11.11.2007 · Die Wettaffäre im Tennis hat das deutsche Davis-Cup-Team erreicht: der Name Philipp Kohlschreiber steht angeblich auf der „Schwarzen Liste“ der unter dem Verdacht der Wettmanipulation stehenden 140 Matches der vergangenen Jahre.
Die Wettaffäre im Tennis hat nun angeblich auch ein Mitglied des deutschen Davis-Cup-Teams erreicht. Der Name Philipp Kohlschreiber soll auf der „Schwarzen Liste“ der unter dem Verdacht der Wettmanipulation stehenden 140 Matches der letzten fünf Jahre erscheinen.
Das berichtet zumindest die „Welt am Sonntag“, die darüber hinaus einen „Buchmacher und intimen Kenner der Tennisszene, der nicht genannt werden will“, zitiert: „Etwa dreißig Profis gehören zum harten Kern der Wettmafia. Es sind immer dieselben, die zocken. Die meisten kommen aus Russland, Italien und Argentinien. Aber auch deutsche Spieler gehören dazu, Philipp Kohlschreiber ist der Schlimmste von ihnen.“
„Unfair und skandalös“
Kohlschreiber stritt alle Anschuldigungen ab: „Ich bin völlig schockiert. Ich finde es extrem unfair und skandalös, wie mein Name und Ruf als Tennisprofi durch so eine Geschichte beschädigt wird. Ich wurde bisher nie angesprochen. Für mich kommt Manipulation nicht in Frage.“ Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen wollte keine Stellungnahme abgeben: „Ich möchte dazu erst mal nichts sagen.“
Dafür möchte der Deutsche Tennis Bund (DTB) etwas hören. DTB-Präsident Georg von Waldenfels kündigte so schnell wie möglich ein Gespräch mit Philipp Kohlschreiber an, was offensichtlich auch im Sinne des Spielers ist.“ Natürlich stehe ich sowohl dem DTB als auch der ATP für alle Fragen und Untersuchungen zur Verfügung. Ich habe absolut nichts zu verbergen und selbst das größte Interesse daran, dass die Sache so schnell wie möglich geklärt wird“, sagte Kohlschreiber. Die „Watch List“ der ATP liegt laut von Waldenfels dem DTB nicht vor: „Ansonsten hätten wir längst alle deutschen Spieler angeschrieben, die darin genannt werden.“
Auffällige Wettverläufe
Der ATP hat der deutsche Verband laut von Waldenfels in einem Brief Unterstützung bei der Aufklärung der Angelegenheit angeboten. 154 Spieler und elf Spielerinnen stehen auf der ominösen Liste, die den Zeitraum von Juli 2002 bis September 2007 umfasst. Elfmal ist der Italiener Filippo Volandri dabei, es folgen die Argentinier Martin Vasallo Arguello (9), Sergio Roitman (8) und Mariano Puerta (7).
Unter anderem wurden auch bei zwei Spielen mit Kohlschreibers Beteiligung auffällige Wettverläufe registriert. Bei seiner Niederlage gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga am 4. Oktober in Metz notierte die Wettbörse Umsätze von 1,5 Millionen Euro. Der Deutsche war als 1,2-Favorit in die Partie gegangen. Obwohl er den ersten Satz gewann, wurde er im weiteren Spielverlauf zum 3,7-Außenseiter zurückgestuft, während sein Gegner hochgewettet wurde.
Bei Kohlschreibers Erstrundenaus gegen den Argentinier Sergio Roitman im Juni in ’s-Hertogenbosch war eine knappe Million Euro auf seine Niederlage gesetzt worden. Kohlschreiber gab beim Stand von 6:2 für Roitman wegen einer Sehnenreizung auf. Bei einigen Wettanbietern muss zumindest ein Satz zu Ende gespielt werden, ansonsten wird die Wette annulliert.
Der Wettmarkt wächst rasant
Am Samstag ist unterdessen der Italiener Alessio di Mauro als erster Spieler wegen der Teilnahme an Wetten bestraft worden. Eine im April begonnene Untersuchung ergab, dass di Mauro, in der Weltrangliste auf Platz 124 notiert, von November 2006 bis Juni 2007 in 120 Fällen unerlaubt auf den Ausgang von Tennisspielen Geld gesetzt hatte. Der italienische Verband sperrte den 31 Jahre alten Profi für neun Monate (Siehe auch: Tennis: Italiener Di Mauro wegen illegaler Wetten gesperrt).
Zudem muss di Mauro, der über ein persönliches Konto im Internet Wetten auf Spiele der ATP Tour, allerdings nicht auf eigene Matches plaziert haben soll, 40.000 Euro Strafe zahlen. Nach Angaben von di Mauros Trainer Fabio Rizzo habe sein Spieler stets nur Beträge von 15 bis 20 Euro verwettet; insgesamt 6000 bis 7000 Euro „aus Ignoranz und Naivität“. Unsaubere Geschäfte allerdings lohnen sich offenbar immer mehr, denn der Wettmarkt wächst rasant. Allein bei den US Open wurden weltweit eine Milliarde Euro umgesetzt, 50 Prozent mehr als im Vorjahr.