24.08.2010 · Die Kauflust der Superreichen wird immer größer. Eine neue Sportwelt ist entstanden - mit spendablen Sugar Daddys, eitlen Milliardären, die auf populärem Feld um Schlagzeilen heischen, und schillernden Finanziers. Doch es gibt auch Widerstand.
Von Michael AshelmEs ist wieder ein Sommer der Kauflust. Erst erwirbt ein Mitglied der Herrscherfamilie des kleinen Emirats Qatar den spanischen Fußball-Erstligaklub FC Malaga für 25 Millionen Euro. Dann vermeldet der niederländische Ehrendivisionär Vitesse Arnheim, fortan einem reichen Georgier zu gehören. „In drei Jahren sind wir holländischer Meister“, verspricht der Eigner, hinter dem, so vermuten nun Beobachter, Roman Abramowitsch als eigentlicher Neubesitzer stehen könnte.
Der Russe, in der Forbes-Liste der reichsten Menschen mit einem Vermögen von angeblich mehr als elf Milliarden Dollar derzeit auf Platz 15, symbolisiert als Eigentümer des FC Chelsea auf eindrucksvolle Weise einen Trend im globalen Sport, in dem nicht mehr nur Verbände und Vereine und eine alte Traditionskultur Einfluss haben. Eine neue Sportwelt ist entstanden - mit spendablen Sugar Daddys, eitlen Milliardären, die auf populärem Feld um Schlagzeilen heischen, und schillernden Finanziers.
„Sport als Teil der Unterhaltungsindustrie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Noch mehr gilt dies für den Fußball. Von dieser neuen Kraft fühlen sich viele Menschen angezogen. Auch die Superreichen, die sich den Glamour des Sports und die Aufmerksamkeit mit spektakulären Beteiligungen kaufen. Das jeweilige Ego ist bei solchen Deals nicht zu unterschätzen“, sagt Philipp Grothe. Der Mitbegründer der Vermarktungsagentur Kentaro mit Hauptsitz in London erhält schon mal Anfragen aus sehr wohlhabenden Kreisen, die Übernahme eines Fußballklubs zu vermitteln. Derweil reißen die Spekulationen um den FC Liverpool nicht ab, dessen amerikanische Besitzer verkaufen wollen. Es geht um mehrere hundert Millionen Pfund.
Qatar, China, Indien, Russland
Schon immer hat der Sport diese anziehende Wirkung gehabt auf Menschen mit viel Geld. In England unterhielten einst Adlige und gutbetuchte Gentlemen zum Zeitvertreib eigene Sportteams und ließen diese gegeneinander antreten. Auf den Sieg wurde gewettet. Das war im 19. Jahrhundert und der Start ins Profitum. Der America's Cup, die älteste Sporttrophäe der Welt, lebt seit jeher vom Segel-Enthusiasmus äußerst vermögender Privatleute. Doch es gibt heute eine neue Dimension der Leidenschaft. Mehr als eine halbe Milliarde Dollar hat der Amerikaner Larry Ellison in den America's Cup gesteckt, bis er im vergangenen Februar nach zwei vergeblichen Anläufen endlich die begehrte Silberkanne als Sieger hochhalten konnte. Der 66-Jährige ist Gründer des Software-Konzerns Oracle und Nummer sechs in der globalen Vermögensrangliste.
Der Wirtschaftsboom in Schwellenländern wie China, Indien oder Russland und die Rohstoff-Reichtümer in der Golf-Region führen auch zu den neuen sportlichen Begehrlichkeiten. Ein findiger Sportmanager in Indien erkannte den Bedarf der konsumfreudigen Luxus-Klientel und gründete nach dem Vorbild der amerikanischen NBA im Basketball eine mit Weltstars gespickte Cricket-Liga. Milliardäre wie Vijay Mallya, dem auch ein Formel-1-Rennstall gehört, ersteigerten sich die Teams.
Der Emir von Qatar ließ für die Asien-Spiele 2006 die besten Sportstätten der Welt in den Wüstensand setzen und will jetzt die Fußball-WM organisieren. Dafür sollen gegen die unerträgliche Sommerhitze unterirdische, vollklimatisierte Stadien gebaut werden. Gerade am Persischen Golf sind für jene, die es sich leisten können, Besitztümer im Sport die neuen Statussymbole. Mit jahrelangem Geldeinsatz und enormem Ehrgeiz sorgte der Regent von Dubai für eine Neuordnung in der internationalen Galoppszene. Er schuf mit „Godolphin“ nicht nur den luxuriösesten und erfolgreichsten Reit-Rennstall, sondern zugleich das am höchsten dotierte Galopprennen der Welt.
Abramowitsch soll eine Milliarde Euro bei Chelsea investiert haben
Der Russe Abramowitsch soll bisher in den sieben Jahren als Besitzer des FC Chelsea annähernd eine Milliarde Euro in seine liebste Nebenbeschäftigung gesteckt haben. Der Vermarkter Grothe spricht von einer „alternativen Finanzierungsmethode“ aus Sicht des Sports. In Deutschland verhindert ein Verbandsparagraph den Einstieg der Superreichen in den Fußball. Demnach müssen sich die Kapitalgesellschaften in der Bundesliga im Mehrheitsbesitz der Mitgliedervereine befinden.
Die Bewahrer sehen damit die alten Fußball-Traditionen geschützt, Kritiker glauben dagegen, die Klubs würden durch diese Regel ihrer wahren Finanzkraft beraubt werden. Das Engagement eines Dietmar Hopp in Hoffenheim ist so nur über Umwege möglich. Der heimatverbundene Milliardär engagiert auf den Sport bezogen im Fußball, Handball und Eishockey. „Ich will der Region etwas zurückgeben“, sagt Hopp.
Im Mutterland des Kapitalismus haben solche hehren Ziele wenig Bedeutung. In den Vereinigten Staaten bedeutet Sport einfach nur Geschäft. Seit Jahrzehnten schon treten die Reichsten des Landes nebenbei als Besitzer im Profisport auf. Ihre Investitionen sind meist knallhart kalkuliert und sollen Renditen abwerfen. Legendären Status hat hier der Ölmilliardär Jerry Jones, der 1989 den völlig abgewirtschafteten Football-Klub Dallas Cowboys kaufte und ihn in eine der profitabelsten Sportmarken der Welt verwandelte. Woanders stößt solch Profitstreben im Sport auf Ablehnung. Eine mächtige Fan-Gruppierung will die amerikanische Milliardärsfamilie Glazer als Eigentümer des englischen Fußballklubs Manchester United verjagen.
Kapitalbedarf der deutschen Vereine?
Michael Meier (never1)
- 23.08.2010, 20:46 Uhr
Auflauf der Pfingstochsen
Thomas Reiber (t.reiber)
- 24.08.2010, 00:32 Uhr
@ Thomas Reiber
Karo Einfach (KaEi)
- 24.08.2010, 01:09 Uhr
Pfingstochsen ...
Renate Babiel (Fanila)
- 24.08.2010, 01:16 Uhr
@Renate Babiel (Fanila)
Harald Kiri (haraldkiri)
- 24.08.2010, 13:00 Uhr