Home
http://www.faz.net/-gub-7af92
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Wimbledon Jubiläumssieg von Haas

Mit seinem 100. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier zieht Tommy Haas in die zweite Runde von Wimbledon ein. Bitter verläuft der Tag dagegen für Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner.

© AP Vergrößern Ungefährdet in die zweite Runde: Tommy Haas

Nach seinem lockeren Jubiläumssieg in Wimbledon schaute sich Tommy Haas erst einmal Bilder aus der Vergangenheit an. Als der 35 Jahre alte Tennis-Oldie am Dienstag mit seinem 100. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier den Zweitrunden-Einzug vollbracht hatte und auf die Journalisten wartete, ließ er seinen Blick über ein paar Fotos an der Wand des kleinen Interviewraums Nummer 2 wandern. Mit einer Flasche Wasser in der Hand wartete Haas geduldig und beantworte anschließend wieder einmal Fragen zu seinem Alter, seiner wundersamen Karriere und sogar möglichen Titelambitionen.

„Das wusste ich gar nicht, aber ich bin froh, dass ich das erreicht habe“, sagte Haas, als er auf die Zahl 100 angesprochen wurde. Passenderweise hat der Comeback-König im Herren-Tennis genau hier an dieser Stelle auch seinen ersten Sieg bei einem der vier wichtigsten Turniere gewonnen. Vor 16 Jahren war das, im Juni 1997 ein 6:2, 6:1, 6:2 gegen den Norweger Christian Ruud.

Nicht ganz so klar leuchtete an diesem sonnigen Nachmittag im Londoner Südwesten das Ergebnis von der elektronischen Anzeigetafel. Aber auch der 6:3, 7:5, 7:5-Erfolg in ziemlich genau zwei Stunden gegen den Russen Dmitri Tursunow war nie gefährdet. Mit einem
eleganten Rückhand-Schlag vollendete Haas sein Werk und feierte mit einem langgezogenen „Jaaaaa“ und einer kurzen Jubel-Geste mit der Becker-Faust seinen vielversprechenden Auftritt mit 17 Assen.

Philipp Kohlschreiber of Germany hits a return to Ivan Dodig of Croatia in their men's singles tennis match at the Wimbledon Tennis Championships, in London © REUTERS Vergrößern Er gewann zwei Sätze, und gab im fünften auf: Philipp Kohlschreiber

Nun trifft Haas auf Jimmy Wang aus Taiwan. Dass die früheren Wimbledon-Sieger Steffi Graf und Michael Stich ihm sogar den großen Triumph auf dem Heiligen Grün zutrauen, verbuchte Haas mit einem freundlichen Lächeln. „Es ist schön, so etwas von Landsleuten zu hören“, sagte der gebürtige Hamburger - wohlwissend, dass im Achtelfinale der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic warten würde.

Der Serbe hatte bei seinem ersten Auftritt keine Mühe mit Florian Mayer und gewann 6:3, 7:5, 6:4. Auch für die Davis-Cup-Kollegen Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner verlief der Tag bitter. Kohlschreiber gab gegen den Kroaten Ivan Dodig beim Stand von 6:4,
7:6 (8:6), 6:7 (3:7), 3:6, 1:2 aus seiner Sicht geschwächt von einer Erkältung auf. „Das ist saubitter und ärgerlich, aber ich bin saft- und kraftlos“, sagte der 29 Jahre alte Augsburger. Petzschner verlor gegen den Polen Michal Przysiezny 3:6, 6:7 (6:8), 0:6.

Auch für Julia Görges und Carina Witthöft war der erste Arbeitstag schon der letzte. Görges unterlag der Kolumbianerin Mariana Duque-Marina 4:6, 7:6 (7:3), 5:7. Die 18 Jahre alte Witthöft war bei ihrem Grand-Slam-Debüt gegen die 42 Jahre alte Japanerin Kimiko Date-Krumm chancenlos und verlor in nur 44 Minuten 0:6, 2:6.

