10.02.2009 · Die Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018 leidet unter Geldknappheit. Dennoch will der DOSB seinen Leistungssportdirektor als einen weiteren Geschäftsführer an die Bewerbungsgesellschaft abgeben. Wollen die Olympier ihren Mann wegloben oder der Kandidatur Beine machen?
Von Jörg HahnDie Münchner Olympiabewerbungsgesellschaft muss das Geld zusammenhalten. Wegen der Finanzkrise ist es noch schwieriger als ohnehin erwartet, das Geld für die Kampagne um die Winterspiele 2018 zusammenzubekommen. Die Zusage steht, dass der für die Bewerbung notwendige Etat (veranschlagt sind 30 Millionen Euro) voll und ganz von der Privatwirtschaft aufgebracht werden soll, Steuermittel sollen bis zur Vergabe der Spiele durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) Mitte 2011 nach Möglichkeit nicht eingesetzt werden. (siehe auch: Münchens Olympia-Bewerbung: „Die Situation ist nicht ganz unproblematisch“)
Vor diesem Hintergrund wird seit Monaten diskutiert, ob sich die Bewerbungsgesellschaft einen weiteren Geschäftsführer leisten kann. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), zusammen mit der Stadt München, der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen und dem Landkreis Berchtesgaden Gesellschafter der Olympia GmbH, hat dafür mehr oder weniger diskret seinen derzeitigen Leistungssportdirektor Bernhard Schwank ins Rennen geschickt. Alleiniger Geschäftsführer ist derzeit der Marketingfachmann Richard Adam. Wilfrid Spronk, der eigentlich gleichberechtigt an seiner Seite wirken soll, übt sein Amt seit längerem und bis auf weiteres nicht aus. Der langjährige Geschäftsführer der alten Olympiapark GmbH hat sich aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit nehmen müssen.
Berufung Schwanks wird zumindest aufgeschoben
Am Donnerstag tagt in der Münchner Staatskanzlei erstmals in diesem Jahr die Gesellschafterversammlung, und eines steht nach Informationen aus München schon fest: Eine Berufung Bernhard Schwanks zum zweiten Geschäftsführer wird es in den nächsten Monaten nicht geben können. Neben dem finanziellen Grund gibt es ein zweites Kriterium, das gegen den Mann aus der DOSB-Zentrale in Frankfurt spricht: Schwank gilt als fleißiger, akribischer Arbeiter, aber auch als introvertiert. Als deutschen Lobbyisten, der bei IOC-Mitgliedern oder Wirtschaftsführern Gehör findet, kann man sich den in der Sportverwaltung erfahrenen Mann nur schwer vorstellen. Und einen Mitarbeiter mit diesem Profil brauchte München derzeit wohl eher als alles andere.
Der DOSB lobt Schwank in den höchsten Tönen, zuletzt Mitte Januar am Rande seines Neujahrsempfangs in Frankfurt. DOSB-Präsident Thomas Bach und Generaldirektor Michael Vesper stimmten geradezu Hymnen an („fachlich hochqualifiziert, erfreut sich allerhöchster Wertschätzung“). Tatsächlich hat Schwank seit der DOSB-Gründung im Mai 2006 entscheidend am neuen Leistungssportkonzept mitgewirkt, die Berufung zum Chef de Mission für die deutsche Olympiamannschaft bei den nächsten Winterspielen in Vancouver 2010 darf als Ritterschlag der Wintersportverbände gelten.
Soll Schwank weggelobt werden?
Warum der DOSB solch eine Kraft abgeben will, ist die große Frage. Es gibt zwei mögliche Antworten. Die eine wäre weniger schmeichelhaft für Schwank: Der DOSB will ihn loswerden, um die Leistungssportabteilung komplett neu zu ordnen (Schwanks Stellvertreter Jörg Ziegler hat den DOSB verlassen und ist seit dem 1. Februar Generalsekretär des Deutschen Volleyball-Verbandes). Vielleicht wünscht sich der frühere Grünen-Spitzenpolitiker Vesper ja einen im Ton härteren Mitarbeiter, als Schwank es ist.
Die für Schwank angenehmere Antwort lautet so: Für den DOSB, besser für Bach und Vesper, gibt es kein wichtigeres Projekt als die Münchner Bewerbung, sie ist mit Blick auf öffentliche Fördermittel wichtiger als das Abschneiden bei den kommenden Winter- und Sommerspielen. Nach den gescheiterten deutsche Anläufen mit Berchtesgaden (Winter 1992), Berlin (Sommer 2000) und Leipzig 2012) will man sich keinen weiteren Flop leisten, denn das könnte das Ansehen von Bach, Vizepräsident des IOC, ankratzen. Deshalb soll der Vertrauensmann Schwank, auch wenn er in Frankfurt fehlen wird, in München installiert werden. Diese zweite Variante wird von den Bayern, die Schwanks Fähigkeiten als stille Arbeitsbiene schätzen, nicht dementiert. Aus der bayrischen Landeshauptstadt kommen aber auch Signale, die deutlich machen, dass Bach und Vesper versuchen, Schwank in die Bewerbungsgesellschaft reinzudrücken.
Nun scheint sich ein politischer Kurs der Vernunft durchzusetzen. Mit anderen Worten: Bach und Vesper haben Münchens Oberbürgermeister Christian Ude noch nicht überzeugen können, dass ausgerechnet jetzt mehr Olympiapersonal notwendig ist, obwohl das Geld (noch) knapp ist. Offiziell hat München derzeit noch nicht einmal Bewerberstatus, die Unterlagen müssen bis Oktober beim IOC abgeben werden. Die Kandidatenstädte benennt das IOC dann Mitte 2010. Diese Hürde konnte Leipzig schon nicht nehmen, die Sachsen wurden früh aussortiert. Das will München verhindern.