Zwei Menschen kamen ums Leben, andere Läufer waren schwer unterkühlt und völlig erschöpft. Der Zugspitzlauf 2008 endete bei widrigen Wetterverhältnissen in einer Katastrophe (siehe: An der Zugspitze: Extremsportler laufen in den Tod und Höhenphysiologe Markus de Marees über Extremsport und den Tod an der Zugspitze). Dennoch findet der Extremberglauf auf Deutschlands höchsten Berg an diesem Sonntag abermals statt.
Der Veranstalter Peter Krinninger spricht im FAZ.NET-Interview über Verantwortung, Vernunft und die eigenen Gesetze des Gebirges.
Der Bergsteiger Reinhold Messner hatte nach der Tragödie im vergangenen Jahr in einem Interview erklärt, dass der Berg zu etwas missbraucht worden sei, wozu er nicht geschaffen wäre. Messner sagte: „Das ist doch keine Attrappe oder eine Kletterwand auf dem Sportplatz. Der Sportplatz ist doch eigens präpariert für den Wettlauf, aber nicht der Berg“ und forderte organisierte Wettrennen auf hohe Berge gänzlich abzuschaffen.
Da müssen Sie mal die ganze Gemeinde der Bergläufer und Berglaufveranstalter befragen. Ich finde, es ist eine Sportart, die sehr naturverbunden ist. Man treibt Sport im Freien in der Wechselwirkung mit der Natur. Für mich hat diese Sportart auf alle Fälle ihre Berechtigung und auch sehr viele Liebhaber. Man sieht das doch zum Beispiel auch an der Industrie, die immer mehr Produkte herausbringt, die im Bereich Outdoor für Läufer angesiedelt sind. Und was der Herr Messner sagt, das überlasse ich jedem selber, das zu kommentieren. Was er mit seinen Bergen gemacht hat, ist ja auch nicht ganz unproblematisch.
Für die Organisation für Extremsport-Veranstaltungen wie dem Zugspitzlauf gibt es keine allgemein verbindlichen Standards, was beispielsweise die Zahl der Helfer oder Ärzte an der Strecke angeht. Braucht man ein klares Reglement für die Durchführung solcher Wettbewerbe?
Verbindliche Standards kann es nicht geben. Im Prinzip ist es so: Die Basis ist der Berg und wir können nur die Plattform für die Besteigung des Berges bieten. Wir machen die Zeitnahme und helfen dem Läufer mit Verpflegung. Aber im Grunde ist es eine Hochgeschwindigkeitsbesteigung des Berges, wobei sich der Läufer mit anderen messen kann. Seitdem es die Menschheit und Berge gibt, hat man immer versucht, dort so schnell wie möglich hochzukommen - und wir geben dem Ganzen einen Rahmen. Es ist nicht wie bei einem Stadtmarathon, wo bestimmte Gegebenheiten schon da sind. Im Gebirge herrschen andere Gesetze.
Der Berglauf ist eine Laufdisziplin und deshalb bei der Leichtathletik angesiedelt. Nach dem Unglück im letzten Jahr hat der Bayerische Leichtathletik-Verband angekündigt, einen Kriterienkatalog mit Verhaltensregeln zu erstellen, den er den Veranstaltern künftig an die Hand geben will. Haben Sie solch einen Katalog erhalten?
Es kann sein, dass der Verband daran arbeitet. Es ist sicherlich auch gut, einen Kriterienkatalog für bestimmte Dinge zu machen. Aber alles kann man eben nicht erfassen, man kann höchstens gewisse Grundlagen schaffen.
Die Ereignisse im vergangenen Jahr haben offenbar keine abschreckende Wirkung auf die Läufer. Für die neunte Auflage haben sich bereits 400 Läufer angemeldet, um auf Deutschlands höchsten Berg zu laufen - über 17 Kilometer und 2200 Höhenmeter. Dabei wollten Sie den Lauf doch eigentlich gar nicht mehr organisieren.
Es stimmt, zuerst hatte ich gedacht, ich mache das überhaupt nicht mehr, weil die ganze Situation so belastend für mich war. Man hat eine Veranstaltung ins Leben gerufen, die eigentlich allen Läufern eine Freude machen sollte und dann passiert so etwas. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich schuldig fühle, sondern einfach, dass man selber etwas initiiert hat und dann kommen Menschen ums Leben. Das hat mich schon sehr betroffen gemacht.
Weshalb haben Sie Ihre Meinung dann doch geändert?
Es kamen extrem viele Reaktionen von den Läufern. Natürlich gab es erstmal auch sehr viele, die teilweise polemisch bis esoterisch waren. Aber zwei Wochen nach der Veranstaltung waren die meisten dann doch recht sachlich. Viele Läufer haben sich mit der Situation auseinander gesetzt und gesagt, dass der Berglauf an sich eine super Geschichte ist. In den Jahren vorher ist es immer zur Zufriedenheit der Läufer abgelaufen und es ist natürlich auch ein lohnendes Ziel, der höchste Berg Deutschlands. Und auch die Unterstützung der Region und der Sponsoren war da. Sie haben alle gesagt, sie machen weiter. Das war für mich dann auch der Grund weiterzumachen.
