21.07.2009 · Freiwasserschwimmer Thomas Lurz hat seinen Titel über fünf Kilometer bei der WM erfolgreich verteidigt und dem Deutschen Schwimm-Verband die erste Medaille beschert. Im Schlussspurt schlug Lurz einen alten Bekannten.
Wieder der Grieche. Wieder Spyridon Gianniotis. Nur ein einziger Gegner war übrig geblieben im Endspurt des Fünf-Kilometer-Rennens der Langstreckenschwimmer bei den Weltmeisterschaften in Rom, und der war für Thomas Lurz alles andere als ein Unbekannter. Bei der olympischen Premiere der Freiwasserschwimmer in Peking im vergangenen Sommer hatte sich Lurz auch schon kurz vor dem Ziel mit dem Griechen beharkt, und das so intensiv, dass am Ende die Kraft nicht mehr reichte für das durchaus mögliche Olympia-Gold. Lurz wurde damals Dritter, was seine Freude über die gewonnene Medaille freilich kaum schmälerte.
Diesmal aber wollte er mehr, diesmal wollte Thomas Lurz WM-Gold, und diesmal schaffte er es auch - wenngleich um Haaresbreite: In 56:26,9 Minuten verwies der Würzburger am Dienstag Spyridon Gianniotis mit drei Zehntelsekunden Vorsprung auf Rang zwei und wurde zum fünften Mal nacheinander Weltmeister über fünf Kilometer.
Fünf mal fünf, diese Erfolgsformel rief auch bei der Führung des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) gewaltige Erleichterung hervor - schließlich war das Gold im Freiwasser die erste WM-Medaille für die Deutschen überhaupt, nach vier Wettkampftagen ohne Podiumsplatz. „Jetzt ist der Bann gebrochen“, sagte Sportdirektor Lutz Buschkow. „Das wird unserer Mannschaft einen Kick geben.“ Und auch DSV-Präsidentin Christa Thiel setzte schon mal auf den Nachahmungseffekt: „Das macht uns Mut, jetzt sind wir in der Spur“, sagte sie. „Auf Thomas ist eben Verlass.“
Tatsächlich ist der 29 Jahre alte Diplom-Sozialpädagoge, der zurzeit der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört, einer der zuverlässigsten Wettkämpfer im DSV-Team. Der Sieg über fünf Kilometer war für den von seinem Bruder Stefan trainierten Lurz schon der siebte Weltmeistertitel. Dabei ließ er sich auch durch die Turbulenzen vor dem Start nicht aus dem Konzept bringen. So war das Rennen wegen Sturmschäden am Strand von Ostia erst von Sonntag auf Dienstag verlegt und dann auch noch aus dem Wasser gestartet worden, da das Unwetter den Startsteg zerstört hatte. Am Tag des Rennens aber herrschten dann bei strahlendem Sonnenschein perfekte Bedingungen.
Die Chancen auf einen zweiten Streich stehen gut
Die konnte nicht jeder im deutschen Team für sich nutzen. Der zweite DSV-Teilnehmer, Lurz' Würzburger Mannschaftskollege Jan Wolfgarten, im vergangenen Jahr immerhin EM-Zweiter, landete mit 57:31,7 Minuten nur auf Rang 21. Mit einer Enttäuschung endete auch das Fünf-Kilometer-Rennen der Frauen. Die Medaillenkandidatin Britta Kamrau-Corestein kam in 58:09,0 Minuten nur auf Platz 19, die Mainzerin Nadine Pastor klassierte sich in 57:47,8 Minuten immerhin noch sechs Plätze davor. „Das ist beschämend“, sagte Britta Kamrau-Corestein ohne Umschweife. „Es gibt keine Entschuldigung für diese Leistung. Es ist nicht so, dass ich mich nicht angestrengt hätte, aber ich bin immer mehr festgelaufen.“ Dabei hätte sich die 30 Jahre alte Rostockerin bei der WM gerne für die verpasste Olympia-Qualifikation im Vorjahr revanchiert. Doch beim Sieg der Australierin Melissa Gorman (56:55,8) war sie chancenlos.
Thomas Lurz dagegen kann nun sogar einen Doppelschlag landen: An diesem Mittwoch startet er neben dem Wiesbadener Christian Reichert auch über die zehn Kilometer. Deshalb wollte er sich am Dienstag gar nicht groß mit Feiern aufhalten. „Jetzt muss ich schnell regenerieren“, sagte er nur kurz und knapp. Schließlich stehen die Chancen für einen zweiten Streich alles andere als schlecht: Die beiden Konkurrenten, die Lurz in Peking schlugen, sind bei der WM in Rom nicht am Start - Olympiasieger Maarten van der Wejden hat seine Karriere beendet, und der Olympia-Zweite David Davies hat sich für die Beckenwettbewerbe entschieden.