17.08.2007 · Die Modernen Fünfkämpfer träumen von Live-Übertragungen im Fernsehen, doch bisher gibt es gerade mal eine Briefmarke von ihnen. Bei der WM in Berlin verirrten sich gerade mal 200 Zuschauer zur Qualifikation.
Stell dir vor, es ist Weltmeisterschaft in Deutschland und keiner geht hin. Bei der WM der Modernen Fünfkämpfer in Berlin ist diese Vorstellung Realität. Zu den Qualifikationsrunden am Donnerstag und Freitag haben sich gerade mal 100 bis 200 Zuschauer an den verschiedenen Wettkampfstätten im Olympiapark eingefunden.
„Das ist doch normal. Wir haben Wochentag und die Qualifikation ist nirgendwo ein Renner“, beruhigt Klaus Schormann, Präsident des Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf (DVMF), der sich unter die Gäste in der Rudolf Harbig-Halle gemischt hat. Dort ist eine moderne Schießsport-Anlage aufgebaut. Eine Western-Melodie stimmt Aktive, Betreuer, Angehörige und Freunde auf den Wettkampf ein. Ohne eine Handvoll Dollar - der Eintritt ist frei - haben sich im Ziel des Geländelaufs ein paar Fans mehr eingefunden.
Pressezentrum erst am Wochenende
„Das ist wie eine lokale Veranstaltung“, wundert sich ein ungarischer Journalist. In Budapest kommen bis zu 20.000 Zuschauer zum Modernen Fünfkampf. Mit dem Laptop auf den Beinen versucht er, Text und Bild in seine Heimat zu verschicken. Ein Pressezentrum soll erst mit Beginn der Finalkämpfe an diesem Samstag eröffnet werden.
„Am Wochenende haben wir auch mehr Zuschauer“, verspricht Frauen-Bundestrainerin Kim Raisner. Die frühere Weltklasse-Athletin freut sich in der Fechthalle über die Anfeuerungsrufe einer Fan-Gruppe des OSC Potsdam. Die Jugendlichen haben ein Plakat gemalt: „Deutschland, wir werden Weltmeister.“ Die Bundestrainerin zückt ihre Kamera und schießt ein paar Fotos.
Medaillenchancen für die deutschen Frauen
Immerhin haben drei deutsche Athletinnen das Finale der besten 36 am Samstag erreicht. Medaillenhoffnung Lena Schöneborn (Bonn) qualifizierte sich geschwächt von einer leichten Erkältung als 11. in ihrer Halbfinal-Gruppe ebenso für den Endwettkampf wie Eva Trautmann (Darmstadt) sowie die erst 16 Jahre alte Janine Kohlmann (Neuss) als jeweils 17. „Das ist ein großartiges Ergebnis. Damit haben wir in der Teamwertung und auch im Einzel Chancen auf eine Medaille“, sagte Raisner. Nur Claudia Knack (Berlin) schied nach ihrem 30. Rang bereits im Halbfinale aus.
Selbst Insider haben es schwer, das sportliche Geschehen genau zu verfolgen. Am Freitag kämpften die Männer gleichzeitig in drei Qualifikationsgruppen im Schwimmbad, auf dem Schießstand und in der Fechthalle um die Tickets für das Finale am Sonntag. Für Deutschland sind der frühere Weltmeister Eric Walther, Sebastian Dietz, Sascha Vetter (alle Berlin) sowie Steffen Gebhardt (Bensheim) am Start. Am Montag (Frauen) und Dienstag (Männer) stehen die Staffelwettbewerbe auf dem Programm.
Immerhin auf den Briefmarken verewigt
Von 2009 an soll alles anders und attraktiver werden. Das Schießen wird ähnlich wie beim Biathlon in den Geländelauf eingebunden. Von der Regeländerung erhofft sich Schormann mehr Zuschauer und sogar Live-Übertragungen im Fernsehen.
In diesem Jahr sind die Modernen Fünfkämpfer zumindest auf einem althergebrachten Medium vertreten: auf den Sportbriefmarken des Jahres 2007. „Das ist ein Husarenstück“, findet Verbandschef Schormann.