Home
http://www.faz.net/-gub-7b07e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Wimbledon Lisicki wird zur Favoritin

Die letzte deutsche Tennisspielerin im Endspiel von Wimbledon war Steffi Graf vor 14 Jahren. Zumindest die Buchmacher trauen Sabine Lisicki nun sogar den Sieg zu. Vorher aber wartet am Donnerstag eine heikle Aufgabe.

© AFP Vergrößern Entschlossener Auftritt: Sabine Lisicki bestreitet am Donnerstag ihr Halbfinale

Plötzlich ist Sabine Lisicki bei den englischen Buchmachern die Favoritin auf den Titel, in den Zeitungen verdrängt sie mit ganzseitigen Fotos sogar den lokalen Helden Andy Murray in die Randspalten. Die Experten der BBC rühmen ihre Nerven und ihre Aufschläge, die Fans lieben ihr Dauerlächeln. Die Berlinerin lebt in diesen verrückten Tennistagen 2013 ihren ganz persönlichen Wimbledon-Traum - und die wundersame Reise über die Rasenplätze im Südwesten Londons soll erst am Samstagnachmittag zu Ende gehen.

„Ich glaube, sie hat eine gute Chance, ins Endspiel einzuziehen“, schrieb Steffi Graf nach dem Halbfinal-Einzug der 23 Jahre alten Berlinerin auf Facebook. Aus der Ferne verfolgt die bislang letzte deutsche Wimbledon-Siegerin das turbulente Geschehen im All England Lawn Tennis Club. Natürlich fällt nun ständig der berühmteste Name in der Geschichte des deutschen Damen-Tennis. Natürlich muss auch Sabine Lisicki Fragen beantworten wie zuletzt die eines englischen Journalisten: Ob sie die Tatsache, dass nun ständig an Steffi Graf erinnert werde, beflügle oder doch eher emotionale Last sei.

Mehr zum Thema

„Weder noch“, sagte Lisicki, lächelte und meinte: „Ich schaue auf mich. Ich möchte alles geben, nur darum kümmere ich mich.“ Das gelang der letzten im Feld verbliebenen deutschen Spielerin bislang so imponierend, dass sie spätestens seit ihrem Sieg gegen die bis dato übermächtige Serena Williams von der kessen Außenseiterin zur ernsthaften Anwärterin auf den Siegerpokal aufstieg.

Schwere Aufgabe Radwanska

Auch beim Training am Abend vor ihrem zweiten Wimbledon-Halbfinale gegen Agnieszka Radwanska (Donnerstag als zweites Spiel auf dem Center Court ab frühestens 15.30 Uhr/ live in Sky und F.A.Z.-Wimbledon-Liveticker) wirkte Lisicki so gelöst und locker wie in den vergangenen Tagen. Von Anspannung oder Nervosität war nichts zu spüren, als sie im angrenzenden Aorangi Park eine Übungseinheit mit ihrem neuen Trainer Wim Fissette und Vater Richard absolvierte. Bundestrainerin Barbara Rittner saß auf der Bank neben Mutter Elisabeth und gab auch auf dem Platz ein paar Tipps. „Jetzt noch ein paar Rückhand-Volleys“, rief Lisicki ihrem Vater zu. Die 23-Jährige wirkt bereit für die schwere Aufgabe, die nun auf sie zukommt.

25039761 © AFP Vergrößern Bum Bum Bine: Sabine Lisicki erinnert die Engländer an Boris Becker und Steffi Graf

„Klar wird es jetzt gegen Radwanska sehr schwer werden. Aber alles ist möglich. Ich wäre nicht erstaunt, wenn Sabine am Ende die Trophäe hochhalten würde“, sagte Fissette dem „Tennismagazin“ (Online). Vor zwei Jahren stand Lisicki schon einmal in der Runde der besten Vier bei ihrem Lieblingsturnier. Damals unterlag sie der Russin Maria Scharapowa. Die Engländer tauften sie in Anlehnung an einen Heroen der Vergangenheit „Bum Bum Bine“. Jetzt sagt sie: „Ich fühle mich besser als vor zwei Jahren. Aber es ist wichtig, nicht so weit vorauszuschauen. Mal schauen, was noch möglich ist.“

Die Polin Agnieszka Radwanska stand vor einem Jahr hier im Finale, ist die Nummer vier der Welt und derzeit auf dem grünen Spielbelag genauso stark wie Lisicki. Die beiden kennen sich von gemeinsamen Juniorinnenturnieren in Polen.

Sie weiß, dass sie alle schlagen kann

„Sie ist ein schlauer Fuchs“, schrieb Trainer-Legende Nick Bollettieri in seiner Kolumne für den „Independent“. Doch auch er traut seiner früheren Schülerin Lisicki einen weiteren Sturz einer höher gesetzten Spielerin zu. „Das Selbstvertrauen aus dem Sieg gegen Serena wird sie weiter beflügeln“, glaubt Bollettieri.

Gut möglich, dass diese Sabine Lisicki also die erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1999 in Wimbledon im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers wird. Ob es wirklich zur Krönung auf dem Heiligen Rasen reicht? Als erste deutsche Wimbledon-Championesse seit 1996? Als erste deutsche Siegerin bei einem der vier großen Turniere, seit Steffi Graf 1999 bei den French Open triumphierte? Ihr Coach Fissette, der als Trainer schon Kim Clijsters zu Grand-Slam-Weihen geführt, traut es ihr zu: „Sie kann unglaublich gut Tennis spielen. Und in Wimbledon weiß sie, dass sie alle schlagen kann.“

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Michael Stich im Gespräch „Wir haben den künftigen Wimbledon-Gewinner“

Der Hamburger Turnierdirektor Michael Stich im Gespräch über das Star-Potential von Alexander Zverev, die Notwendigkeit der Talentförderung und die alten Zugpferde im Tennis. Mehr

21.07.2014, 10:49 Uhr | Sport
Tennis am Rothenbaum Ein Argentinier gewinnt in Hamburg

Erster Sieg auf der ATP-Tour: Leonardo Mayer hat das Tennisturnier in Hamburg gewonnen. Im Finale setzte sich der Argentinier in drei Sätzen gegen den Spanier David Ferrer durch. Die Sympathien am Rothenbaum gehörten jedoch einem jungen Deutschen. Mehr

20.07.2014, 17:48 Uhr | Sport
„37 Grad“ Reportage Wer sich nicht ewig bindet

Und plötzlich sagt sie: „Lieber jetzt als nie!“: Mit einer kurzen Reportage über ein älteres Ehepaar, das sich auseinander gelebt hat, erkennt „37 Grad“ einen Trend. Mehr

21.07.2014, 17:16 Uhr | Feuilleton

Die Unsterblichen

Von Anno Hecker

Eine Verjüngung der Formel 1 scheint unwahrscheinlicher denn je: Bernie Ecclestone kehrt wohl gestärkt zurück aus dem Gerichtssaal. Und der Formel-1-Autokrat will den alten Weggefährten Flavio Briatore als Retter der Rennserie zurück ins Boot holen. Mehr