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X Games : Action bis der Arzt kommt

Bayerisch-blauweiße Action: Ein Mountainbike-Fahrer im Schwebezustand über dem Olympiapark in München Bild: WITTERS

Risikobereitschaft, Kompromisslosigkeit und Wildheit: Die X Games bieten, was vielen Sportarten abhandengekommen ist. Sie pendeln aber auch zwischen Millionengeschäft und Inszenierung von Gegenkultur.

          Früher kam der Zirkus in die Stadt, heute kommen die X Games. Und die Städte stehen Schlange. Erst war es Los Angeles in den Vereinigten Staaten, jetzt sind es auch Foz do Iguacu in Brasilien, Barcelona in Spanien - und München. Die Bayern haben nach einem zehn Monate dauernden Bieterverfahren den Zuschlag erhalten und dann drei Millionen Euro für die aufregendsten Spiele der Neuzeit ausgegeben. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich erst noch zeigen. Und was haben sie dafür bekommen? Nicht die Olympischen Spiele, aber doch so etwas wie eine Mini-Hardcore-Version davon, den X-Faktor, den Olympiaparkchef Ralph Huber für „unbedingt notwendig“ hält, um den Anschluss an die Jugend, an deren Sport nicht zu verlieren.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Die X Games also, eine Erfindung des amerikanischen Fernsehsenders ESPN, der damit seit 1995 seine Einschaltquoten liftet und ein Spektakel erfunden hat, das mit dem traditionellen Sport nicht mehr viel gemeinsam hat. Die X Games kennen keine überkommenen Disziplinen, sie kennen nur solche, die möglichst viel Adrenalin durch die Adern pumpen. Aushängeschilder und Werbefiguren sind Burschen, die mit traditionellen Sporttheorien nichts am Helm haben, Burschen wie BMX-Legende Kevin Robinson zum Beispiel, dem mittlerweile 41 Jahre alten Amerikaner aus East Providence, Rhode Island, der seit 1995 dabei ist. Er ist Profi seit 21 Jahren, Goldmedaillengewinner auf der Big Air Ramp und Stammkunde in den Krankenhäusern dieser Welt.

          Das Grundgesetz des Leistungssports

          44 Operationen, 25 Knochenbrüche gibt er zu Protokoll, das ist allerdings nichts, was seine Kumpels allzu sehr beeindrucken würde. Schwere Stürze gehören dazu. Im Münchner Big-Air-Finale haben sie Robinsons BMX-Kollegen James Foster gleich zu Beginn bewusstlos ins Krankenhaus transportieren müssen. Dort wurden keine schwereren Verletzungen festgestellt. Foster war zum ersten Mal bei den X Games dabei, er war zuvor schon ein paarmal eingeladen worden, hatte aber bis München wegen Verletzungen immer absagen müssen.

          Höher, schneller, weiter: Der Druck auf die Athleten, immer neue Spektakel zu bieten, der Drang zum Extremen, wird den X Games gern zum Vorwurf gemacht, doch letztlich ist dies nur das Grundgesetz des Leistungssports. Die X Games nehmen es nur ziemlich ernst.

          Auf dem Skateboard: Abheben gehört bei den X Games zum Programm
          Auf dem Skateboard: Abheben gehört bei den X Games zum Programm : Bild: Bongarts/Getty Images

          In der X-Games-Welt sind die verrückten Alten immer noch große Attraktionen, Männer, die wie der Motocrosser Brian Deegan auch dann noch weiterfahren und gewinnen, wenn ihnen die Ärzte in Notoperationen Niere und Milz herausgeschnitten haben. Männer wie Deegan oder der legendäre Hasardeur Travis Pastrana, der in München zum Bedauern aller fehlte, stehen für die Wildheit, mit der die Szene einst den etablierten Sport aufmischte. Sie haben die X Games groß gemacht, ihnen haben die Kids nachgeeifert, sie haben ESPN Millionen in die Kasse gespült.

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