Home
http://www.faz.net/-gub-7b91g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Yasiel Puig Der geheimnisumwitterte Baseballstar

 ·  Der Kubaner Yasiel Puig begeistert die Fans in Amerika, aber man weiß nicht einmal, wie ihm die Flucht gelang. Und der Spieler trägt nichts dazu bei, die riesigen Lücken in seinem Lebenslauf zu füllen.

Artikel Bilder (14) Lesermeinungen (0)
© AP Vergrößern Puigmania: Der Kubaner Yasiel Puig ist erfolgreich mit den Los Angeles Dogers

Sein Trikot ist nach Angaben des Internethändlers Fanatics.com das meistgekaufte der ersten Juli-Wochen gewesen, die „Sports Illustrated“ spricht von einer „Puigmania“, und die „Los Angeles Times“ schreibt seitenfüllende Hommagen an Yasiel Puig. Der 22 Jahre alte Baseball-Profi der Los Angeles Dodgers ist in Rekordzeit zu der Sportstory des Sommers in den Vereinigten Staaten aufgestiegen. Dabei haben den Kubaner bis Ende Mai nur Insider gekannt.

Aufgrund von Verletzungen der Outfielder Carl Crawford und Matt Kemp wird Puig am 3. Juni von der zweiten Nachwuchsliga zu den Dodgers in die Major League Baseball (MLB) geholt. Der Verein hat zwar mit 223 Millionen Dollar das größte Budget der National League (NL), steht mit 23:32-Siegen trotzdem am Tabellenende. Doch dann kommt Puig, der wie ein Katalysator wirkt. In seiner ersten Woche gelingen dem 1,92 Meter großen und 110 Kilo schweren Neuling gleich fünf Homeruns.

Puig wird im Juni zum Rookie des Monats und besten Spieler der NL gewählt. Kein anderer Profi hat wie er eine Trefferquote von 43,6 Prozent. Seine 44 Hits als Liganeuling sind in der MLB-Geschichte nur von einem Rookie überboten worden - dem legendären Joe DiMaggio im Mai 1936. Und fast hätte es Puig nach knapp 30 Spielen sogar ins NL-Allstar-Team geschafft. Bei einer Abstimmung der Fans, die über die Besetzung des letzten Kaderplatzes für das zuletzt in New York ausgetragene Spektakel entscheiden konnten, ist er Zweiter geworden.

Puig gilt als Hauptgrund, warum die Dodgers jetzt mit einer Bilanz von 47:46-Siegen realistische Play-off-Ambitionen hegen dürfen. Der Kubaner ist nicht nur mit seiner Schlagstärke aufgefallen, sondern auch in der Feldverteidigung durch einen starken Wurfarm.

Seine unaufgeregte und bisweilen sogar naive Spielweise hat dazu beigetragen, dass er in Los Angeles verehrt wird, wie schon lange kein Baseball-Profi mehr. Doch trotz aller Huldigung: Niemand kennt Yasiel Puig richtig. Alle sportlichen Aktionen der vergangenen sechs Wochen sind dokumentiert. Die vorangegangenen 21,5 Jahre hingegen bleiben mysteriös. Man wisse nichts über sein Leben, sagt Dodgers-Trainer Don Mattingly.

Puig trägt nichts dazu bei, die riesigen Lücken in seinem Lebenslauf zu füllen. Er verweigert Interviews und redet, wenn überhaupt, nur in Spanisch. Und selbst in seiner Muttersprache lässt er sich nichts über sein Leben in Kuba und seine Flucht entlocken. Puig betont jedoch, dass die Geschichte, die unlängst Chris Hoschak über ihn verbreitet hat, der Wahrheit entspreche.

Hoschak ist Kapitän der „Vigilant“, eines Schiffs der amerikanischen Küstenwache. Mitte April 2012 ist er mit seiner Crew in der Windward-Passage unterwegs, einer Wasserstraße zwischen Kuba und Haiti. Als am Horizont ein Schnellboot auftaucht, schlägt Hoschak Alarm. Schnellboote, das weiß er, sind in dieser Region ein Zeichen für Drogenschmuggler.

Doch zu ihrer Überraschung finden die Beamten rund ein Dutzend Kubaner, deren Weg in die Freiheit sie soeben beendet haben. Aufgrund eines Abkommens mit Kuba sind die Vereinigten Staaten verpflichtet, Flüchtlinge zurück in ihre Heimat zu schicken, wenn sie auf dem Wasser ertappt werden und noch nicht amerikanischen Boden erreicht haben.

