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Wimbledon-Sieger Novak Djokovic „Das ist der beste Tag meines Lebens“

04.07.2011 ·  Djokovic gewinnt auch das fünfte Finale in Folge gegen Nadal. Auf dem Rasen von Wimbledon stemmt er nach vier Sätzen den Pokal in die Höhe. Außerdem darf sich der Serbe am Montag über einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere freuen.

Von Peter Penders, London
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Da hatte er so lange auf diesen Moment gewartet - und dann verpasste er doch glatt seinen Einsatz. Als Novak Djokovic als neuer Wimbledon-Champion der Herren ausgerufen wurde, blieb er erst einmal auf seinem Stuhl sitzen. Das Platzmikrofon hatte schlicht seinen Dienst versagt, nur die Fernsehzuschauer hatten die Ansage hören können. Aber wie alles, was an diesem Tag noch folgen sollte, löste der Serbe auch das mit einem Lächeln.

Sekunden später hielt er den Pokal hoch, von dem er schon als Kind geträumt hatte. „Dies war das erste Turnier, das ich je im Fernsehen gesehen habe, dies ist das Turnier, das ich immer gewinnen wollte“, sagte der Mann, der den Titelverteidiger Rafael Nadal nicht nur in diesem Finale 6:4, 6:1, 1:6 und 6:3 besiegt hatte, sondern der ihn an diesem Montag auch an der Spitze der Weltrangliste ablöst. „Das ist der beste Tag meines Lebens“, sagte Djokovic.

Alle waren sie hochgesprungen, als der letzte Schlag von Rafael Nadal ins Aus geflogen war. Nicht nur in der Box von Novak Djokovic, wo sich seine ganze Familie und der komplette Trainer- und Betreuerstab in den Armen lag, auch in der Königlichen Box war einer ganz aus dem Häuschen. Serbiens Staatschef Boris Tadic machte den Eindruck, als wäre er am liebsten gleich auf den Rasen gesprungen, um den derzeit beliebtesten Sportler seines Landes zu umarmen.

Ein paar Meter weiter unten kniete Djokovic und probierte ein wenig von jenem Rasen, auf dem er gerade sein großes Glück gefunden hatte. „Ich weiß von 2008, dass die Emotionen sehr hohe Wellen schlagen, wenn man hier zum ersten Mal gewinnt“, sagte Rafael Nadal, der zwar ebenfalls seine Probleme mit dem Mikrofon hatte, aber trotzdem noch lächeln konnte. „Ich habe gegen einen verloren, der heute besser war als ich“, sagte der Spanier.

Djokovic gewann nun 48 von 49 Spielen im Jahr 2011

Nicht nur an diesem Tag, müsste man hinzufügen. Mit diesem Sieg ist Djokovic etwas gelungen, was vor ein paar Monaten noch für unmöglich gehalten worden wäre. Er hat nun die vergangenen fünf Endspiele gegen Nadal allesamt gewonnen, vier davon auf Sand - dem Lieblingsbelag des Spaniers. Doch auch auf Rasen ist der Mallorquiner erwiesenermaßen Extraklasse, denn seine bislang letzte Niederlage in Wimbledon datierte aus dem Jahr 2007, als er gegen den Schweizer Roger Federer im Finale verloren hatte.

2008 gewann er, 2009 fehlte er verletzt, und 2010 triumphierte er wieder. Die Strecke von 20 Siegen nacheinander endete nun im 125. Endspiel in der Geschichte des Turniers, und wer anderes hätte nach dem bisherigen Verlauf des Jahres dafür verantwortlich sein sollen als Novak Djokovic. Von seinen 49 Spielen in diesem Jahr hat er nun 48 gewonnen, nur das aufsehenerregende Halbfinale der French Open gegen Roger Federer hat er verloren.

Spektakuläre Ballwechsel mit Punktgewinnen für Djokovic

Ganz so spektakulär wie in Paris war es auf dem berühmtesten Tennisplatz der Welt allerdings nicht zugegangen. Der erste Satz schien schnurstracks auf einen Tiebreak hinauszulaufen, weil beide zunächst ihre Aufschlagspiele dominierten. Im besten Moment aus seiner Sicht aber erspielte sich Djokovic eine Breakchance, die zugleich Satzball bedeutete, und Nadals Vorhand landete zum 4:6 im Aus. Danach nahm die Partie Fahrt auf, es kamen einige spektakuläre Ballwechsel zustande, die vor allem eins gemeinsam hatten: Sie endeten zumeist mit dem Punktgewinn für Djokovic, der sich in nur 33 Minuten den zweiten Satz 6:1 sicherte.

Aber Nadal wäre nicht Nadal, wenn er sich so einfach in eine Niederlage gefügt hätte. Auch wenn er nun 0:2 zurücklag und angesichts seiner vier Endspielniederlagen zuvor in Indian Wells, Miami, Madrid und Rom damit die vergangenen acht Sätze gegen Djokovic verloren hatte, kämpfte er entschlossen um seine Chance. Keine seiner fünf Partien zuvor auf Grand-Slam-Ebene hatte er gegen Djokovic verloren, und abgeschrieben hatte ihn auch der Serbe gewiss noch nicht. Erst recht nicht, nachdem er den dritten Durchgang in nur 30 Minuten ebenfalls 1:6 hatte abgeben müssen.

Auf dem Rasen vom Wimbledon endet die lange Reise

Wer weiß schon, wie es weitergegangen wäre, wenn Nadal auch im vierten Satz gleich vorne gelegen hätte. Die Gelegenheit hatte er besessen, aber im ersten Aufschlagspiel von Djokovic war die Breakchance ungenutzt verstrichen. Stattdessen war der Serbe danach 2:0 in Führung gegangen, aber der Spanier hatte mit einem Rebreak wieder ausgleichen können. Ein Doppelfehler Nadals, sein einziger in diesem Finale, leitete schließlich den entscheidenden Aufschlagverlust beim Stande von 3:4 ein. Djokovic erspielte sich gleich drei Breakchancen nacheinander und nutzte die zweite, als Nadal mit der Rückhand einen seiner 15 unerzwungenen Fehler produzierte. 5:3, eigener Aufschlag - er war nur noch ein paar Schläge davon entfernt, seinen Traum zu verwirklichen.

Ein paar Minuten später lag Djokovic auf dem Rasen - seine lange Reise hatte ihr Ende gefunden. „Ich habe mir schon als Kind vorgestellt, wie ich hier die Trophäe hochhalte“, hatte er vorher gesagt. Nun war es soweit, und er ist der erste Wimbledonsieger seit 2002 (Lleyton Hewitt), der nicht Roger Federer oder Rafael Nadal heißt. Dass er dann seinen Namen nicht auf Anhieb hörte, spielte da keine Rolle.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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