Kimiko Date-Krumm of Japan hits a return to Carina Witthoeft of Germany during their women's singles tennis match at the Wimbledon Tennis Championships, in London © REUTERS Vergrößern Zu Stark: Kimiko Date-Krumm lässt Carina Witthöft keine Chance

Erfreulicher lief es aus deutscher Sicht für Angelique Kerber, Sabine Lisicki, Annika Beck, Mona Barthel, Daniel Brands und Jan-Lennard Struff. Die an Nummer sieben gesetzte Kerber siegte 6:3, 6:4 gegen die US-Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands. Lisicki ließ der
Italienerin Francesca Schiavone beim 6:1, 6:2 keine Chance, Beck kam zu einem 6:3, 6:2 gegen die Russin Nina Brattschikowa. Barthel setzte sich gegen die Rumänin Monica Niculescu 6:3, 4:6, 7:5 durch.

Im letzten Spiel mit deutscher Beteiligung gewann schließlich Daniel Brands (Deggendorf) gegen den Spanier Daniel Gimeno-Traver 7:6 (7:5), 6:7 (4:7), 6:7 (5:7), 6:1, 6:4. Der Warsteiner Qualifikant Struff schlug den Slowenen Blaz Kavcic 6:4, 6:1, 6:3.

Auch der Auftritt des inspirierten und konzentrierten Haas begeisterte die Zuschauer auf dem fast vollbesetzten Court 2. Zwar waren auch diesmal seine obligatorischen Fluchattacken (“Immer das Gleiche. Scheiße.“) auf dem Platz zu hören, doch gefährdet war der Sieg des ältesten und besten deutschen Tennisprofis nie. „Die Emotionen müssen raus, um den Körper und den Kopf auf das Wesentliche zu bringen“, sagte Haas später. Es gelang perfekt.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Djokovic und Federer raus Zwei Debütanten im Finale der US Open

Das hat es seit 2005 nicht mehr gegeben: Weder Roger Federer, Novak Djokovic oder Rafal Nadal stehen im Finale eines Grand-Slam-Turniers. Bei den US Open kommt es zum Überraschungsfinale der Debütanten Cilic und Nishikori. Mehr

07.09.2014, 01:33 Uhr | Sport
Löw: Wir sind gut vorbereitet

Der Trainer der deutschen Fußball-Nationalelf sieht seine Mannschaft gut vorbereitet ins Turnier starten. Auch Torwart Manuel Neuer ist fit und hofft auf starke Leistung gegen Portugal. Mehr

16.06.2014, 10:55 Uhr | Sport
Freundinnen-Finale bei US Open Du schuldest mir ein paar Drinks

Serena Williams besiegt im Finale der US Open Caroline Wozniacki in zwei Sätzen. Die unterlegene Dänin lobt die Amerikanerin als unglaublichen Champion und tolle Freundin. Mehr

08.09.2014, 00:14 Uhr | Sport
UN-Bericht - Klimawandel gefährdet Milliarden Menschen

Der Weltklimarat fordert drastische Maßnahmen gegen den Ausstoß von Treibhausgasen, um den Klimawandels abzumildern, sieht aber auch erste Erfolge beim Kampf gegen die Veränderung des Weltklimas. Mehr

31.03.2014, 13:01 Uhr | Wissen
Sabine Lisicki Endlich wieder ein Turniersieg

Schlechter hätte das Finale beim Tennisturnier in Hongkong für Sabine Lisicki kaum beginnen können. Doch gegen die Tschechin Pliskova dreht sie den ersten Satz und steht am Ende als Siegerin da. Ihr erster Titel seit 2011. Mehr

14.09.2014, 10:31 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.06.2013, 22:15 Uhr

Arroganz der Macht

Von Michael Ashelm

Der internationale Fußball steckt in einer Vertrauenskrise. Seine Anführer sollten deshalb Glaubwürdigkeit vermitteln - der Uefa-Präsident vollführt das Gegenteil. Mehr 2