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Washington Redskins : Zwischen Tradition und Rassismus

  • -Aktualisiert am

Protest gegen sprachlichen Rassismus: Ray Halbritter, Repräsentant der Oneida Bild: AP

In den Vereinigten Staaten wehren sich Indianer gegen fragwürdige Bezeichnungen von Profiklubs. Im Fall der Washington Redskins haben sie sogar den Präsidenten auf ihrer Seite.

          Es hat ein paar Jahre gedauert, bis die Kolumnistin der auflagenstärksten Zeitung Amerikas eine eindeutige Haltung zu dem Thema entwickelt hatte. Nämlich: „wie rassistisch“ der Vereinsname eines der ältesten Profifootballklubs des Landes auf Millionen von Landsleute wirkt. Im September war sie sich dann endgültig im Klaren darüber und teilte ihren Lesern mit, dass sie das Wort „Redskins“ in ihrer Berichterstattung nicht mehr benutzen werde.

          Christine Brennan von „USA Today“ schloss sich damit einer kleinen Gruppe namhafter Sportjournalisten an, die beschlossen haben, mit einem ungewöhnlichen Buchstaben-Boykott auf ein heikles Thema aufmerksam zu machen: die Verwendung von Symbolbegriffen im Mannschaftssport mit fragwürdigem Beigeschmack.

          Ziel der Kritik ist derzeit vor allem ein Klub: die Washington Redskins. Sie wurden Anfang der dreißiger Jahre in Boston gegründet und zogen 1937 in die Hauptstadt um. Sportlich sind die „Rothäute“ seit Jahren nur Mittelmaß in der National Football League (NFL). Doch ihre Anhänger sind höchst loyal. Seit der Geschäftsmann Daniel Snyder 1999 mit Hilfe enormer Darlehen den Traditionsklub für 800 Millionen Dollar erwarb, sind die Redskins das profitabelste Team der Liga. In guten Jahren liegt der Gewinn nach Angaben des Magazins „Forbes“ bei 100 Millionen Dollar. Der Marktwert des Klubs beträgt mehr als anderthalb Milliarden Dollar, was im internationalen Vergleich Platz fünf der wirtschaftlich wertvollsten Teams bedeutet. Spitzenreiter dieser Liste sind die Fußballvereine Manchester United und Real Madrid.

          Besitzer bleibt standhaft

          Ebenso ungebrochen wie die Treue der Redskins-Fans zu ihrem Team, dessen Emblem aus dem Profil eines roten Indianerkopfs mit zwei Federn im Haar besteht, ist die Macht ihres Besitzers. Snyder verklagte schon Journalisten, die ihn für die sportliche Misere verantwortlich machten, und ließ Zuschauer aus dem Stadion werfen, die kritische Plakate ausrollten. Der oft verspottete Unternehmer gibt sich standhaft. Im Mai sagte er mit Hinweis auf die Tradition des Klubs: „Wir werden niemals den Namen des Teams ändern. Es ist ganz einfach. Niemals. Das können Sie in Großbuchstaben schreiben.“

          Spiel mit den Empfindlichkeiten: im August gab Zena „Chief Z“ Williams als inoffizielles Maskottchen der Washington Redskins noch Autogramme
          Spiel mit den Empfindlichkeiten: im August gab Zena „Chief Z“ Williams als inoffizielles Maskottchen der Washington Redskins noch Autogramme : Bild: AP

          Das hat die Kontroverse nicht beendet. Im Gegenteil. Vor kurzem ließ sogar Präsident Barack Obama seine Haltung erkennen. Er würde zumindest über eine Namensänderung nachdenken, sagte er in einem Interview. Dazu wären die Redskins ohnehin gezwungen, sollten sie einen Prozess verlieren, den Amanda Blackhorse angestrengt hat. Die Angehörige des Stammes der Navajo aus Phoenix pocht auf das amerikanische Markenrecht, das den offiziellen Schutz von Warenzeichen untersagt, die Menschen herabwürdigen oder in einen schlechten Ruf rücken.

          Debatten seit den sechziger Jahren

          Während Amanda Blackhorse am liebsten alle Anspielungen auf die Geschichte der Ureinwohner im amerikanischen Sport tilgen würde – so treten in der NFL etwa die Kansas City Chiefs an und in der höchsten Baseball-Liga die Cleveland Indians –, interessiert sich die Öffentlichkeit hauptsächlich für die Situation in Washington. Dort hatte 1997 schon einmal ein Klub seinen Namen geändert: die Washington Bullets, die in der National Basketball Association spielen. Ihr Eigentümer Abe Pollin wollte auf dem Höhepunkt einer massiven Verbrechenswelle mit jährlich Hunderten von Morden nicht länger mit dem Begriff „Bullets“ in Verbindung gebracht werden, der auf Deutsch Gewehr- oder Pistolenkugeln bedeutet. Die Mannschaft wurde in Wizards umgetauft.

          Protest gegen die Namensgebung
          Protest gegen die Namensgebung : Bild: USA Today Sports

          Über den sprachlichen Umgang mit den Indianern entbrennen seit den sechziger Jahren immer wieder Debatten. Sie haben dazu geführt, dass in vielen Fällen – vor allem an Schulen und Hochschulen – alte Namen verändert wurden. Die Stanford University in Kalifornien etwa wechselte schon 1972 bei ihren Mannschaften offiziell von „Indian“ zu „Cardinal“. Die Jesuiten-Universität Marquette in Milwaukee verzichtete 1994 auf das Wort „Warriors“ und das dazugehörige Logo mit einem stilisierten Indianerkopf. Man nennt sich seither „Golden Eagles“. 1996 folgte die Universität von Miami und stieg von „Redskins“ auf „Redhawks“ um.

          Umfrageergebnisse unter Indianern in der Hauptstadt und im Umland zeigen, dass deren langjährige Toleranz gegenüber der Verwendung des Begriffs nachlässt. Nach einer Studie, die am Mittwoch veröffentlicht und von der Oneida Indian Nation in Auftrag gegeben wurde, haben mehr als die Hälfte der Befragten Verständnis dafür, wenn sich die Nachkommen der Ureinwohner Amerikas beleidigt fühlen. Zumindest eins haben die Oneida schon erreicht: Die Kontroverse wird von der Liga so ernst genommen, dass es im November ein Gespräch mit Vertretern des Stamms geben wird.

          Quelle: F.A.Z.

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