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Veröffentlicht: 13.02.2013, 12:08 Uhr

Weltweite Empörung der Ringer „Die Herren des IOC töten den Olympischen Geist“

Die internationale Ringerszene ist vereint in ihrer Wut über die Entscheidung, Ringen aus dem olympischen Programm zu nehmen. IOC-Präsident Rogge reagiert gelassen auf die Vorwürfe.

© dpa Erinnerung an die olympische Hymne: „..... Beim Laufen, Ringen und beim Weitwurf“

Mit großer Gelassenheit hat IOC-Präsident Jacques Rogge auf die weltweite Kritik über den drohenden Olympia-Ausschluss des Traditionssports Ringen reagiert. „Wir sind uns der heftigen Reaktionen bewusst. Wir wussten, dass wir Kritik einstecken müssen, egal, welche Sportart es erwischt“, sagte der belgische Boss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Mittwoch in Lausanne.

Er bestätigte, mit dem Präsidenten des Internationalen Ringer-Verbandes (FILA), Raphaël Martinetti, bereits Kontakt aufgenommen zu haben. „Wir haben vereinbart, dass wir uns zeitnah austauschen. Ich muss sagen, FILA hat sehr gut auf diese schwere Entscheidung reagiert“, sagte Rogge weiter. „Sie haben versprochen, ihren Sport weiterzuentwickeln und zu kämpfen, um im Programm für 2020 bleiben zu können.“

Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Wut hatte zuvor die weltweite Ringerszene auf das angekündigte Olympia-Aus ihrer Sportart reagiert. Die IOC-Exekutive hatte am Dienstag in Lausanne die Empfehlung beschlossen, Ringen ab 2020 den Olympia-Status abzuerkennen. Die Entscheidung muss allerdings von der IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires noch bestätigt werden.

Die Ringernation Russland hat offiziell  protestiert. Die Entscheidung der IOC-Exekutive sei „unverständlich“, sagte Sportminister Witali Mutko in Moskau und forderte eine Erklärung vom IOC. Er hoffe, dass am Ende die „Vernunft“ siege und Ringen den Status behalte. Als „absurd“ kritisierte der Präsident der Kampfsport-Vereinigung Russlands FSBR, Michail Mamiaschwili, die Pläne, im olympischen Kanon künftig auf die Traditionssportart zu verzichten.

Verschwörungstheorien und Unterschriftenaktion

„Für Russland war Ringen eine der wichtigsten Quellen seines sportlichen Nationalstolzes seit Sowjetzeiten“, schrieb die Zeitung „Kommersant“. Zuletzt war Russland bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 beste Mannschaft geworden. Sie gewann elf Medaillen, darunter viermal Gold.

Auch andere frühere Sowjetrepubliken wie Aserbaidschan, Georgien und Kasachstan fürchten um den olympischen Status des Ringens. Vor einen „historischen Fehler“ warnte der aserbaidschanische Olympiasieger Farid Mansurow in dem Internetportal azerisport.com.

„Ich bin kein Fan von Verschwörungstheorien, aber mir scheint, dass die wahren Gründe für diese Entscheidung offensichtlich sind“, erklärte Russlands Ringer-Legende Alexander Karelin. Der dreimalige Olympiasieger vermutet die Überlegenheit Russlands und der ehemaligen Sowjetunion, die bisher 77 olympische Goldmedaillen im Ringen gesammelt haben, sei ausschlaggebend gewesen, die Sportart auszusortieren.

Iran legt Protest ein

Auch der Iran will gegen das wahrscheinliche Olympia-Aus für die Ringer Protest einlegen. „Diese Entscheidung der IOC-Exekutive ist zweifellos ein großer Verlust für den Sport im Iran, und wir werden daher dagegen protestieren“, sagte Mohammad Ali-Abadi, Präsident des iranischen Olympischen Komitees, der Nachrichtenagentur Mehr am Mittwoch. Ringen ist nach Fußball die populärste Sportart im Iran und neben Gewichtheben ein Garant für olympische Medaillen.

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In den Vereinigten Staaten wurde nur Minuten nach Bekanntwerden der IOC-Entscheidung eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der das Weiße Haus aufgefordert werden soll, sich für Ringen einzusetzen. Auch das Präsidium des internationalen Verbandes (FILA) will sich wehren und eine globale Strategie ausarbeiten, die bis zur IOC-Vollversammlung greifen soll.

Umbennung in „Business Games“

„Die Herren des IOC töten den Olympischen Geist“, sagte der Präsident des griechischen Ringer-Verbandes, Kostas Thanos, am Mittwoch im griechischen Fernsehen. Die Führung des IOC habe mittlerweile so wenig mit dem Olympischen Geist zu tun, dass sie den Text der eigenen Olympischen Hymne ignoriere. Dort heiße es im zweiten Vers: „..... Beim Laufen, Ringen und beim Weitwurf“, sagte Thanos.

Sollte Ringen abgeschafft werden, dann sollten sie nicht mehr Olympische Spiele heißen, sondern in Olympische „Business Games“ umbenannt werden, hieß es.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

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