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Windsurfen: Moreno-Zwillinge im Gespräch „Unser Sport ist natürlicher, wir spielen im Wasser“

31.07.2008 ·  Iballa und Daida Moreno sind die erfolgreichsten Windsurferinnen der Welt. Die Zwillinge aus Gran Canaria kommen auf 15 WM-Titel. Die 30 Jahre alte Daida und die zehn Minuten ältere Iballa reden über Disziplin, Phantasie, über die Freiheit und Schuldgefühle.

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Iballa und Daida Moreno sind die erfolgreichsten Windsurferinnen der Welt. Die Zwillinge aus Pozo Izquierdo auf Gran Canaria kommen auf 15 Weltmeistertitel. Im FAZ.NET-Interview sprechen die 30 Jahre alte Daida und die zehn Minuten ältere Iballa über Disziplin, Phantasie, über die Freiheit und Schuldgefühle in ihrem Sport , bei dem sie erleben, wie die Erde sich verändert. Und sie erzählen, warum Fischer die besten Meteorologen sind.

Ist man in einer Sportart wie Windsurfen mit 30 eigentlich schon alt? Sie sind in Ihrer zehnten Saison als Profis . . .

Daida: Also bitte - wir sind ja nicht 40! Aber es stimmt, wir haben 1997 begonnen, 1998 dann der erste Wettkampf, seit 1999 sind wir auf der gesamten Tour dabei. Seitdem hat sich viel verändert, wir haben viele Erinnerungen und viel Erfahrung gesammelt und viele Leute getroffen. Das Windsurfen ist mit uns aufgewachsen, als Teil unseres Lebens. Inzwischen gibt es viel mehr Mädchen auf der Tour und viel mehr Mädchen, die Spaß am Windsurfen haben.

Haben Sie sich vor zehn Jahren ein solches Leben ausgemalt, ein Leben, in dem sie um die Welt fliegen, surfen - das sich für andere wie ein Traum anhört?

Iballa: Am Anfang haben wir gar nicht über Wettkämpfe nachgedacht. Wir wollten zu Ende studieren.

Haben Sie das geschafft?

Iballa: Nein. Vor Las Palmas findet einer der größten Wettkämpfe der Tour statt. Die Organisatoren ließen uns teilnehmen. Daida wurde Dritte, ich war ziemlich schlecht. Danach hatten wir aber die ersten Kontakte zu Sponsoren. Seitdem sind wir beim Roxy-Team. Dann haben wir uns sofort exmatrikuliert.

Aber haben Sie sich dann dieses Leben vorgestellt?

Daida: Darüber haben wir nicht nachgedacht. Alles ging ganz langsam und gleichzeitig schnell. Wir hatten Glück und haben einfach losgelegt.

Ist das Gefühl noch dasselbe?

Daida: Es gibt immer noch viele Orte, an denen wir nicht gesurft haben. Und wir surfen mit mehr Leidenschaft, weil wir das Gefühl haben, die Leute wollen mal andere Gesichter auf dem Siegerpodest sehen. Das motiviert unheimlich.

Haben Sie sich je mit anderen Sportlern verglichen, mit Sportlern, die nicht surfen oder segeln, sondern gebundener sind - Fußballspieler zum Beispiel, oder Leichtathleten?

Iballa: Liz Anderson, die Wellenreiterin, war für mich ein Idol, als ich jünger war. Ich wollte wie sie sein und Wellen reiten. Jetzt windsurfe ich eben.

Daida: Unser Lifestyle ist dem der Surfer sehr ähnlich: das Reisen, die Wettkämpfe, das Warten auf die Wellen, der Spaß und die Langeweile.

Glauben Sie nicht, dass in anderen Sportarten die Athleten eher beeinflusst werden, durch Funktionäre und durch Trainer?

Iballa: Sie meinen die Diskussion um China und Olympia.

Zum Beispiel.

Daida: Unser Sport . . .

Iballa: . . . die Extremsportarten . . .

Daida: . . . sind freier. Das sind Sportarten, bei denen die Geisteshaltung eine große Rolle spielt. Wenn du dort an die Spitze willst, brauchst du zwar die gleichen Dinge wie in anderen Sportarten: einen guten Coach, viel Talent, Durchhaltewillen. Und Phantasie. Und du musst geduldig sein, diszipliniert. Die Männer und Frauen im Surfen und Windsurfen sind sehr professionell. Aber du kannst den Sport auf deine eigene Art machen. Im Fußball hast du einen Trainer, einen Trainingsplan. Wir haben eine Wettervorhersage. Klar sind wir flexibler.

Iballa: Aber Leichtathleten können immer laufen. Wir sind von den Elementen abhängig, vom Wind und den Wellen, müssen ihnen um die Welt folgen.

Ihnen sagt aber kein IOC-Präsident, was Sie tun und lassen sollen.

Iballa: Stimmt schon. Aber manche Windsurferinnen haben einen Trainer. Andere sind sehr talentiert und verbringen viel Zeit im Wasser, haben viel Phantasie. Das ist enorm wichtig. Du musst den Körper trainieren und den Geist. Da sind wir ganz anders als Leichtathleten. Unser Sport ist natürlicher, wir spielen im Wasser.

