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X Games in München : Das Olympia von übermorgen

Über den Dächern des Olympiastadions: In München sind dieser Tage lauter fliegende Menschen unterwegs Bild: Bongarts/Getty Images

Liebe Eltern, wollt Ihr, dass Eure Kinder mal Sportler werden, Superstars? Dann schaut Euch die Münchner X Games an! Dort werden gutbezahlte Werbefiguren als supercoole Actionhelden verkauft.

          Sollten Sie für Ihr Kind eine Sportkarriere etwas abseits des Gewöhnlichen planen, in einer Disziplin mit Zukunft und Coolnessfaktor zehn, so sollten Sie, liebe Eltern, vor ein paar Investitionen nicht zurückschrecken, mit Ball und Tennisschläger ist es nicht getan. Die X Games, die gerade zum ersten Mal in München stattfinden, bieten da bestes Anschauungsmaterial. 100.000 Zuschauer werden bis zu diesem Sonntag im Olympiapark erwartet, 100.000 junge Leute, die ein wenig müde sind von Fußball und Tennis, die mehr auf Skateboards stehen, auf BMX-Räder und Motocross-Maschinen. Und wenn man Ralph Huber fragt, den Chef des Münchner Parks, der seit den Olympischen Spielen 1972 nicht mehr so viel Publikum gesehen hat, dann ist das die Zukunft des Sports, das Olympia von übermorgen, und da müsse man dabei sein, sagt Huber, wenn man den Anschluss an den Zeitgeist nicht verlieren wolle.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Also, liebe Eltern, aufgepasst! Drei Millionen Euro ist es München wert, die amerikanischen Jugendspiele, die der Fernsehsender ESPN 1995 erfunden hat, in die Stadt zu holen. Drei Millionen, für die die altehrwürdige Olympia-Anlage in einen glitzernden Actionpark umgebaut wurde, der sogar die ESPN-Leute staunen lässt. 10.000 Tonnen Sand haben sie für die Motocrosser allein ins Olympiastadion geschüttet, noch ein paar tausend in die Olympiahalle nebenan. Ins Eisstadion haben sie eine riesige, verwinkelte Betonwanne gegossen für die Skater und BMXler, in den Olympiasee haben sie eine Halfpipe und eine 26 Meter hohe und 112 Meter lange Rampe gestellt, und damit diese nicht umkippt, mit 100 Tonnen Ballast im Boden des Sees verankert. Dafür haben sie mal kurz 10.000 Kubikmeter Wasser aus dem See abgelassen und danach wieder eingefüllt.

          Den Olympiaberg haben sie mit schwerem Gerät zu einem Hindernispark für die Slopestyle-Mountainbiker umgebaut. Man kann nicht sagen, dass die Münchner keinen Aufwand getrieben hätten für die Jugend der Welt. Die Proteste der Umweltschützer hielten sich in Grenzen. Um sie nicht unnötig auf den Plan zu rufen, hat Huber den RallyCross ausgelagert und auf eine Straße nahe der Allianz-Arena verlegt. Am FröttmaRing dröhnen nun die Motoren, und natürlich gibt es dort auch eine ordentliche Dirt-Section und original amerikanische Steilkurven.

          Vier Möglichkeiten gibt es für den Nachwuchs

          Rund 400 Millionen Menschen, so erzählen die Amerikaner, würden die Bilder aus München sehen, eine Aussicht, die Parkchef Huber arg begeistert. Er wolle München und den Olympiapark weltweit positionieren, sagt er. Und natürlich würden die schönen Bilder fliegender Menschen nicht mehr nur für die Fernseher produziert, sondern auch für Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Youtube. Tatsächlich gibt es bei den X Games Disziplinen im Freestyle-Motocross, bei denen der Sieger über Twitter bestimmt wird, von Leuten, die irgendwo auf der Welt vor dem Computer, Tablet, Smartphone oder vor der Xbox sitzen. Das ist, da muss man Huber recht geben, schon etwas anderes als Fußball im Sportstudio des ZDF. Womöglich werden die Sportübertragungen der Zukunft so oder ähnlich aussehen wie von Huber vermutet, die Frage ist nur, welchen Disziplinen diese Zukunft gehört.

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