28.11.2009 · Neben dem Fußball könnten auch die Basketball-Bundesliga (BBL) und das Tennis vom europäischen Wettskandal betroffen sein. Laut „Spiegel“ finden sich in den Unterlagen der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum entsprechende Verdachtsmonente. BBL-Geschäftsführer Pommer spricht von einer „bedrückenden Situation“.
Neben dem Fußball könnten auch Basketball und Tennis vom neuen europäischen Wettskandal betroffen sein. Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ finden sich in den Unterlagen der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum Verdachtsmonente, wonach Ante Sapina, mutmaßlicher Drahtzieher der Manipulationen, im Juni versucht haben soll, auch ein Spiel der Play-offs in der Basketball-Bundesliga (BBL) zu kaufen. Zudem bestünden Hinweise, dass ein Frauen-Doppel beim Tennisturnier in Fes/Marokko im April dieses Jahres verschoben worden sein könnte.
„Schon vor einigen Tagen haben wir bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragt. Denn der gesunde Menschenverstand hat uns gesagt, dass neben dem Fußball auch andere Sportarten betroffen sein könnten“, sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer. „Die Akteneinsicht wurde jedoch auch uns noch nicht gewährt. Folglich fehlen uns zum Handeln jegliche Anhaltspunkte. Und wir müssen handeln, es wird dringend. Insgesamt ist die Situation bedrückend.“
Auch WM-Qualifikation unter Verdacht
Das Magazin berichtet weiter, dass sich auch im Fußball die Zahl der betroffenen Länder weiter vergrößert habe, von zuletzt neun auf jetzt 17 Länder. Bereits am Freitag hatte der „Spiegel“ veröffentlicht, dass die Wettmafia nach Erkenntnissen der Ermittler auch versucht haben soll, Einfluss auf das WM-Qualifikationsspiel zwischen Bosnien und der Türkei am 9. September 2009 (1:1) zu nehmen. In seiner Montags-Ausgabe nennt das Magazin dazu nähere Details. So soll versucht worden sein, den bosnischen Trainer mit 500.000 Euro zu bestechen, um den Türken einen „sicheren Sieg zu ermöglichen“, schreibt der „Spiegel“: „Der Trainer soll das Angebot abgelehnt haben.“
Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte vor kurzem bekannt gegeben, dass Wettbetrüger in mehreren europäischen Ländern rund 200 Spiele, darunter 32 Partien in Deutschland, manipuliert haben. Etwa 200 Personen - darunter Trainer, Spieler und Schiedsrichter - stehen unter Verdacht. Laut „Focus“ sind bei der Unterwanderung von Wettbüros Wetten, die „normale“ Mitarbeiter niemals angenommen hätten, von den Komplizen von Sapina durchgewunken worden. Auf diese Weise seien die Gesellschaften um Hunderttausende Euro erleichtert worden, behaupte der Insider, der zur Bande von Sapina gehört habe.
„Spiegel“: 3,5 Millionen Euro auf Sapinas Konten in Asien
Dem „Spiegel“ zufolge sind offenbar die ersten beschuldigten Profis zu Geständnissen bereit. Ein früherer Zweitliga-Spieler wolle bei der Bochumer Staatsanwaltschaft aussagen, wie Mitglieder der Wettmafia ihm ein Darlehen in sechsstelliger Höhe gewährten und ihn später zur Manipulation von Spielen gedrängt haben sollen. Der „Focus“ schreibt, die Gruppe um Sapina habe nach betrugsbereiten Fußballern gesucht. Sie hätten analysiert, ob ein Kandidat zum Glücksspiel neige oder Schulden habe. Nach lockeren Erstkontakten seien die Spieler unter Druck gesetzt und mit bis zu fünfstelligen Summen bestochen worden. Die Bochumer Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass die Wettmafia mehr als 550.000 Euro investiert habe, um Spieler in mehreren Ländern zu bestechen.
Den Ermittlern gelang es dem Blatt zufolge teilweise, die Strukturen und das Finanzsystem aufzudecken. Danach fließen die Gewinne zu großen Teilen auf Konten in den Niederlanden, nach Großbritannien, Hongkong oder Malaysia. Dort waschen Bandenmitglieder das Geld und transferieren es zurück nach Europa. Wie der „Spiegel“ berichtet, sollen nach Erkenntnissen der Ermittler allein auf fünf Konten von Sapina in Asien in einem Zeitraum von wenigen Wochen bis Januar 2009 Guthaben in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro entdeckt worden sein. Sapinas Anwalt wollte sich zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten auf Anfrage des „Spiegel“ nicht äußern. Ante Sapina und sein Bruder Milan sind wegen Wettbetrugs vorbestraft. Sie waren bereits 2005 in den Fußball-Wettskandal um den damaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer involviert. Die beiden Männer hatten 2004 mehrere Spieler und Schiedsrichter, so auch Hoyzer, bestochen, damit diese Spiele zu ihren Gunsten manipulieren.