02.01.2009 · Zehn Tore, perfektes Wetter, 40.000 begeisterte Zuschauer und zu Tränen gerührte Eishockey-Spieler: Die Detroit Red Wings gewannen beim zweiten NHL-Winter Classic 6:4 gegen die Chicago Blackhawks, doch die gesamte Sportart war der Sieger.
Zehn Tore, perfektes Wetter und 40.818 begeisterte Zuschauer: das zweite Winter Classic der National Hockey League war ein voller Erfolg. Nachdem sich Titelverteidiger Detroit Red Wings mit 6:4 bei den Chicago Blackhawks durchgesetzt hatte, wurden beide Teams mit minutenlangen Standing Ovations verabschiedet.
Zwar waren im ausverkauften Wrigley-Field nahe des Michigansees - dem zweitältesten Baseball-Stadion der Vereinigten Staaten - am Neujahrstag fast 31.000 Fans weniger als vor einem Jahr beim NHL-Zuschauerrekord in Buffalo dabei. Dafür war die Partie abwechslungsreicher als damals, als die Pittsburgh Penguins unter freiem Himmel 2:1 nach Penaltyschießen siegten. (Siehe: Schnee-Spektakel mit Zuschauerrekord). Der Neujahrs-Showdown unter freiem Himmel verbuchte zudem mit knapp fünf Prozent die beste Fernseh-Einschaltquote eines Eishockeyspiels in den Vereinigten Staaten seit 1996.
Harte Männer mit Tränen in den Augen
Es war ein emotionaler Nachmittag, der so manchem harten Kufencrack die Tränen in die Augen trieb. „Wir standen mit offenem Mund da und schauten uns ungläubig an“, beschrieb Detroits Jiri Hudler die Stimmung, als die Fans inbrünstig die Nationalhymne anstimmten. „Ich kann mich sehr glücklich schätzen. Ich kenne nicht einen Spieler in der Liga, der bei einem solchen Spiel nicht gern dabei wäre“, sagte Detroits Torhüter Ty Conklin nach seiner schon dritten Freiluftpartie.
Der amerikanische Nationalkeeper stand im vorigen Jahr in Buffalo für Pittsburgh zwischen den Pfosten, 2003 hütete er vor gut 57.000 Zuschauern in Edmonton den Kasten der Oilers gegen Montréal. „Das hat meine Erwartungen übertroffen“, meinte Nicklas Lidström von den Red Wings. Der Schwede fügte hinzu: „Ich glaube nicht, dass der Wind gestört hat oder dass wir draußen gespielt haben.“
Gute Eisqualität und Temperaturen um den Gefrierpunkt
Dass beide Mannschaften anders als beim letztjährigen Debüt der Winter Classic in Buffalo hochklassigen Sport ablieferten, lag vor allem an der besseren Eisqualität. Die NHL erwarb für eine Million Dollar eine spezielle Eismaschine, die selbst bei widrigen Witterungsbedingungen optimale Spielflächen garantiert. Somit kann die Liga den neuen Klassiker in den kommenden Jahren an die höchstbietenden Teams vergeben - unabhängig von Standort und Wetterlage.
In Chicago spielte das Wetter am Donnerstag keine Rolle. Temperaturen um den Gefrierpunkt und eine Pause vom Schneefall sorgten für optimale Bedingungen, die zunächst vom Heimteam besser genutzt wurden. Die in dieser Saison erstaunlich starken Blackhawks lagen nach dem ersten Drittel mit 3:1 in Führung, mussten jedoch in der Schlussphase den insgesamt besseren „roten Flügeln“ den Vortritt lassen. „Detroit hat den besten Kader der Welt. Sie können das Tempo anziehen, wann immer sie wollen“, kommentierte Chicagos Patrick Kane den Endspurt, in dem die Red Wings innerhalb von 17 Sekunden mit zwei Toren das Blatt wendeten.
„Der Eishockeysport war der große Sieger“
Dass Detroit den vierten Sieg in Folge gegen Chicago einfuhr und weiter ungefochten die Central Division der Western Conference beherrscht, war an diesem Tag allerdings Nebensache. (Siehe: Sport in Amerika: Ergebnisse und Tabellen der großen Profiligen). NHL-Commissioner Gary Bettman wusste nach Spielende, dass seiner Liga im geschichtsträchtigsten Baseballstadion des Landes ein „Homerun“ gelungen war: „Alles, was wir uns gewünscht haben, ist eingetreten. Es war ein historischer Nachmittag, von dem man noch lange schwärmen wird. Detroit hat das Spiel gewonnen, doch der Eishockeysport war der große Sieger.“