07.09.2009 · Timo Boll sitzt in diesen Tagen oft auf dem Mountainbike oder schwimmt. Mit dem Laufen hält sich das Tischtennis-As aus dem Odenwald aber zurück, "da der Rücken beim Tischtennistraining genug abbekommt“. Wichtig ist ihm, bei der EM fit zu sein.
Von Jörg DanielsWas seinen Trainingsplan angeht, fühlt sich Timo Boll neuerdings auf dem Weg zum Triathleten. Nur dass der Weltranglistendritte im Tischtennis das Laufen weglässt. „Diese spezielle Belastung erspare ich mir, da der Rücken beim Tischtennistraining genug abbekommt“, sagt der Bundesliga-Profi von Borussia Düsseldorf. Ansonsten aber absolviert Boll viele Einheiten im Schwimmbecken. Oder er sitzt auf dem Mountainbike, ersatzweise auf dem Ergometer. Hauptsache, das abwechslungsreiche Programm tut seiner Fitness und seinem Rücken, der ihm mal wieder Probleme bereitet, gut. Wohl auch deshalb überarbeitete der mehrmalige Europameister im August noch einmal seinen Turnierplan, um alles auf die EM auszurichten, die am kommenden Sonntag in Stuttgart beginnt. Angesichts des bevorstehenden sportlichen Höhepunkts verzichtete Boll auf Turniere in Asien, die er im vergangenen Jahr noch gespielt hatte, und auf den Vergleichskampf um den „Euroasia-Cup“. Seit einiger Zeit ist er nun schon ohne internationalen Wettkampfeinsatz.
In Europa, sagt Helmut Hampl, sei das für Boll „kein so großer Nachteil. Timo ist hungrig. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn er will.“ Der Trainer des dreimaligen Titelverteidigers in Stuttgart traut seinem Schützling wieder den Titel zu. Auch deshalb, weil Boll in der Lage sei, sich in ein Turnier hineinzuspielen und sich von Spiel zu Spiel zu steigern. „Eine Weltmeisterschaft ist etwas anderes“, sagt Hampl, „da müsste Timo immer an seinem Limit spielen.“ So aber müsse Boll sein Potential nur gegen die besten europäischen Spieler wie Wladmir Samsonow voll abrufen, sagt Hampl. „In solchen Partien muss man sehen, wie weit Timo ist.“ Ohnehin wird das Zugpferd in Stuttgart wohl nicht an allen Mannschaftswettkämpfen teilnehmen. Der Bundestrainer müsse wissen, wo er Boll gezielt einsetzt – „ob Timo alles zu hundert Prozent spielen kann“, so Hampl.
„Timo ist auf einem ganz guten Weg“
Trotz seines Abschieds vom TTV Gönnern nach Düsseldorf, wo der gebürtige Hesse Boll in diesem Jahr seinen Vertrag vorzeitig bis 2012 verlängert hat, zählt der 28 Jahre alte Linkshänder weiter zur Trainingsgruppe von Hampl in Höchst im Odenwald. Dort gewann der hessische Landestrainer, der zugleich die neue Hanauer Bundesliga-Mannschaft mit Jörg Roßkopf betreut, zuletzt einen guten Eindruck von seinem ehemaligen Spitzenspieler in Gönnern. „Timo ist eigentlich auf einem ganz guten Weg, da hinzukommen, wo er war.“ Wie der frühere Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher lässt sich Boll nach Angaben Hampls in der Sportklinik Bad Nauheim behandeln. Vor allem um vorzubeugen, wie er sagt.
Mit Hilfe seines neuen Trainingsplans habe er die Einheiten in den vergangenen Wochen „ganz gut durchziehen können“, sagt Boll. Zumindest im Bundesliga-Spiel gegen Saarbrücken unterzog er sich zuletzt einem Wettkampftest. Mit Erfolg: Sein Gegner aus Hongkong, Leung Chu-Yan, war ohne Siegchance. Am Sonntag, beim 3:1 der Düsseldorfer in Hanau, pausierte Boll hingegen. Für Hampl war das keine Überraschung. „Düsseldorf wäre ja dumm, wenn Timo gegen uns spielt.“ Angesichts der begrenzten Vereinseinsätze Bolls müsse der Klub ihn für die wichtigen Spiele schonen, sagt er.
In Hanau ein neues Zuhause
In Zukunft soll die Höchster Trainingsgruppe nach vielen Jahren, in denen alles auf die Förderung von Boll zum Weltklassespieler ausgerichtet war, in Hanau ein neues Zuhause finden. Dort wird noch eine Halle gesucht, die täglich zur Verfügung steht. Im Sommer 2010 rechnet Hampl mit dem Umzug. Boll soll dann dabei sein. Erst einmal aber ist EM. Ob sie für den deutschen Spitzenspieler zu früh kommt, könne man erst danach beantworten, sagt Hampl. „Aber ich bin sehr guter Hoffnung – Timo hat ja noch ein paar Tage Zeit.“