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Veröffentlicht: 27.12.2015, 11:10 Uhr

Parapsychologie im Sport „Eine Katze zu verbuddeln ist blöd“

Das magische Wort heißt „Verschränkung“: Der Parapsychologe Walter von Lucadou im Gespräch über Rituale im Sport, Macht des Teamgeistes und psychokinetische Ablenkung von Bällen.

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© Amadeus Waldner Gemeinsam sind sie stark: Rituale sollen im Sport helfen

Der 70 Jahre alte Freiburger Walter von Lucadou, promoviert in Physik und Psychologie, ist einer der wichtigsten Forscher auf dem Gebiet der Parapsychologie. Er erforscht Phänomene wie Telepathie, Hellsehen oder Telekinese. 1989 gründete er die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg, die vom Land Baden-Württemberg bezuschusst wird und Menschen berät, die paranormale Erlebnisse hatten. Von Lucadou verbindet auf unorthodoxe Weise physikalische und psychologische Erklärungsmuster miteinander.

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Stellen Sie sich vor, Joachim Löw, der ja in der Nähe wohnt, kommt zu Ihnen und fragt: Wie bringen wir in den Spielen, in denen es zählt, den Ball wieder leichter ins Tor? Was würden Sie ihm raten?

Ich erzähle Ihnen erst einmal eine Anekdote: Ein Journalist der „Badischen Zeitung“ - Freiburg ist ja jetzt in die zweite Liga abgestiegen, die waren ja aber mal wirklich gut - hat mich einmal gefragt, wie man das Abstiegsgespenst verscheuchen könnte. Er hat gesagt, in Brasilien zum Beispiel vergraben sie tote Katzen unter dem Spielfeld und so weiter. Ich habe gesagt, klar, natürlich. Der Ritus selbst, eine Katze zu verbuddeln, ist blöd. Aber wenn sie es machen, um die Bedeutung für die Gruppe zu erhöhen, und das macht man, wenn man gemeinsam ein Ritual macht, und im Fußball sind Rituale ja das A und O - dann erzeugt man Verschränkung.

Löw soll Verschränkung erzeugen, damit seine Spieler wieder ins Tor treffen? Was ist das denn?

Da muss ich weiter ausholen. Der Begriff der Verschränkung stammt aus der Physik. Da wurde er zum ersten Mal entdeckt, und zwar wider Willen. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als man begonnen hat zu verstehen, dass es Atome gibt, die einen Kern haben, und dass außen herum Elektronen surren, hat man ein Planeten-Modell gemacht. Wenn man das mit den Formeln der klassischen Physik berechnet, stellt sich heraus, dass das nicht stabil ist. Es funktioniert nicht. Man kann es erst verstehen, wenn man es durch die Quantenmechanik beschreibt. Dort gibt es einen Begriff für die Eigenschaft, die für diese Stabilität sorgt, und das ist die Verschränkung. Sie besagt, dass das gesamte System nicht nur von kausalen Kräften - das wäre die Anziehung des Elektrons vom Kern und umgekehrt -, sondern auch von Verschränkungskräften abhängt. Diese Verschränkungskräfte gibt es zunächst einmal nur in der Quantenphysik. Aber wenn Sie so wollen, ist das keine Kleinigkeit. Die Stabilität der ganzen Welt beruht auf Verschränkung.

THW Kiel - HSV Hamburg © dpa Vergrößern Verschränkung ist das Zauberwort: Parapsychologie spielt im Sport eine Rolle

Und wie könnte diese Erkenntnis unserer Nationalmannschaft helfen?

Erstaunlich ist, was man lange nicht wusste, dass solche Verschränkungskorrelationen nicht nur in kleinen quantenmechanischen Systemen, sondern auch in großen, wie zum Beispiel psychologischen Systemen, vorkommen können. Man weiß heute, dass es kosmologische Verschränkungsphänomene gibt. Sie treten überall auf. Das ist eine grundlegende Eigenschaft der Natur. Die Quantenphysik hat uns nur den Prototyp geliefert. Kluge Menschen, die viel nachgedacht haben, wissen das schon lange. Nur haben wir heute ein präzises Wort dafür.

Wie könnte das im Sport praktisch erlebt werden?

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