Haben Sie einen Trainer?

Daida: Nicht im Wasser, das machen wir selbst. Aber wir haben einen Kraft- und Konditionstrainer.

Iballa: Training sieht für mich so aus: Ich gehe ins Wasser und trainiere diesen einen Move, eine halbe Stunde lang.

Daida: Es geht aber eben nicht nur ums Surfen. Du musst mit deinem Shaper sprechen, über die Segelausrichtung nachdenken, mit den Ausrüstern sprechen. Material testen. Je besser das Material, umso besser surfst du. Das ist viel Arbeit.

Aber Ihnen sagt niemand: "Es ist vier Uhr, Zeit zu laufen."

Daida: Natürlich nicht. Wir wissen, wenn die Tide steigt, sind die Bedingungen am besten, dann trainieren wir. Wenn sie den Höchststand erreicht hat, ist sie am schlechtesten. Dann essen wir. Das wissen wir besser als jeder Trainer. Wenn dir einer vorschreibt, was du tun sollst, wird es ziemlich langweilig. Das geht im Windsurfen nicht, das ist mit der Seele des Sports gar nicht vereinbar.

Iballa: Je mehr Zeit du im Wasser verbringst, umso besser. Im Winter arbeiten wir mit dem Fitnesstrainer, da gibt es auf den Kanaren nicht besonders viel Wind. Im Sommer ist es sehr viel besser.

Im Winter? Viele Deutsche haben die Vorstellung, dass es im Winter eher windiger ist als im Sommer.

Iballa: Im Süden, bei den Touristen vielleicht.

Daida: Im Winter ist es sonnig, aber der Wind ist nicht konstant. Dann müssen wir uns ins Auto setzen und den Wind suchen. Meistens weiß man dank der Windrichtung, wo man hin muss.

Gibt es noch Reiseziele, Surfziele, an denen Sie noch nicht waren, an denen Sie dieses Jahr surfen wollen?

Daida: Ich war noch nie in Brasilien. Da will ich im Oktober hin. Mir wurde gesagt, dass es da im Oktober ziemlich perfekt ist.

Iballa: Hawaii ist gut im November, im Dezember und im April, die Kanaren im Sommer. Wenn du so viel rumkommst wie wir, weißt du irgendwann, wann es wo gut ist.

Sylt, der deutsche Weltcup Ende September, ist in den letzten Jahren für Frauen häufiger mal ausgefallen. Hört sich nicht an, als sei das der perfekte Termin für die Veranstaltung.

Daida: Weil kein Wind wehte. Es war eben kein Tiefdruckgebiet da.

Iballa: Das lag wohl an der Klimaerwärmung. Überall ändert sich das Wetter, wir kriegen das ziemlich gut mit.

Daida: Es passieren seltsame Dinge. Vor vielen Jahren hat mir Robbie Naish gesagt, dass er mal auf Sylt zum Wettkampf war, da hat es geschneit. So gesehen hatten wir Glück. Wir hatten auch mal Eisregen, und 1998 hat es dort nur geregnet.

Iballa: Großes Glück. Die letzten Jahre hat die Sonne geschienen. In Deutschland, auf Sylt!

Daida: Sylt ist ein großer Wettkampf. Aber wenn wir es uns aussuchen könnten, würden wir natürlich immer in warmen Klimazonen starten.

Wird man nach so vielen Jahren am Wasser selbst zum Meteorologen?

Iballa: Auf den Kanaren wissen wir selbst, wie das Wetter wird. Anderswo fragen wir lieber noch mal die Fischer. Die haben die meiste Ahnung.

Ändert sich das Klima auf den Kanaren auch?

Daida: Plötzlich gibt es da recht starken Wind aus Südwest. Das war früher selten. Seltsam, alles sehr seltsam.

Iballa: Es passieren recht extreme Dinge bei uns zu Hause - im Winter regnet es kaum noch und ist sehr, sehr warm. Und ständig hören wir: Klimaerwärmung hier, Meeresanstieg dort.

Als Surfer und Windsurfer fliegt man ständig mit dem Flugzeug um die Welt, um den Sport ausüben zu können. Kriegen Sie Schuldgefühle, wenn Sie das Wort Klimawandel hören?

Iballa: Wir sorgen uns schon darum. Wir bekommen die Veränderungen eben mit. In der Gezeitenzone auf Hawaii, am North Shore, zum Beispiel, ist weniger Strand übrig als noch vor einigen Jahren. Das sind keine riesigen Veränderungen, aber sie fallen mir eben auf. Da fängt man an, sich Sorgen zu machen.

Aber in der Szene verzichtet deshalb niemand auf Reisen?

Iballa: Um ehrlich zu sein, wird über den Klimawandel immer mal wieder gesprochen, aber bislang gab es deswegen keine gemeinsamen Aktionen. Niemand sagt deshalb ein Fotoshooting oder einen Wettkampf ab.

Das Gespräch führte Christoph Becker.

Quelle: F.A.Z.
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