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Wimbledon Görges und Lisicki gewinnen im Eiltempo

23.06.2011 ·  Heftiger Regen hat das Programm in Wimbledon wieder durcheinander gewirbelt. Nach der stundenlangen Warterei hatten Julia Görges und Sabine Lisicki keine Zeit zu verlieren und bestätigten den Aufschwung des deutschen Damen-Tennis.

Von Peter Penders, London
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Ungewöhnlich lange mussten Julia Görges und Sabine Lisicki auf ihr Erstrundenspiel bei den All England Lawn Tennis Championships warten, nachdem ihre Partien am Dienstag wegen der einsetzenden Dunkelheit nicht mehr angesetzt worden waren. Auch am Mittwoch hieß es nämlich zunächst noch einmal Geduld bewahren, weil es pünktlich zum geplanten Spielbeginn um 12 Uhr zu regnen begonnen hatte. Als es dann endlich am Nachmittag losgehen konnte, wollte beide offensichtlich keine weitere Zeit mehr vertrödeln. Julia Görges, an Nummer 16 gesetzt, besiegte die Spanierin Anabel Medina Garrigues in 72 Minuten 6:3 und 6:0, und gleich im ICE-Tempo startete danach Sabine Lisicki in das Turnier. Die Viertelfinalteilnehmerin von 2009 verlor zwar die ersten sieben Punkte gegen die Lettin Anastasia Sevastova, benötigte aber trotzdem nur insgesamt 46 Minuten für ihren 6:1 und 6:1-Erfolg.

„Das war ein sehr guter Einstieg“, sagte Julia Görges und präzisierte dieses Urteil kurz danach noch: „Vermutlich war es die beste erste Runde, die ich bislang überhaupt bei einem Grand-Slam-Turnier gespielt habe.“

Ein gutes Omen also für ein Wimbledonturnier, dass die 21 Jahre alte Tennisspielerin aus Bad Oldesloe noch ganz weit bringen kann. In ihrer Setzhälfte steht ihr zumindest erst einmal keine Spielerin im Weg, die unüberwindbar scheint - selbst die möglicherweise in einem Achtelfinale wartende Weltranglistenerste Caroline Wozniacki ist davon nicht ausgenommen. Zum einen gehört das Spiel auf Rasen nicht zu den herausragenden Stärken der Dänin, obwohl sie einst das Juniorenturnier gewonnen hat. Zum anderen hat sie in dieser Saison schon zweimal gegen die aufstrebende Deutsche verloren, die sich auch dank dieser Erfolge in diesem Jahr bis auf den 16. Platz der Weltrangliste verbessert hat.

Nun könnte es sprunghaft weitergehen, denn wegen ihrer Erstrundeniederlage im vergangenen Jahr muss Julia Görges diesmal keine Weltranglistenpunkte verteidigen. Aber die Erfahrung hat gelehrt, dass Tennisspieler so nicht denken - oder es zumindest nicht zugegeben. Getreu dem alten Sepp-Herberger-Motto „der nächste Gegner ist immer der schwerste“ geht es nur von Spiel zu Spiel, und viele behaupten sogar, ihre weitere Auslosung nicht einmal angesehen zu haben. Zumindest ihre nächste Gegnerin kennt Julia Görges bestens - gegen die Französin Mathilde Johannson hat sie gerade erst in der ersten Runde der French Open in zwei Sätzen gewonnen.

In Paris hat auch die nächste Gegnerin von Sabine Lisicki auf sich aufmerksam gemacht - und das sogar mit der bestmöglichen Nachhaltigkeit. Als erste Asiatin überhaupt hat die 30 Jahre alte Chinesin in der französischen Hauptstadt die Trophäe bei einem der vier wichtigsten Turniere des Jahres hochgehalten. Auf dem Papier müsste die Weltranglistenvierte deshalb als große Favoritin gelten, aber nicht nur Sabine Lisicki sieht die Ausgangslage als total offen an. „Sie hat in Paris triumphiert, ich habe dafür gerade das Vorbereitungsturnier in Birmingham gewonnen. Und ich spiele auf Rasen nun einmal gut“, sagt die Berlinerin mit Wohnsitz in Florida. Nach ihrer Knöchelverletzung, wegen der sie im vergangenen Jahr in Wimbledon fehlte, war sie in der Weltrangliste weit zurückgefallen, inzwischen hat sie sich wieder bis auf den 62. Rang vorgearbeitet. Nachdem vor drei Monaten eine Glutenunverträglichkeit bei ihr festgestellt worden war und sie die Ernährung umstellte, hofft sie darauf, bald stärker denn je aufspiele zu können. „Ich hatte sehr lange Probleme und habe mich oft schlapp gefühlt. Mein Körper hat gegen die Nahrung angekämpft, dabei sollte sie mir doch eigentlich Energie geben.“

Auch der Berlinerin wird vor dem großen Namen ihrer Gegnerin nicht vor Ehrfurcht erstarren - sie hat die Chinesin kurz vor deren Paukenschlag in Paris beim Stuttgarter Sandplatz-Hallenturnier noch in zwei Sätzen besiegt. „Ich freue mich auf dieses Spiel, ich liebe solche Herausforderungen“, sagt sie. Und manchmal helfen ja auch gute Erinnerungen weiter: Als sie sich 2009 überraschend bis in die Runde der letzten acht vorkämpfte, hatte Sabine Lisicki auf dem Weg dorthin auch Swetlana Kuznetsowa besiegt. Die Russin war als damals frisch gekürte French-Open-Siegerin nach London gereist. Das Spiel von Lisicki gegen Na Li ist auf dem Center Court angesetzt.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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