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Wimbledon Immerhin keine Lehrstunden

 ·  Im Viertelfinale ereilt Florian Mayer und Philipp Kohlschreiber das Aus in Wimbledon. In der Runde der letzten Vier kommt es nun zum Duell zwischen Novak Djokovic und Roger Federer, der sich aus der „Royal Box“ inspirieren lässt.

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© REUTERS Keine Chance: Florian Mayer musste vor der Klasse eines Novak Djokovic kapitulieren

Was ist schlimmer im Sport – eine knappe Niederlage oder ein chancenloses Ausscheiden? Bei Florian Mayer war das im Viertelfinale von Wimbledon keine Frage. Gegen den Weltranglistenersten und Titelverteidiger Novak Djokovic hatte ihm niemand eine Chance gegeben, aber der Bayreuther hielt sich viel besser, als er erwarten durfte. Mayer unterlag zwar 4:6, 1:6 und 4:6 – aber er durfte trotzdem mit sich zufrieden sein. „Um ehrlich zu sein, den ersten Satz hätte ich gewinnen müssen“, durfte er ohne Widerspruch behaupten. Ärgerlicher war dagegen für Philipp Kohlschreiber die 6:7-, 6:4-, 6:7- und 2:6-Niederlage gegen Jo-Wilfried Tsonga. Der Augsburger spielte lange im oberen Bereich seiner Möglichkeiten – ein paar Fehler hier und da in den beiden Tiebreaks gaben dem Franzosen den entscheidenden Vorteil, der nun im Semifinale auf den Schotten Andy Murray treffen wird.

Vor allem im ersten Satz dürfte sich so mancher beim Anblick von Mayer die Augen gerieben haben, denn er hielt gegen Djokovic nicht nur mit, er erspielte sich beim Stand von 4:4 sogar drei Breakpunkte am Stück. Schon den ersten hätte der Bayreuther nutzen können, als er nach seinem Grundlinienschlag ans Netz vorrückte, dort aber dann die falsche Entscheidung traf. „Das war ein leichter Volley, den ich in die Ecke hätte drücken müssen“, sagte Mayer, stattdessen aber hatte er Djokovic noch einmal die Möglichkeit gegeben, ihn zu passieren. Richtig gute Tennisspieler nutzen so etwas, der Beste der Welt natürlich sowieso – der Ball des Serben flog an Mayer vorbei genau auf die Linie. Ob ein Break in diesem Moment oder gar der Gewinn des ersten Satzes etwas geändert hätte? „Eine Mini-Chance hätte ich vielleicht besessen“, sagte Mayer.

Immerhin, es wurde auch danach keine Lehrstunde, vor allem von der Grundlinie konnte Mayer lange Zeit mithalten. „Aber ich musste unglaublich viel laufen“, sagte der Deutsche, und das wäre auf Dauer selbst mit einem überraschenden Satzgewinn nicht gut gegangen. Schließlich weiß man von Djokovic nicht erst sei seinem Sechs-Stunden-Finale von Melbourne gegen Rafael Nadal, dass er auch auf einem noch viel höheren Niveau sehr lange spielen kann. Das könnte im Halbfinale nötig sein – Djokovic wird dort an diesem Freitag auf Roger Federer treffen, der beim 6:1, 6:2 und 6:2 gegen den Russen Michail Juschni eine beeindruckende Leistung zeigte. Es wird das erste Treffen der beiden Stars auf Rasen, und es steht viel auf dem Spiel: Gewinnt Federer nämlich, würde er mit einem weiteren Sieg im Finale zum ersten Male seit dem 7. Juni 2010 wieder auf den ersten Platz der Weltrangliste vorrücken.

Auch Kohlschreiber musste sich nach seiner Niederlage gegen Tsonga nicht grämen – schon der Einzug in dieses Viertelfinale war sein bislang größter Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnieren. Es hätte durchaus noch ein wenig mehr sein können, denn wie immer bei Partien auf diesem Niveau entscheiden in der Regel einige wenige Szenen die gesamte Partie. „Bei den wichtigen Punkten hat er einfach besser gespielt“, sagte Kohlschreiber. Die Begegnung war lange ausgeglichen – im ersten Satz etwa gewann Kohlschreiber 38 und Tsonga 39 Punkte, aber im Tiebreak lag der Franzose dann vorne. Kohlschreiber konnte noch einmal ausgleichen, verlor aber den dritten Satz wieder im Tiebreak. Danach war der Widerstand des Deutschen gebrochen, der zwar ein gutes Gefühl mit nach Hause nehmen darf, gleichzeitig aber weiß, dass so viel auch nicht gefehlt hatte. „Tennis“, sagte er, „ist manchmal ein blöder Sport. Da erreicht man sein bislang bestes Ergebnis und hat trotzdem sein letztes Spiel verloren.“ Die Alternative wäre eine Idee wert: Um das zu verhindern, muss man das Turnier allerdings gleich gewinnen.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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