16.12.2006 · Der deutsche Sport blickt auf ein herausragendes Jahr 2006 zurück. Medaillenregen bei den Olympischen Spielen in Turin, die begeisternde Fußball-WM hierzulande, Weltreiterspiele und Hockey-WM sind nur ein Auszug. Die Auswahl fällt schwer.
Die Spannung steigt vor der 60. Sportlerwahl am Sonntag in Baden-Baden. Ein traumhaftes Sportjahr 2006 erlebt im Kurhaus ein festliches Finale (21.45 Uhr, ZDF). Es begann bei Olympia in Turin mit einem Wintermärchen: Mit elf Goldmedaillen war Deutschland zum dritten Mal seit der Vereinigung (1992, 1998) die Nummer eins bei Winterspielen. Hundert Tage später begann dann bei der Fußball-WM ein Sommermärchen, das Deutschland verzauberte, sein Bild in der Welt positiv veränderte. Italien eroberte im Finale gegen Frankreich den Titel, die deutsche Elf auf dem Weg zu Rang drei die Herzen von Millionen.
Folgerichtig sind die Stars der beiden Großereignisse Favoriten der Wahl - zumindest in zwei von drei Fällen. Der dreimalige Biathlon-Olympiasieger Michael Greis, der am Donnerstag im Weltcup noch schnell den ersten Sieg seit Turin feierte, gilt als Nachfolger von Kombinierer Ronny Ackermann, die Fußball-Nationalelf mit Trainer Joachim Löw wird dort erwartet, wo 2005 das Basketball-Nationalteam stand - und die Hockey-Weltmeister gern stehen würden. Nur bei den Frauen könnte Schwimmerin Britta Steffen nach ihren vier EM-Titeln und drei Weltrekorden verhindern, daß der Pokal im Biathlon-Lager von Uschi Disl zu (Gold-)Kati Wilhelm wandert.
Das Sportjahr 2006 aus deutscher Sicht
FUSSBALL: Jürgen Klinsmanns Team machte schnell deutlich, daß die Ankündigung des Trainers vom Amtsantritt am 29. Juli 2004 („Wir wollen Weltmeister werden“) keine hohle Phrase war. Nach Siegen über Costa Rica (4:2), Polen (1:0), Ecuador (3:0) und Schweden (2: 0) stand die mit Angriffsfußball begeisternde Elf nach dem 4:2 im Elfmeterschießen gegen Argentinien im Halbfinale. Dort fand der deutsche Traum ein Ende beim 0:2 gegen Italien, das dann im Finale Frankreich im Elfmeterschießen 5:3 besiegte. Fünf Treffer brachten Miroslav Klose die Torjägerkrone. Der groß gefeierte Jürgen Klinsmann machte 31 Tage später als Bundestrainer seinem Assistenten Joachim Löw Platz.
Die WM-Organisation unter Präsident Franz Beckenbauer, der es schaffte, zwischen den 46 persönlich besuchten Spielen noch zu heiraten, erhielt Lob aus aller Welt. Auch für das nahezu perfekte Sicherheitskonzept. Zuvor hatte der FC Bayern München den 13. Pokalsieg und den 20. Meistertitel eingefahren.
WINTER-OLYMPIA: Erster deutscher Sieger in Turin war der erneut bis 2010 zum Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählte Thomas Bach. Dann holten die Sportler in 84 Entscheidungen elfmal Gold (29 Medaillen) vor den Vereinigten Staaten, dem überraschend starken Österreich (je 9) und Rußland (8). Eine „Bank“ waren mit ihrer Rekordbilanz von fünf Siegen die Biathleten um Michael Greis, Sven Fischer und Kati Wilhelm, die später wie Langläufer Tobias Angerer den Gesamt-Weltcup gewann.
Die Bobfahrer feierten Dreifach-Gold durch Doppelsieger Andre Lange und das Damen-Duo Sandra Kiriasis/Anja Schneiderheinze. Die Eisschnellläuferinnen gewannen den neuen Team-Wettbewerb (aber erstmals seit 1976 keine Einzelstrecke), die Kombinierer trumpften wie selten zuvor auf (Gold, Silber, Bronze für Georg Hettich), die Rodler wie gewohnt durch Sylke Otto (Gold) und vier Medaillen, wenn auch erstmals seit 1964 ohne eine im Männer-Einzel.
SOMMER: Reiter und Hockeyspieler erlebten ihr ganz spezielles Sommermärchen. In Aachen gab es in der Dressur das neunte deutsche WM-Teamgold in Serie, dazu gewann Isabell Werth im Einzel. Auch die Vielseitigkeits-Equipe stand ganz oben. In Mönchengladbach jubelten die Hockeyherren nach dramatischem Finalverlauf über das 4:3 gegen Australien.
Die Leichtathleten überraschten bei der EM in Göteborg positiv, sensationell siegten Jan Fitschen über 10.000 m und Ulrike Maisch beim Marathon, Gold gab es auch für Ralf Bartels (Kugel) und Steffi Nerius (Speer). Im Schwimmen war nicht nur Britta Steffen eine Bank, je zwei WM-Titel holten Janine Pietsch auf der Kurzbahn und Thomas Lurz auf der Langstrecke. Der Deutschland-Achter wurde endlich wieder Ruder-Weltmeister Triathlet Norman Stadler siegte zum zweiten Mal beim Ironman auf Hawaii.
Jan Ullrich gewann zwar die Tour de Suisse, doch einen Tag vor dem Start der Tour de France nahm ihn T-Mobile aus dem Team, weil er in die spanische Dopingaffäre verstrickt sein soll. Kein Happyend auch für Michael Schumacher, aber ein Abgang mit hoch erhobenem Haupt: Erst technische Pannen raubten dem Ferrari-Piloten in den letzten Formel-1-Rennen seiner Karriere die Chance auf den achten WM-Titel.
Jan Ullrich!
Caroline Meyer (CarolineM)
- 16.12.2006, 18:59 Uhr