Viele der rund 600 Teilnehmer waren im vergangenen Jahr in kurzen Hosen und T-Shirts zu dem Extremberglauf gestartet - trotz extrem schlechter Wetterprognose. In der Ausschreibung zum neuen Lauf wird explizit angemessene Kleidung im Gepäck empfohlen. Mit welchen weiteren Maßnahmen reagiert man ansonsten auf die Ereignisse im vergangenen Jahr?
Wir kommen unserer Informationspflicht nach, dass wir die Leute auf die Wettersituation einstimmen. Wir geben Empfehlungen, was sie anziehen sollen, geben ihnen die genauen Wetterwerte durch, die immer aktualisiert werden. Die Werte hängen aus, unser Kommentator sagt sie durch. Aber man muss auch sagen, dass das schon die Eigenverantwortung der Läufer ist, sich da richtig zu kleiden. In dem Zusammenhang möchte ich sagen, dass man im letzten Jahr immer nur Bilder von irgendwelchen leicht bekleideten Läufern gehört und gesehen hat, aber das war ja bei 95 Prozent überhaupt nicht der Fall. Natürlich friert es jeden, wenn es kalt ist. Aber alle die, die angemessen gekleidet waren, hatten keine Schwierigkeiten. Das sind immer nur ein paar Leute, die da einfach nicht darauf hören. Aber einige von diesen Leute haben sich hinterher sogar bei uns gemeldet und gesagt, dass es ihnen Leid tut, dass sie nicht darauf gehört haben und sie das unterschätzt haben. Da hat es ganz viele E-Mails bei uns gegeben.
Martin Echtler, der den Lauf in den vergangenen drei Jahren gewonnen hat, hat vorgeschlagen, den Läufern bei zweifelhaftem Wetter ein Pflichtgepäck mit Jacke, Mütze und Handschuhen aufzuerlegen.
Das ist nicht rechtmäßig. Bei einem Berglauf, der über mehrere Etappen und ein Gelände geht, das nicht so gut überwacht werden kann und wo die Gefahr eines Wettersturzes noch viel größer ist, da ist das sicherlich sinnvoll. Aber schlagen sie das mal einem Läufer bei gewissen Temperaturen vor, die gerade grenzwertig sind. Der beklagt sich dann hinterher, dass er Schwierigkeiten hatte, weil er zu viel Gewicht dabei hatte. Das kann man nicht machen.
Im Vergleich zum Vorjahr gibt es eine Veränderung. Die Läufer müssen sich bei der Anmeldung damit einverstanden erklären, „auch gegen ihren Willen vom Streckenpersonal oder vom Bergrettungsteam aus dem Rennen genommen zu werden, falls es den Veranstalter bezüglich ihrer eigenen Sicherheit als richtig erachtet“.
Wir haben das eigentlich nur ausformuliert. Das hätten wir früher auch schon gemacht, wenn es notwendig gewesen wäre. Aber jetzt ist es so, dass die Läufer uns mit ihrer Unterschrift ihr Einverständnis dafür auch schriftlich fixieren.
Im Jahr 2007 verkürzten Sie das Rennen wegen schlechter Bedingungen - und erhielten über 80 böse E-Mails, einige Teilnehmer wollten Sie sogar verklagen.
Dass sich Leute beschweren, dass sie nicht zum Gipfel kommen, macht uns eigentlich weniger aus. Weil in der Ausschreibung auch fixiert ist, dass die Strecke jederzeit verändert oder auch ganz ausfallen kann. Das verstehen auch die meisten, aber es gibt immer auch einen kleinen Prozentsatz, der das nicht versteht. Aber da können wir auch nichts machen, das müssen die eben so hinnehmen.
Brauchen Sportler vielleicht auch einfach mehr Mut zum Aufgeben?
Die meisten sind vernünftig. Es gibt die Situation, dass sich der eine oder andere vielleicht zu viel zumutet. Aber bei uns gilt ohnehin, wenn einer merkt, dass er körperlich an seine Grenzen stößt, dann muss er nicht bis ganz auf den Gipfel hinauf. Dieses Ausstiegsszenario hatten wir im letzten Jahr auch. Derjenige beendet einfach am Sonnalpin den Lauf und gilt trotzdem als Finisher, bekommt seine Medaille und wird sogar in einer Ergebnisliste geführt. Das gib es bei keinem anderen Lauf. Aber es ist ja auch keine große Wegstrecke mehr und er hat schließlich die Zugspitze, wenn auch nicht den Gipfel, erreicht. Und bis dahin schafft es eigentlich jeder.
Sie haben Einspruch gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts Garmisch-Partenkirchen eingelegt, worin Ihnen wegen Tötung in zwei Fällen sowie der fahrlässigen Körperverletzung in neun Fälle eine Geldstrafe in Höhe von 13.500 Euro auferlegt wurde. Im November oder Dezember kommt es voraussichtlich zum Prozess.
Jetzt ist das Gericht wieder an der Reihe zu entscheiden, wie es weitergeht. Ich werde auf alle Fälle sämtliche Instanzen durchgehen, um meine Unschuld zu beweisen. Da bin ich völlig überzeugt, dass das so ist. Da gibt mir im Umfeld auch jeder Recht, bis auf den Richter eben.
Sport ist Mord
uwe mildner (recfarm2)
- 19.07.2009, 11:42 Uhr
Nicht ungefährlicher als 1 Sprung...
Alfons Crocusé (ALCR)
- 19.07.2009, 13:18 Uhr
Es ist egal,
Johann Vittel (havitt)
- 19.07.2009, 16:41 Uhr