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Wladimir Klitschko gegen Samuel Peter Der Herausforderer macht winke, winke

09.09.2010 ·  Am Samstag will Samuel Peter Box-Weltmeister Wladimir Klitschko die Grenzen aufzeigen – bei einem lustlosen und trägen Training deuten sich seine eigenen an.

Von Hans-Joachim Leyenberg, Frankfurt
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Jedem das Seine. Lena wirbt neuerdings für Opel, und die Klitschkos kooperieren, seitdem ihre Boxkarriere Fahrt aufnahm, mit Mercedes. Somit war es Kalkül, dass Wladimir Klitschko und Samuel Peter ihr öffentliches Training am Mittwoch, Pressetraining genannt, in einem Autohaus mit dem Stern absolvierten. Demonstrativ lustlos Herausforderer Peter aus den Vereinigten Staaten, geradezu lustvoll der Weltmeister im Schwergewicht. Peter kam aus dem Besucherraum des ersten Stocks geschlurft, Klitschko aus dem ungleich größeren Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter des Gebrauchtwagen-Centers an der Hanauer Landstraße.

In breiter Front schritt das Klitschko-Team die Treppe hinab zum Ring, wo Peter mit ersten Dehnübungen begann. Mit verschränkten Armen, auf Stühlen hockend, verfolgten die neun Männer in ihren roten Trainingsanzügen Peters Bewegungen. Neun gegen drei – denn Peter hatte nur Manager Ivaylo Gotsev und Trainer Abel Sanchez, der seine Hände in den Hosentaschen beließ, an seiner Seite. Gelangweilt standen sie da, ein PR-Pflichttermin war abzuspulen. Peter kreiste im Rhythmus der Musik mit den Hüften, machte ein paar Rumpfbeugen, ging kurz in die Hocke. Sein Programm verdiente nicht einmal das Prädikat Showtraining. Unter Peters Schlägermütze zeigte sich nicht ein Schweißtropfen, als er nach 14 Minuten aus dem Seilgeviert stieg. Amüsiert blickten Klitschko samt Gefolge jenem Mann hinterher, der den Champion am Samstag in der Frankfurter Commerzbank-Arena entthronen will. Das sagte er mit Worten, die man so ähnlich schon in den letzten Wochen gehört hat, seitdem der Nigerianer mit Wohnsitz in Las Vegas als Gegner des Champs verpflichtet wurde.

Peter gefällt sich in der Rolle als Spielverderber

Peter, am letzten Montag 30 Jahre alt geworden, posierte noch ein wenig für die Fotografen, während Trainer Sanchez darauf beharrte, dass es am Samstag in die 13. Runde gehe. Schließlich standen sich die beiden Hauptdarsteller vom Samstag schon einmal vor fünf Jahren gegenüber. Damals setzte es drei Niederschläge für den Ukrainer, der dennoch nach Punkten siegte. „Peter“, so will es sein Trainer wissen, „ist zwischenzeitlich faul gewesen, mittlerweile aber topfit, reifer als damals, aber vom gleichen Geist beseelt“, als er Klitschko in Verlegenheit brachte. Abwarten. „Er hat“, befand Klitschko, „stark abgespeckt.“ Es blieb das einzige Kompliment für Peter, das dem Weltmeister zu entlocken war.

Bevor Wladimir Klitschko den Ring enterte, wurden dort zwei Stühle hingestellt. Einer für den großen Meister und einer für Trainer Emanuel Steward, der Klitschkos Händen, dessen Arbeitswerkzeug, Bandagen anlegte. Ein Stillleben, bei dem nichts auf die Dramatik des Ernstfalls schließen ließ. Bevor Peter jene Halle verließ, in der normalerweise Gebrauchtwagen angepriesen werden, schnappte sich Klitschko das Mikrofon und forderte Peter auf, doch sein „Workout“ als Zuschauer zu verfolgen. Der Angesprochene blickte flüchtig zurück, machte winke, winke und verschwand aus dem Blickfeld. So konnte er nicht sehen, wie gewissenhaft der promovierte Sportwissenschaftler sein Training abspulte. Schon seine Dehnübungen verrieten mehr Feuer als alles, was Peter zuvor gezeigt hatte. Der Moderator im Autohaus hatte von „Yoga-Training“ gesprochen. Klitschko absolvierte drei Runden Pratzentraining mit Steward, zeigte Schattenboxen und Seilspringen als Zugabe. Beifall unter den rund 1000 Beobachtern brandete auf, als sich der Athlet seiner Trainingsjacke entledigte und das ärmellose T-Shirt Muskeln freilegte.

Am Freitag (14 Uhr), beim Wiegezeremoniell auf der Zeil im Kaufhaus Karstadt, werden erfahrungsgemäß beide Boxer ihre Haut zu Markte tragen. Mit Hinweisen auf den Trainingsstand, angezeigt von der Waage. 33 Stunden später schlägt beiden die Stunde der Wahrheit. Der Mittwoch und der Freitag zählen mehr oder weniger zum Unterhaltungsprogramm vor dem Kampf. Peter gefällt sich in der Rolle als Spielverderber, Klitschko dagegen gibt den formvollendeten Boxprofi. 37 000 der verfügbaren 40 000 Eintrittskarten sind verkauft. „Ich fühl mich wohl, ich bin bereit“, sagte der Titelverteidiger drei Tage vor dem Kampf. Er versteht sein Geschäft. Es floriert.

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