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Wirbel um Hambüchen : Ende des „Chill-Modus“

  • -Aktualisiert am

Im Schmollwinkel: Fabian Hambüchen will nicht mehr Bild: dpa

Der Präsident versucht es mit einer Rolle rückwärts, aber nach der Grätsche des Trainers will der Star nicht mehr: Hambüchen hat definitiv „keine Lust mehr“, für Straubenhardt zu turnen.

          Bis zum frühen Nachmittag war der erste Advent ein entspannter Tag für Fabian Hambüchen. Deutschlands Vorzeigeturner hatte es sich am ersten freien Wochenende seit Wochen zuhause in Wetzlar bequem gemacht, endlich einmal in den „Chill-Modus“ geschaltet, wie er sagt. Bis der Anruf eines Freundes kam: Er möge doch mal im Internet nachschauen, welche Nachricht über ihn gerade verbreitet werde.

          Am Abend zuvor hatte der KTV Straubenhardt, Hambüchens Verein aus der Nähe von Karlsruhe, das Finale der Deutschen Turnliga in der Berliner Max-Schmeling-Halle 39:23 gegen die TG Saar gewonnen. Anschließend verkündete KTV-Trainer Alexej Grigoriev, dass er für die neue Saison ohne Hambüchen plane - schließlich könne man sich, was die Bundesliga angeht, einfach nicht auf ihn verlassen.

          „Sehr enttäuscht“ zeigte sich Hambüchen über die Äußerungen Grigorievs, denn erstens „hat uns beide bisher eigentlich ein gutes Verhältnis verbunden“. Und zweitens habe er den Verein stets über seine Planungen informiert. Denn schon jetzt denkt Hambüchen nach einem komplizierten Jahr 2011, inklusive der mühsamen Rückkehr nach seinem Achillessehnenriss im Januar und der anschließenden Rehabilitation, an die Olympischen Spiele 2012 in London. Um seine Vorbereitung nicht zu gefährden, hatte er auf Rat seines Arztes nun auf den Start beim Bundesligafinale verzichtet, was nach einer schon 2004 getroffenen Vereinbarung zwischen Athlet und Verein auch sein gutes Recht ist.

          Demnach kann Hambüchen, für den die Bundesliga nach den großen Wettkämpfen wie Olympia, Welt- und Europameisterschaften sowie dem Weltcup nur an dritter Stelle kommt und keine wirkliche Relevanz hat, selbst über seine Einsätze für Straubenhardt entscheiden. Der Reckweltmeister des Jahres 2007 kassiert daher auch kein Grundgehalt bei seinem Klub, sondern Antrittsprämien bei seinen Einsätzen: In diesem Jahr waren es zwei.

          Jene Abmachung führt nun nicht zum ersten Mal zum Konflikt zwischen Grigoriev und einem jungen Athleten, der an seiner Karriere feilt und sich einer breiten Öffentlichkeit präsentieren will - so trat Hambüchen zwei Wochen vor dem Bundesligafinale noch beim Turmspringen in einer TV-Show Stefan Raabs auf, werbewirksam vor einem Millionenpublikum. Der Trainer hingegen weiß nicht recht, wie er mit seinem unabhängigen Topstar umzugehen hat, ohne nicht jegliche Autorität im Verein sowie bei seinen anderen Turnern zu verlieren.

          Rolle rückwärts von Riegsinger

          „Ich habe überhaupt kein Problem mit Fabian persönlich“, sagt Alexej Grigoriev, „mein Problem ist nur, dass ich einfach keinen Einfluss auf ihn habe und nicht mit ihm planen kann.“ Ein wenig Verständnis hat der KTV-Trainer für Hambüchens Auftritte in Raabs Juxveranstaltungen, schließlich müsse er ja auch Geld verdienen. Aber: „Mir und der Mannschaft hilft er so nicht.“ Zurückgepfiffen wurde Grigoriev sogleich von Helmut Riegsinger.

          Zwar räumte der Präsident des KTV Straubenhardt eine gewisse Irritation über Hambüchens wiederholte Absagen ein, Grigorievs Ärger wollte er dann aber doch nicht so stehen lassen. „Ich muss Alexejs Aussage relativieren und habe mich dafür auch schon bei der Familie Hambüchen entschuldigt“, sagt Riegsinger. Grundsätzlich sei die Personalplanung Sache des Vorstands, und dieser habe das Thema noch überhaupt nicht beraten. Ihm selbst liege sehr viel daran, Hambüchen im Verein zu halten, schließlich sei dieser das „Sahnehäubchen“ auf dem Kader des deutschen Mannschaftsmeisters und ein Athlet, „der das Turnen so repräsentiert wie kein Zweiter“.

          Jetzt will Hambüchen nicht mehr

          Mit einer Rolle rückwärts versuchte Riegsinger am Montag zu retten, was da bereits nicht mehr zu retten war: Hambüchen verkündete nun von sich aus seinen Abschied, nach sieben Jahren in Straubenhardt. „Ich werde in der kommenden Saison definitiv nicht für den KTV in der Bundesliga an die Geräte gehen. Ich stehe diesbezüglich auch nicht mehr für Gespräche zur Verfügung“, teilte Hambüchen mit. Die Vorwürfe haben den 24-Jährigen sehr getroffen, das Vertrauensverhältnis zu seinem ehemaligen Mannschaftstrainer, aber auch zu anderen Vereinsvertretern ist mittlerweile endgültig zerstört.

          Noch ist unklar, ob er im kommenden Jahr überhaupt in der erst nach den Olympischen Spielen beginnenden Bundesliga startet. Zeit zum Nachdenken hat Hambüchen aufgrund der verlängerten Meldefrist mehr als genug, auch über mangelnde Angebote wird er sich in den nächsten Wochen und Monaten nicht beklagen können. Eins weiß er jedoch ganz sicher: „Für den KTV Straubenhardt zu turnen“, sagt Hambüchen, „darauf habe ich jetzt keine Lust mehr.“

          Quelle: F.A.Z.

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