: Was soll jetzt noch Tolles kommen in seinem jungen Leben? Er sollte sich den Engländer Bob Anderson zum Beispiel nehmen - der hat sich das nie gefragt. Er hat unglaublich losgelegt, kaum dass seine Laufbahn auf der Planche vorbei war. Als Säbelfechter nahm er an den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki teil und belegte mit der britischen Mannschaft Platz fünf. Außerdem trat er bei zwei Weltmeisterschaften an.

Danach führte er vor, wie eine duale Sportkarriere im Idealfall auszusehen hat: Anderson wandte sich dem wahren Fechten zu - wehenden Umhängen, dem Klang von Stahl auf Stahl, Verfolgungsjagden treppauf und treppab, Salti über Zinnen und leere Fässer. Ein Schabernack ohne Schiedsrichter? Mitnichten! Der Legende nach soll ja sogar Deutschlands einstigen Fecht-Daddy Emil Beck seine Berufung ereilt haben, als er im Kino einen Mantel-und-Degen-Film sah.

Mit legendärem Laser-Schwert

Nur wenige wissen, dass es ein ehemaliger Olympiateilnehmer ist, dem wir die berühmtesten Klingen-Choreographien der Filmgeschichte zu verdanken haben: Bob Anderson begann als Fechtmeister und Stuntman von Errol Flynn für das Kostümspektakel „Der Freibeuter“. Zu seinen berühmtesten Eleven gehörten Sean Connery („Liebesgrüße aus Moskau“), Ryan O’Neal („Barry Lyndon“), Antonio Banderas und Catherine Zeta-Jones („Die Maske des Zorro“), und er schuf Fecht-Szenen etwa für „Der Herr der Ringe“ und „Die Braut des Prinzen“.

Und das Schärfste: Für die „Star Wars“-Saga entwarf er zunächst die Kampf-Choreographien des schwarzen Todesritters Darth Vader. Später, in „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr des Jedi-Ritters“, schlüpfte er sogar persönlich als Stuntman in das furchterregende schwarze Kostüm und nahm das legendäre Laser-Schwert selbst in die Hand. Ja, wirklich, liebe ehemalige Lausbuben aus den achtziger Jahren: Er trug das original Darth-Vader-Kostümset. Im Alter von sechzig Jahren.

Am Neujahrstag hat Bob Anderson in West Sussex im Alter von 89 Jahren das Schwert für immer aus der Hand gelegt. Einer seiner Nachrufe im Internet wurde mit einem kleinen Filmausschnitt ergänzt, in dem die beiden Hauptdarsteller von „Die Braut des Prinzen“ ein Gefecht angeblich auf Leben und Tod austragen. Die Sache wirkt zunächst ein bisschen irritierend, weil beide ihr Schwert mit der linken Hand führen.

Ungefähr bei Halbzeit eröffnet der eine dem anderen dann triumphierend, dass er in Wirklichkeit gar kein Linkshänder ist und drückt ihn gleich darauf gegen die Burgmauer, die bedenklich zu wackeln beginnt. Plötzlich sagt der scheinbar Bedrängte grinsend: „Ich muss dir was sagen: Ich bin auch kein Linkshänder.“ Dann geht’s erst richtig los. Sensationelle Szene! So etwas möchten wir gerne dieses Jahr auch bei den Olympischen Spielen in London sehen.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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