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Wimbledon : Nadal - die nächste Tragödie?

Wehmütiger Abschied: Rafael Nadals Auftritt hinterlässt Fragen bezüglich seiner Gesundheit Bild: AP

Beim Erstrunden-Aus gegen Steve Darcis in Wimbledon sind die körperlichen Probleme des spanischen Tennis- Heroen unübersehbar. Parallelen zur letzten Saison weist er aber zurück.

          Geht diese Geschichte jetzt etwa wieder von vorne los? Vor einem Jahr war Rafael Nadal überraschend in der zweiten Runde in Wimbledon gegen Lukas Rosol ausgeschieden und hatte danach sieben Monate wegen seiner Probleme am linken Knie pausieren müssen. In Februar war er dann auf die Profitour zurück gekehrt und hatte alle Experten, die ihm wegen der langen Pause eine lange Anlaufzeit prophezeit hatten, ehe er seine alte Stärken würde erreichen können, eines Besseren belehrt. Nadal gewann 43 der 45 Spiele, die er absolvierte; er unterlag nur bei seinem ersten Turnier gegen Horacio Zeballas im Finale von Vina del Mar und später gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic im Finale von Monte Carlo.

          Ansonsten aber eilte er von Triumph zu Triumph, er siegte in Sao Paulo, Acapulco, Indian Wells, Barcelona, Madrid und Rom. Und als sei nichts weiter gewesen und als habe es nie eine Pause gegeben, triumphierte er dann auch noch bei den French Open in Paris und sicherte sich seinen 12. Grand-Slam-Titel.

          Das Spiel hatte eine seiner schillerndsten Figuren offenbar zurück  - nun verliert es sie vielleicht wieder. Nadal verlor am Montag in der ersten Runde in Wimbledon gegen den Belgier Steve Darcis 6:7, 6:7 und 4:6, was für alle Nadal-Fans an sich schon eine schlechte Nachricht ist. Es könnte aber noch schlimmer kommen - der Spanier humpelte nämlich zeitweilig deutlich. Möglicherweise droht nun die nächste Pause - nur reden wollte der Spanier danach nicht darüber nicht. „Es ist nicht der Tag, um über mein Knie zu reden. Alles was ich sagen könnte, würde wie eine Entschuldigung klingen, und das wäre Steve gegenüber nicht gerecht.“

          Ärzte hatten Schonung verordnet

          Nach den French Open in Paris hatte er alle weiteren Termine auf Anraten seiner Ärzte abgesagt, die ihm Schonung verordnet hatten. Nadal war nicht in Halle angetreten und so ohne Spielpraxis auf Rasen am vergangenen Dienstag in Wimbledon angereist. „Das ist immer schwierig auf diesem Untergrund“, sagte er nun, nachdem er erstmals in seiner Karriere in der ersten Runde eines Grand-Slam-Turnieres ausgeschieden war. Manchen Bällen aber war er gar nicht richtig hinterher gelaufen, was bei ihm ein untrügerisches Zeichen dafür ist, dass körperlich nicht alles stimmte. Vor allem mit seiner Rückhand unterliefen ihm ungewöhnliche Fehler, auch die für das Spiel auf Rasen typischen schnellen Richtungswechsel schienen ihm große Probleme zu bereiten.

          Und dann traf er auch noch auf einen Gegner, der ganz offensichtlich das Spiel seines Lebens machte. Steve Darcis ist 29 Jahre alt, wird in der Weltrangliste auf Position 135 geführt, hatte in Wimbledon bislang von vier Spielen drei verloren. Bei zwölf von bislang 18 Grand-Slam-Turnieren war gleich in der ersten Runde Schluss. Es schien der ungleiche Kampf David gegen Goliath zu werden, denn Nadal hatte in diesem Jahr ja nur zwei Spiele verloren, Darcis auf ATP-Ebene dagegen nur zwei Partien gewonnen und sich fast ausschließlich und ohne großen Erfolg den Challenger-Turnieren gewidmet.

          Das Spiel seines Lebens: Steve Darcis schlägt Nadal
          Das Spiel seines Lebens: Steve Darcis schlägt Nadal : Bild: AFP

          Von diesen scheinbar eindeutig verteilten Kräfteverhältnissen war dann nichts zu sehen - der Belgier war von Beginn der etwas bessere Spieler, der auch in den beiden Tiebreaks der ersten Sätzen keine Nervosität zeigte. „Ich habe nicht so sehr darauf geachtet, ob er angeschlagen war. Ich habe mich ganz auf mein Spiel konzentrieren müssen, und das ist gegen Nadal schon schwer genug“, sagte Darcis, der bei Olympia 2012 überraschend den Tschechen Tomas Berdych besiegt hatte.

          Nadal wiegelt ab

          Doch dieser Erfolg nun war noch höher einzustufen - allerdings bleiben zumindest kleine Fragezeichen, was den Gesundheitszustand von Nadal betrifft. Dass er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, ließ sich nicht verbergen - der vermutlich schnellste Tennisprofi konnte einige Schläge seines Gegners ganz einfach nicht erreichen. „Ich habe ja am Samstag schon gesagt, dass dieser Belag nun schwer werden wird für mich, weil ich auf Rasen tiefer runtergehen muss mit dem Körper und mich anders bewegen muss“, sagte Nadal, „aber da hat mir offenbar niemand geglaubt.“ Spätestens Mitte des zweiten Satzes hatten ihm diese Bewegungen dann deutliche Probleme bereitet - manche Spurts brach der für seinen unbändigen Kampfgeist gerühmte Spanier einfach mitten drin ab, seine Rückhand versuchte er, so gut es ging, zu umlaufen, wodurch er mitunter falsch positioniert war.

          Dass er seinem Körper mit dem Programm von neun Turnieren von Vina del Mar bis Paris möglicherweise zu viel zu gemutet hat, wies der leidgeprüfte Mallorquiner allerdings zurück: „Bis vor ein paar Stunden war dies ein perfekter Turnierkalender für mich, und nun werde ich nicht sagen, es war schlecht, weil ich hier verloren habe. Es ist keine Tragödie.“ Möglicherweise aber wird es noch eine. Vergleiche zum vergangenen Jahr wollte Nadal nämlich partout nicht ziehen und sagte fast schon trotzig, er könne da überhaupt keine Parallelen erkennen. „Mein nächstes Turnier wird schon bald kommen“, sagte er. Wer ihn am Montag spielen sah, wird sich da nicht so sicher sein.

          Quelle: F.A.Z.

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