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Wimbledon-Finale Leichtgewicht gegen As der Asse

 ·  Agnieszka Radwanska fordert im Finale von Wimbledon Serena Williams heraus. Zum ersten Mal hat sie das Finale eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Aber es gibt ein Problem.

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Wenn sie sich die Statistiken vor dem Finale ansehen sollte, müsste Agnieszka Radwanska an diesem Samstag eigentlich im Bett bleiben. Sie ist leicht erkältet, und nach dem Halbfinalsieg über die Kielerin Angelique Kerber klagte sie über Halsschmerzen. Natürlich wird sie trotzdem aufstehen. Zum ersten Mal hat sie das Finale eines Grand-Slam-Turniers erreicht, und als wäre das nicht genug, gäbe es auch noch einen besonderen Lohn, falls sie auch diese Partie gewänne. Sie wäre dann Erste der Weltrangliste und die erste Polin, die es bis an die Spitze gebracht hat. Allerdings gibt es da ein Problem: Auf der anderen Seite des Netzes wird Serena Williams warten. Wenn man sich eine Finalgegnerin wünschen dürfte, wird das sicher nicht die Amerikanerin sein.

Mehr Erfahrung mit der besonderen Atmosphäre eines Grand-Slam-Finales als Serena Williams hat keine Spielerin. Mag sie auch manchmal bei den großen Turnieren früh scheitern, weil sie entweder nicht in Form oder verletzt ist, sich in einer von sonstigen Misslichkeiten gestörten Phase ihrer Karriere befindet oder die Gegnerin nicht ernst genommen hat - hat sie erst ein Finale erreicht, ist sie kaum aufzuhalten. Von ihren 18 Grand-Slam-Endspielen hat sie 13 gewonnen, und wenn man die beiden abzieht, die sie gegen ihre Schwester Venus verloren hat, ist nicht viel übrig geblieben für den Rest der Welt.

Die gefühlte Nummer eins

Über die Form von Serena Williams durfte in den vergangenen Wochen wieder einmal gerätselt werden. Sie hatte eine für ihre Verhältnisse hervorragende Sandplatzsaison hinter sich und gehörte zu den großen Favoritinnen bei den French Open, aber in Paris scheiterte sie sensationell in der ersten Runde. Auch in Wimbledon tat sie sich schwer, wackelte sowohl in der dritten Runde gegen die Chinesin Jie Zheng (6:1, 2:6, 7:5) als auch im Achtelfinale gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa (6:7, 6:2, 9:7), aber spätestens gegen die Gegnerinnen mit den großen Namen zeigte sich die wahre Serena Williams. Im Viertelfinale schaltete sie die Titelverteidigerin Petra Kvitova 4:6, 7:5 und 6:1 aus, im Halbfinale die weißrussische Australian-Open-Siegerin Victoria Azarenka (6:3, 7:6), die auf einen fünften Wimbledonsieg der Amerikanerin hoffen wird. Dann wäre sie nämlich wieder die Nummer eins - zumindest im Computer.

Doch solange Serena Williams spielt und auch Lust dazu hat, ist sie die gefühlte Nummer eins: die größte Herausforderung, diejenige, die es zu schlagen gilt. In Wimbledon ist das besonders schwer, vor allem an Tagen wie diesen im Semifinale. Wann immer es eng zu werden drohte bei ihren Aufschlagspielen, schlug sie ein As; schließlich waren es 24. Das ist Rekord für ein Damenspiel in Wimbledon, und übersetzt sind das 24 freie Punkte und somit zumindest rechnerisch ein ganzer Satz. Zur Folklore von Serena Williams gehört, dass sie fand, sie habe gar nicht gemerkt, dass sie so gut aufgeschlagen habe.

Fünf Volltreffer zum Rekord

Da wird also einiges auf Agnieszka Radwanska zukommen. Aber wenn überhaupt jemand das ideale Spiel besitzt, um die Amerikanerin zu entnerven, dann die Polin. Sie ist kleiner als die Gegnerinnen aus der Weltspitze, sie ist viel leichter und trotzdem alles andere als ein Leichtgewicht. „Sie bewegt sich so unglaublich gut“, sagte Angelique Kerber über ihre Freundin.

Irgendwie kommt die Polin deshalb auch noch an Bälle heran, die ihre Gegnerinnen schon als Punktgewinn abhakt haben. Auch und vor allem Serena Williams ist anfällig dafür, sich darüber richtig zu ärgern. Wenn die Gegnerin alles erläuft, neigt sie dazu, mit noch mehr Wucht auf den wehrlosen Tennisball einzudreschen - und ihren Schlägen in der Folge häufig eine beachtliche Streuung zu verleihen.

„Es gibt viele in der Weltspitze, die mit viel Power spielen“, sagte Agnieszka Radwanska fast schon gleichgültig. Die Chance für die Junioren-Siegerin von 2005 besteht also darin, die Tennisversion des Wettlauf-Märchens vom Hasen und dem Igel aufführen. Nur vor dem ersten Schlag muss sie sich dabei in acht nehmen. Nach 85 Assen im bisherigen Turnier fehlen Serena Williams nur noch fünf Volltreffer zum Rekord. Die aktuelle Bestmarke hält sie natürlich selbst.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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