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Wellenreiten : Marlons Brandung

Marlon Lipke in der „Tube” vor Tahiti Bild: ASP/picture-alliance / DPPI

Der erste Deutsche in der Champions League der Surfer kommt aus Portugal. Marlon Lipke hat es geschafft. Er kämpft auf der World Tour gegen Superstars wie Kelly Slater. Im Interview spricht er über das Paradies auf Erden und seine Kindheit am Strand.

          Wohin heute? Wenn in Dago Lipkes Surfcamp in Lagos an der portugiesischen Küste am Morgen die Frage gestellt wird, stehen zwanzig Strände zur Wahl, einer schöner als der andere. Wohin fahren die Jeeps heute? Es kommt auf den Wind an, das Wetter. "Praia da Cordoama", sagt Justin, der Surflehrer, das ist das Ziel für heute. Neoprenanzüge und Boards werden gepackt, Pausenbrote geschmiert, Sonnenbrillen gesucht, Dann eine halbe Stunde Fahrt, rauf aufs Brett und mit den Wellen kämpfen, um irgendwann in ferner Zukunft vielleicht mal mit ihnen spielen zu können.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Die Jeeps sind weg, das Camp ist leer. Nur Marlon Lipke, Dagos Sohn, ist noch da. Er wird nachkommen, es sind noch ein paar Dinge zu erledigen: mit der Deutschen Bank in Frankfurt telefonieren, einem seiner Sponsoren, Dienstreisen planen, Flüge buchen, nächste Woche geht es auf die Malediven, danach Brasilien, dann Südafrika, später im Jahr Hawaii. Marlon Lipke ist Surfprofi, im vergangenen Jahr hat er als erster Deutscher den Aufstieg in die ASP World Tour geschafft, in den elitären Kreis der 45 weltbesten Surfer, die Liga der Stars.

          Lipke ist der einzige Deutsche und einer von nur sieben Europäern, die sich in der Champions League der Surfer mit Legenden wie Kelly Slater oder Mick Fanning messen dürfen. Die ersten Stationen liegen hinter ihm: Australien, Tahiti, jetzt ein kurzer Stopp an der Algarve, dann geht es über Madrid und Zürich auf die Malediven. Marlon Lipke, 25 Jahre alt, ist neun Monate im Jahr unterwegs - von einem traumhaften Ort zum nächsten.

          Vater Dago macht den kleinen Marlon mit dem Surfbrett bekannt
          Vater Dago macht den kleinen Marlon mit dem Surfbrett bekannt : Bild: Lipke

          Wo ist es denn nun, das Paradies auf Erden?

          Es gibt viele wunderschöne Plätze, aber einen allerschönsten gibt es nicht. Ich liebe das Reisen. Ich kann nicht sehr lange irgendwo bleiben. Zwei Wochen - dann sehe ich gern wieder etwas anderes. In Europa ist das einfach, da fährst du ein paar Stunden und bist in einer anderen Kultur. Ich liebe das Neue, ob es nun Tahiti ist oder Norwegen.

          Ist das typisch für Surfer?

          Surfer sind sehr offen, probieren gern neue Sachen, integrieren sich schnell in verschiedene Kulturen. Sie sind nicht die Art von Menschen, die überall auf der Welt das Gleiche suchen und den Sinn des Reisens nicht verstehen. Wir lernen vom Reisen.

          Ist es ein Traumleben, das Sie führen?

          Schon, aber man gewöhnt sich an das, was man hat. Und es ist auch anstrengend: die vielen Reisen, manchmal zwei Tage im Flugzeug . . . Aber natürlich: Es ist das Beste, was ich machen kann.

          Marlon Lipke ist wie sein drei Jahre jüngerer Bruder Melvin in Lissabon geboren. Dago, der Vater, der nächstes Jahr 60 wird, und Conny, die Mutter, waren vier Jahre zuvor aus Hamburg nach Portugal ausgewandert. Er liebe Hamburg noch immer, sagt Dago, sie seien damals nicht im Groll gegangen, sondern um Neues zu erleben, Aufregendes, um aus dem Trott, der Routine herauszukommen. Sie kauften westlich von Lagos eine Ruine und begannen sie aufzubauen. Dort verbrachten Marlon und sein Bruder die ersten Lebensjahre, ohne Strom, ohne fließendes Wasser, nahe am Strand.

          Wie war das, diese Kindheit am Meer?

          Es hat Spaß gemacht. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich im Meer war, ohne Neoprenanzug, das Wasser so kalt, dass mir die Zähne klapperten, als ich rauskam. Und wie ich verzweifelt versucht habe, mit dem Zähneklappern aufzuhören, weil meine Mutter sonst gesagt hätte: Du darfst nicht wieder rein! Es war superkalt, ich habe gezittert, die Zähne haben geklappert, aber das hat mir nichts ausgemacht. Ich wollte zurück ins Wasser. Das ist noch heute so. Wenn die Wellen gut sind, ist das Wetter egal.

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