Einer der Insassen im Schnellboot fällt Hoschak sofort auf. Ein junger Kerl, der größer und kräftiger ist als die anderen und sich als „Yasiel“ ausgibt. Carlos Torres arbeitet als Übersetzter auf der „Viligant“ und will mehr wissen über diesen Yasiel. Im Internet wird er auf einer Fanseite der Baltimore Orioles fündig.

Dort wird diskutiert, ob ein gewisser Yasiel Puig nicht einer für die Orioles sei. Puig habe schließlich eine herausragende Saison 2010/11 in der kubanischen Topliga, Serie Nacional, gespielt. Anschließend ist er jedoch für eine komplette Saison gesperrt worden. Puig, so heißt es, soll versucht haben, sich während eines Turniers in Rotterdam von der kubanischen B-Nationalmannschaft abzusetzen.

Andere Quellen behaupten, er sei beim Ladendiebstahl erwischt worden. Puig selbst lehnt jeglichen Kommentar ab. Er ist nicht der erste Baseball-Spieler, der versucht, in den Vereinigten Staaten Geld und Karriere zu machen. Zwei Monate zuvor hat Landsmann Yoenis Cespedes einen Vertrag über 36 Millionen Dollar bei den Oakland Athletics unterschrieben. Er ist im Sommer 2011 von Kuba aus in die Dominikanische Republik geflüchtet.

Doch als Hoschak Puig den kubanischen Behörden übergibt, scheint dessen MLB-Traum vorbei zu sein. Nur zwei Monate später taucht er in Cancún auf. Bis heute weiß niemand, wie Puig es nach Mexiko geschafft hat. Er selbst schweigt. Und so werden wirre Geschichten kolportiert. Womöglich soll sogar ein mexikanisches Drogenkartell an seiner Flucht beteiligt gewesen sein und im Gegenzug einen Anteil von Puigs Gehalt verlangt haben - wenn dieser einen MLB-Vertrag unterschreibe.

Sport kompakt: Scharapowas Absage

Ende Juni 2012 unterzeichnet er bei den Dodgers einen Sieben-Jahres-Vertrag für 42 Millionen Dollar. Als 171. Kubaner hat es Yasiel Puig in die MLB geschafft. Viele Experten meinen, dass keiner seiner Vorgänger so gut gewesen sei, wie er. „Sein Aufstieg war relativ schnell“, sagt Manager Ned Colletti, „aber er ist noch nicht komplett.“ Eben so wenig wie seine Geschichte.

  Weitersagen Kommentieren (12) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Twitter für Kuba Diskret, aber nicht geheim

Mit einer Art Twitter sollen die Vereinigten Staaten versucht haben, das Regime in Kuba zu destabilisieren. Der Chef der Entwicklungsbehörde USAID widerspricht dem Vorwurf einer Geheimaktion. Die Castro-Brüder schlachten die Enthüllung aus. Mehr

09.04.2014, 22:10 Uhr | Politik
„X-Men“-Regisseur Bryan Singer wegen sexuellen Missbrauchs verklagt

Der „X-Men“-Regisseur Bryan Singer ist wegen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen verklagt worden. Der angebliche Missbrauch soll vor 15 Jahren stattgefunden haben. Mehr

17.04.2014, 21:27 Uhr | Gesellschaft
Teenager im Fahrwerkschacht Blinder Passagier löst Debatte über Flugsicherheit aus

Der Fall eines 16 Jahre alten Jungen, der heimlich im Fahrwerkschacht eines Jumbo-Jets mitflog, schlägt Wellen. Wie konnte der Junge trotz aller Sicherheitsvorkehrungen in die Maschine gelangen? Mehr

22.04.2014, 17:37 Uhr | Gesellschaft

17.07.2013, 16:11 Uhr

Weitersagen
 

Arroganz und Wirklichkeit

Von Michael Ashelm

Der Tote bei einem Protestmarsch in Rio de Janeiro belegt: Die Fifa, die während der WM am Ort des Protestes an der Copacabana im besten Hotel residiert, hat noch immer keinen richtigen Umgang mit den Problemen im Gastgeberland. Mehr 1