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Deutsche in der NBA : Die Männer hinter Nowitzki und Schröder

  • -Aktualisiert am

Paul Zipser (rechts) spielt bei den Chicago Bulls. Bild: AP

Dirk Nowitzki ist seit Jahren ein Star in der NBA. Auch Dennis Schröder glänzt in der amerikanischen Basketball-Liga. Dort spielen aber noch drei andere Deutsche – mit ganz unterschiedlichen Perspektiven.

          „Ohne Basketball-Nationalspieler Paul Zipser“, schrieb die Deutsche Presse-Agentur im November über eines der berühmtesten Teams der besten Basketballliga der Welt, „haben die Chicago Bulls in der nordamerikanischen Profiliga NBA erneut verloren.“ Der kurze Spielbericht endete mit einer Information, die eine seltsame Schlussfolgerung nahelegte. Die Nummer 16 war zwar in der Halle gewesen, aber der Trainer hatte ihn nicht eingewechselt: „Zipser blieb über die kompletten 48 Minuten auf der Bank.“ Hatte das Team nur deshalb diese Niederlage einstecken müssen, weil der Mann aus Heidelberg, der im Schnitt fünfzehn Minuten pro Spiel auf dem Platz steht und in der Zeit mal gerade vier Punkte beisteuert, nicht zum Einsatz kam?

          Eine indirekte Antwort auf diese Frage fand sich auf den Seiten des amerikanischen Fernsehsenders ESPN. Unter der Überschrift: „Ist Zipser in Ford Hoibergs Kader so etwas wie ein Ausgestoßener?“ Hoiberg, ein ehemaliger NBA-Profi, der nach mehreren Jahren als Trainer am College in Iowa 2015 den Posten in Chicago übernommen hatte und bislang nur mittelmäßige Resultate produzieren konnte, deutete an, dass er mit Zipser nicht zufrieden ist, aber ließ sich nicht in die Karten schauen: „Ich habe mit ihm geredet. Er wird weiterhin seine Gelegenheiten erhalten“, sagte er über den 23-Jährigen, der in seinem zweiten Jahr in der NBA 1,3 Millionen Dollar brutto verdient. Die Bulls, die schon eine Weile zu den schwächeren Teams in der NBA gehören, befinden sich auf dem dreizehnten der insgesamt sechzehn Ränge in der Tabelle der Eastern Conference.

          Einen Rang besser stehen im Westen die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki – und einen weiteren Würzburger im Kader: Maximilian Kleber, genannt Maxi, der im Sommer von Bayern München nach Texas gewechselt war. Trainer Rick Carlisle setzt ihn dosiert mit Blick auf sein Entwicklungspotential ein. Die individuelle Zwischenbilanz ist ordentlich: Der 25-jährige Flügel kommt im Schnitt rund 18 Minuten zum Einsatz und dabei auf sechs Punkte. Carlisle, der gerne mit Formationen herumexperimentiert, um in Schlüsselsituationen gegnerische Spielkonzepte zu kontern, stellte den Flügel bisweilen sogar in die Startaufstellung: „Dadurch bekommen wir fürs Rebounden und die Verteidigungsarbeit mehr Vielseitigkeit“, sagte er. „Mit einem Jungen, der sehr zuverlässig und sehr berechenbar ist.“ Das gilt allerdings auch für das Gehaltsbudget, bei dem man in Dallas ständig mit den Beschränkungen der Salary Cap konfrontiert ist. Kleber spielt für das niedrigste Honorar, das jemand mit einem Langzeitvertrag in der NBA laut Tarifvertrag beziehen kann: 815.000 Dollar.

          So mühsam das Leben von Zipser und Kleber im Spannungsfeld von Erwartungen und Enttäuschungen angesichts der Misserfolge ihrer Teams sein mag, umso erfreulicher hat sich die Perspektive für Daniel Theis entwickelt. Der steht nach dem Wechsel von Brose Bamberg in die NBA nicht nur in einer Mannschaft mit Titelambitionen. Die Boston Celtics führen derzeit mit 30 Siegen aus 40 Spielen die Tabelle in der Eastern Conference an. Den 25-jährigen Center hält nicht mal eine gebrochene Nase auf, die er Mitte Dezember im Spiel gegen Utah Jazz erlitt, als ihm ein Gegner den Ellenbogen ins Gesichts rammte. In der nächsten Partie trat er mit einer Gesichtsmaske an.

          Die Celtics, die nicht vor folgenschweren Tauschgeschäften zurückschrecken – wie der Aktion im September, bei der man Spielmacher Isaiah Thomas an die Cleveland Cavaliers abgab und sich Kyrie Irving sicherte –, hatten Theis jahrelang aufmerksam beobachtet. Und sie hatten dabei gesehen, dass er womöglich ohne große Anpassungsschwierigkeiten in die Spielphilosophie von Trainer Brad Stevens passt.

          Die Vorahnung konnte die neue Nummer 27 bestätigen. Seine stärksten Momente liefert der 2,06 Meter große Theis in der Verteidigung ab, wenn er wie aus dem Nichts heranfliegt und gegnerischen Korbwürfe abblockt oder abfälscht. Coach Stevens ist zufrieden, auch wenn er Theis pro Match nur rund ein Viertel der Spielzeit auf den Platz schickt. „Er spielt mit einem hochtourigen Motor. Deshalb steht er auch immer richtig.“ Jemand mit so viel Energie und so viel an Motivation gibt einem Trainer die Möglichkeit, durch Einwechseln im richtigen Moment den Spielverlauf zu beeinflussen. „Er gibt bei keinem Spielzug auf. Jedenfalls nicht so lange, bis der wirklich vorbei ist.“

          Längst hat Theis sich für den Job in der Startaufstellung qualifiziert. Doch Stevens hält seinen Center bislang noch zurück. Er nutzt den Deutschen lieber als eine Art Zündkerze für spätere Phasen im Spiel. Und der stellt vorerst keine Ansprüche: „Ich versuche einfach nur, dem Team zu helfen“, sagte er neulich. „Ich will einfach nur gewinnen und das tun, was dazu beiträgt.“ Was auch seiner beruflichen Entwicklung guttun wird. Sein Vertrag mit derselben niedrigen Gage wie Kleber ist zwar nur für ein Jahr garantiert. Ein Arbeitsplatz in der NBA in der Zukunft sollte ihm trotzdem sicher sein. Wenn nicht in Boston, dann bei einem anderen Klub.

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