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Williams und Wozniacki im Finale : Drama um Chinesin Peng

  • Aktualisiert am

Die Chinesin Peng Shuai muss mit dem Rollstuhl vom Platz gebracht werden. Bild: AP

Serena Williams kann im Finale der US Open ihren 18. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier feiern. Im Endspiel trifft sie auf Caroline Wozniacki. Deren chinesische Gegnerin war im Halbfinale zusammengebrochen.

          Fünf Jahre nach ihrem bislang einzigen Grand-Slam-Finale hat die frühere Weltranglistenerste Caroline Wozniacki wieder das Endspiel der US Open erreicht. Die 24 Jahre alte Dänin profitierte am Freitag bei einer 7:6, 4:3-Führung von der Aufgabe der ungesetzten Chinesin Peng Shuai. „Es tut mir leid für sie. Sie hat sehr gut gespielt. Ich hätte natürlich gerne zu Ende gespielt“, sagte Wozniacki, nachdem ihre Gegnerin unter Tränen in einem Rollstuhl vom Platz gefahren wurde. Schon zuvor hatte sie sich immer wieder das Knie gehalten und eine Auszeit in Anspruch genommen.

          Im Finale trifft Wozniacki am Sonntag auf Titelverteidigerin Serena Williams. Nach nur einer Stunde Spielzeit nutzte die 32 Jahre alte Amerikanerin ihren ersten Matchball. Williams strebt in New York ihren sechsten US-Open-Sieg und den 18. Titel bei einem der vier wichtigsten Tennisturniere an. Damit würde sie in der ewigen Grand-Slam-Rangliste mit Martina Navratilova und Chris Evert (je 18) gleichziehen.

          Bärenstark: Serena Williams
          Bärenstark: Serena Williams : Bild: AFP

          Wozniacki profitierte in ihrem Halbfinale beim Stand von 7:6 (7:1), 4:3 von der Aufgabe der Chinesin Peng Shuai und steht zum zweiten Mal nach 2009 im Endspiel der US Open. Peng litt unter der großen Hitze von mehr als 30 Grad Celsius und der hohen Luftfeuchtigkeit von rund 70 Prozent und musste mit einem Rollstuhl vom Platz gefahren werden.

          McEnroe: Bei diesen Bildern wird mir schlecht

          Beim Stand von 4:3, 30:40 aus Sicht Wozniackis hatte sich die Weltranglisten-39. bereits in der Kabine behandeln lassen, kehrte zehn Minuten später noch einmal zurück, musste aber nach sechs Punkten schließlich völlig entkräftet aufgeben.

          „Mein Körper hat sich immer weiter aufgeheizt, und ich habe Krämpfe bekommen“, sagte Peng, als sie drei Stunden nach dem Match zur Pressekonferenz erschien und Entwarnung gab. „Ich fühle mich besser“, sagte die 28-Jährige und betonte, dass es ihre Entscheidung gewesen sei, noch einmal auf den Platz zu gehen. „Ich habe dem Arzt gesagt: Ich will nicht aufgeben, ich will es nochmal versuchen“, sagte sie.

          Gut drauf: vor der Verletzung ihrer Gegnerin trumpfte die Dänin Wozniacki auf und spielte ihr bestes Tennis
          Gut drauf: vor der Verletzung ihrer Gegnerin trumpfte die Dänin Wozniacki auf und spielte ihr bestes Tennis : Bild: AFP

          Der ehemalige Weltklassespieler und heutige TV-Experte John McEnroe hatte zuvor die Entscheidung, Peng noch einmal zurückkommen zu lassen, heftig kritisiert. „Das wurde schrecklich vermasselt. Eine schwarze Stunde für unseren Sport“, sagte er im Sender CBS und ergänzte: „Wenn ich diese Bilder sehe, wird mir schlecht.“

          Nervenstark im Tiebreak

          Wozniacki stand 2009 in New York in ihrem bislang einzigen Endspiel bei einem der vier wichtigsten Turniere und unterlag damals der Belgierin Kim Clijsters. Gegen die Halbfinal-Debütantin Peng tat sich die Dänin anfangs schwer und kassierte Breaks zum 3:4 und 5:6. Doch wie schon gegen Andrea Petkovic (Darmstadt/3. Runde), die French-Open-Siegerin Maria Scharapowa (Russland/Achtelfinale) und Sara Errani (Italien/Viertelfinale) ließ sich Wozniacki nicht aus der Ruhe bringen und entschied den Tiebreak nervenstark mit 7:1 für sich.

          Faire Gegnerin: Caroline Wozniacki kümmert sich um die am Boden zerstörte Chinesin
          Faire Gegnerin: Caroline Wozniacki kümmert sich um die am Boden zerstörte Chinesin : Bild: AFP

          „Vergiss Rory“, brüllte ein Zuschauer im größten Tennisstadion der Welt, als nach 66 Minuten der erste Durchgang an Wozniacki ging. Nach dem abrupten Ende ihrer Beziehung mit dem nordirischen Golfprofi Rory McIlroy im Mai war Wozniacki zunächst in ein Loch gefallen. Bei den French Open schied sie in der ersten Runde aus, doch mit Boxen und Golfen arbeitete sie erfolgreich an mentaler und körperlicher Stärke und spielt derzeit so stark auf wie zuletzt vor vier Jahren.

          Die Jahre 2010 und 2011 beendete Wozniacki als Weltranglistenerste. Insgesamt führte die Wahl-Monegassin 67 Wochen lang das Ranking an, ohne je ein Grand-Slam-Turnier gewonnen zu haben. Im Juli dieses Jahres gewann sie in Istanbul erstmals seit Oktober 2013 ein WTA-Turnier. In Montréal stand sie zuletzt im Viertelfinale, in Cincinnati im Halbfinale. „Ich habe nie an mir gezweifelt. Ich weiß, dass ich an einem guten Tag jede schlagen kann“, sagte Wozniacki nach ihrem Halbfinal-Einzug. Im Finale muss sie es nun nochmal beweisen.

          Bei den Herren kommt es am Samstag zu den Halbfinalduellen zwischen dem Weltranglistenersten Novak Djokovic aus Serbien und dem Japaner Kei Nishikori (18.00 Uhr MESZ) sowie anschließend zwischen dem fünfmaligen US-Open-Sieger Roger Federer aus der Schweiz und dem Kroaten Marin Cilic.

          Quelle: dpa

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