Hagen Stamm, die Wasserball-Ikone der achtziger Jahre, ist heute Bundestrainer der deutschen Wasserball-Nationalmannschaft und Präsident der Sportfreunde Spandau. An diesem Mittwoch (20 Uhr) steht das erste Finalspiel um die deutsche Meisterschaft zwischen Rekordmeister Spandau und Duisburg an. Nationalteam und Spandau sind bei Stamms Familiensache: Nationalspieler Marko Stamm ist der Sohn des Trainers, der Weltklassespieler Marc Politze ist verheiratet mit der Tochter Stamms.
Brauchen die Wasserfreunde Spandau fünf Spiele, um in den Finals gegen Duisburg wieder Meister zu werden?
Spandau ist aufgrund seiner Nationalspieler natürlich Favorit. Aber Duisburg hat bewiesen, dass sie dagegen halten können. Die Frage wird sein: Wie ernsthaft wird Spandau seine Leistung rüberbringen können gegen eine Mannschaft, die mit großem jugendlichen Elan spielt? Spandau hat national lange keine Mannschaft mehr gehabt, von der sie gefordert wurden.
Können Sie sich erinnern, wann Spandau zum letzten Mal mit Nervosität oder Anspannung in die Finals gegangen ist?
Nein, das ist ja das Problem unserer Liga. Die anderen Teams schaffen es nicht, Spandau nervös zu machen.
In den Halbfinals hat Spandau eine Partie gegen Würzburg 29:3 gewonnen, die letzte 26:6. Wie wertvoll kann da eine Meisterschaft überhaupt noch sein?
Die Meisterschaft ist wertvoll, weil sie die Qualifikation für die Champions League bedeutet, in der nur eine deutsche Mannschaft vertreten sein wird. Und wir hören in Spandau ja auch nicht auf, Titel zu zählen. Die andere Frage aber ist, ob die Medien- und die Publikumswirksamkeit bei solchen Ergebnissen nicht leidet. Da habe ich schon meine Bedenken. Ich halte es für unverantwortlich, dass die Würzburger zu Spiel zwei und drei ohne fünf Stammspieler angereist sind, weil die irgendwelche persönlichen Verpflichtungen hatten. Man muss sehen, dass man für unsere Sportart sorgt. Es ist nicht würdig, in einem Halbfinale so unterzugehen.
In den vergangenen 19 Jahren ist Spandau nur zweimal nicht deutscher Meister geworden . . .
. . . es ist noch extremer: zweimal seit 1979.
Sehen Sie nach 30 deutschen Meisterschaften in absehbarer Zukunft eine Mannschaft, die für Spandau national mal zu einem ernsthaften Konkurrenten werden kann?
Es waren immer mal wieder Mannschaften auf einem guten Weg. Wir mussten früher Würzburg vom Thron stoßen, dann gab es Rote Erde Hamm, Hohenlimburg, Hannover und Cannstatt, alles Vereine, die annähernd auf der gleichen Stufe standen und Spandau ärgern konnten. Jetzt gibt es Duisburg. Das Problem aber ist die Konstanz, Spandau ist in dieser Beziehung überwältigend über die letzten dreißig Jahre. Duisburg jedoch ist auf einem sehr guten Weg.
Was können Sie aus dieser Saison als Bundestrainer für die Weltmeisterschaft im Juli ableiten?
Meine Mannschaft wird sich zu 100 Prozent aus Spandau und Duisburg zusammensetzen. Durch die diversen Weltligaspiele, die in der Bundesliga immer mal wieder eine kurze Pause verursachen, hatte ich die Möglichkeit, meine Spieler auch auf internationalem Niveau zu testen. Wir haben dabei in dieser Saison herausragende Ergebnisse erzielt, die uns keiner zugetraut hat. Wir haben in Serbien beim Weltmeister gewonnen und in Spanien beim WM-Zweiten. Bei der WM muss man uns muss erst mal schlagen. Mit Willen und Kampfgeist können wir zwanzig bis dreißig Prozent Defizit ausgleichen. In einzelnen Spielen können wir auch die absoluten Topteams überraschen. In unserer Gruppe haben wir Chancen auf Platz zwei, und dann ginge es gegen den dritten der anderen Gruppe, wahrscheinlich Brasilien, da wären wir bei einem Sieg schon unter den besten acht Teams. Das wäre die Pflicht – und warum sollen dann nicht Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen? Das ist für uns in diesem Jahr schon zweimal passiert.
Sie sind mit ihrer Familie für einen Gutteil des Erfolgs im deutschen Wasserball zuständig. Gibt es bei Ihnen Familienfeste, bei denen Wasserball mal kein Thema ist?
Wir nehmen schon Rücksicht auf die anderen, und wir haben auch genug Themen, über die wir sprechen können. Aber wer hat schon das große Glück als Vater mit seinem Sohn und seinem Schwiegersohn Olympia machen zu dürfen oder jetzt eine WM in Schanghai. Da würden sich viele meiner Mannschaftskameraden von früher den Finger abhacken, um so etwas erleben. Wir sind wasserballverrückt, aber Wasserball ist in unserer Familie nicht immer dominant.
Kommt da vielleicht aus Ihrer Familie was nach, was auch dem Wasserball in Deutschland Hoffnung machen könnte?
Das ist momentan gerade unser liebstes Thema. Ich bin ja vor gut zwei Jahren Opa geworden, und die Enkeltochter, die mir meine Tochter und Mark geschenkt haben, ist wasserverrückt. Aber ich glaube, das wird nichts für den Wasserball. Meine Frau wird sich da als Schwimmtrainerin durchsetzen.