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Waffennarren Im amerikanischen Sport wird scharf geschossen

10.11.2006 ·  Ob im College-Football oder in der Basketball-Profiliga: Viele amerikanische Sportler legen einen beunruhigenden Hang zu Feuerwaffen an den Tag. Immer wieder kommt es zu lebensgefährlichen Schießereien.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Der erste Zwischenfall ereignete sich Ende Juli und hatte etwas von einer Szene aus einem schlechten Film. Da kam der Student Brandon Meriweather nachts nach Hause und sah einen Personenwagen mit laufendem Motor vor der Haustür, der ihm verdächtig vorkam. Als er sich zusammen mit seinem Kommilitionen und WG-Genossen Willie Cooper dem Fahrzeug näherte, eröffnete einer der Insassen das Feuer. Während Cooper getroffen wurde und später ins Krankenhaus mußte, griff Meriweather zu seiner halbautomatischen Pistole und schoß zurück. Die Angreifer flohen und kamen unerkannt davon.

Cooper und Meriweather sind keine normalen Studenten. Sie gehören zu den besten College-Footballspielern Amerikas und genießen aufgrund ihrer Begabung als Stipendiaten der Universität Miami einen besonderen sportlichen Ruf. Genauso wie ihr Mitstudent und Mannschaftskollege Bryan Pata, der bis Anfang der Woche als der hoffnungsvollste Anwärter des Teams auf ein hochbezahltes Engagement in der National Football League galt. Doch diese Pläne wurden am Dienstagabend in einem Gebüsch außerhalb von Patas Wohnhaus jäh beendet, als ihn unbekannte Täter mit einem Kopfschuß niederstreckten.

Zuhause eine Waffensammlung

Die Polizei nahm zwar bei der Spurensuche auch die Wohnung des 22jährigen Sportlers unter der Lupe, wo er erst unlängst einem Reporter des Miami Herald seine Sammlung von Handfeuerwaffen gezeigt hatte. Doch die ersten Ermittlungen brachten kein Licht in die Hintergründe. Der einzig mysteriöse gemeinsame Nenner ist eine seltsame Vorliebe der Studenten für Handfeuerwaffen und eine Statistik, die der Geschäftsführer der NBA vor ein paar Tagen zitierte, als er zu einer Schießerei Stellung nahm, in die jüngst vier Basketballprofis verwickelt waren. „Deine Chancen erschossen zu werden, steigen dramatisch, wenn du eine Waffe trägst“, sagte David Stern, als er noch einmal daran erinnerte, daß in der Liga aufgrund des Tarifvertrags mit der Spielergewerkschaft ein striktes Reglement gilt: Waffenverbot in den Hallen und auf Reisen in offizieller Mission.

Die Episode der vier NBA-Spieler der Indiana Pacers, die nachts vor einem Strip-Club in Indianapolis in ein Handgemenge geraten waren, schien zunächst nur ein Einzelfall. Der Hauptfigur, Stephen Jackson, wurde wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit angeklagt und muß mit einer Gefängnisstrafe rechnen, weil er sich seit einem Jahr aufgrund eines anderen Delikts nur auf Bewährung auf freiem Fuß befindet. Doch solche Konfrontationen scheinen programmiert.

So wurde Sebastian Telfair, damals noch bei den Portland TrailBlazers, im Frühjahr mit einer geladenen Waffe im Bostoner Flughafen festgenommen. Seit Ende Oktober ermitteln die Behörden, ob er in einen Anschlag auf einen Rapper und dessen Entourage verwickelt war, deren Mitglieder ihm mitten in der Nacht vor einem New Yorker Club angeblich eine Goldkette vom Hals gerissen hatten. „Jemand hat ihn mit einer Pistole bedroht“, verteidigte ihn der New Yorker Spielmacher Stephon Marbury, ein Cousin.

Gefängnis wegen Herumballerns

Manche Komplikationen ergeben sich irrational und spontan, wie im Fall des Basketballprofis Lonny Baxter, der in der letzten Saison bei den Charlotte Bobcats unter Vertrag stand und im Juli in der Nähe des Weißen Hauses in Washington herumballerte. Angehörige des Secret Service konnten ihn wenig später festnehmen. Baxter wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Die meisten Spieler haben ihre Waffen völlig legal erworben. Denn dazu bedarf es fast überall in den Vereinigten Staaten gewöhnlich nur eines gültigen Führerscheins, dessen Nummer im Kaufvertrag erfaßt wird. Die Gesetze von Staaten wie Florida gestatten den Besitzern nicht nur, Pistolen und Revolver verdeckt zu tragen, sondern räumen ihnen weitreichende Notwehrrechte ein. Tödliche Schüsse werden immer weniger häufig bestraft („Deadly Force Law“).

Appelle des Trainers

So nutzen denn auch Appelle wie der des Footballtrainers der Miami University sehr wenig. Larry Coker hatte nach der ersten Schießerei im Sommer seine Studenten aufgefordert, sich von ihren Pistolen zu trennen. „Ich würde es lieber sehen, wenn sie die Polizei anrufen und die kommt und kümmert sich um solche Situationen.“ Doch genauso wie die Universität an diesem Wochenende zur Tagesordnung übergehen und das nächste Spiel am Samstag gegen die Universität Maryland austragen wird, als wäre nichts Besonderes geschehen, so werden auch die Ermahnungen verhallen. So gehört in der Mannschaft ein Spieler zum Kader, der schon elfmal von der Polizei verhaftet worden war. Die einzige Sicherheitsmaßnahme, die Trainer Coker anordnete: Er verbot seinen Spielern, mit Journalisten zu reden.

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