09.04.2009 · Manager Nethery und Trainer Kreis haben Düsseldorf ins DEL-Finale geführt. Gegen Berlin ist die DEG nur Außenseiter - doch das macht nichts: Nethery und Kreis wissen, wie scheinbar aussichtslose Endspiele gewonnen werden.
Von Marc HeinrichDie Erinnerungen sind verblasst, aber nicht vergessen. Fünf Jahre ist es mittlerweile her, da führte Lance Nethery letztmals als Manager einen krassen Außenseiter zur Meisterschaft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die seinerzeit von ihm mit viel Fachverstand und einem glücklichen Händchen zusammengestellten Frankfurt Lions krönten im Frühling 2004 das Ende eines wochenlangen Triumphmarsches durch die Play-offs mit dem Gewinn des Titels. Zu guter Letzt besiegten sie völlig überraschend die höher gehandelten Eisbären aus Berlin.
Nun kann sich für den Kanadier Nethery an neuer Wirkungsstätte die Geschichte im zweiten Anlauf wiederholen: Bei den Düsseldorf Metro Stars, die er von Grund auf von einem abgestürzten Traditionsklub zu einem gefürchteten Schreck des DEL-Establishments erneuerte, möchte er sein Aufbauwerk abermals mit einem spektakulären Coup vollenden. Die Düsseldorfer zogen durch einen 3:1-Sieg im fünften Halbfinale bei den Hannover Scorpions ins DEL-Endspiel ein. Von diesem Donnerstag an wollen sie auch den definitiv letzten Gegner in dieser Endrunde endlich das Fürchten lehren: die in dieser Runde scheinbar unbesiegbaren Berliner, gegen die sie schon im Finale 2006 den Kürzeren zogen.
Schwachstellen sind beiden Eisbären nicht zu sehen
„Wie damals mit Frankfurt sind auch wir jetzt wieder absoluter Außenseiter“, sagte Nethery, der außerdem mit den Adlern Mannheim schon dreimal Champagner aus dem fast einen Meter hohen DEL-Meisterpokal schlürfen durfte. Kein anderer in der obersten deutschen Spielklasse kann eine ähnlich erfolgreiche Vita als Sportlicher Leiter vorweisen wie der 52 Jahre alte frühere NHL-Profi der New York Rangers. „Wir wollen versuchen, die Eisbären, so gut es geht, zu ärgern.“
Schwachstellen im Spiel des Titelverteidigers machte Nethery so gut wie keine aus: „Sie sind schnell, stark und selbstbewusst - sollten sie tatsächlich irgendwelche Schwächen haben, gelingt es ihnen perfekt, sie zu verheimlichen.“ Als Vorteil des eigenen Teams zählte er dagegen die Tatsache auf, dass „null Druck auf unseren Schultern lastet“. Ähnlich sieht es der von ihm im vergangenen Sommer auserkorene Mitstreiter für das Tagesgeschäft an der Bande: Harold Kreis. „Die Eisbären sind eindeutig die Besten in der Liga“, sagte der Trainer, der hierzulande in der Szene lange nur als Spieler einen großen Namen besaß.
Ein Champion mit Lugano
Der Fünfzigjährige kam in seiner aktiven Zeit als einer der ersten Deutschkanadier in die Heimat der Vorfahren und fand für beinahe zwei Jahrzehnte eine Bleibe in Mannheim. Als Coach musste er sich dagegen erst im Ausland beweisen, ehe er für eine Anstellung in der DEL in Frage kam. Als Jugendbetreuer beim Schweizer Verein HC Lugano lieferte Kreis seit 2002 jedoch so gute Arbeit ab, dass er vier Jahre später Cheftrainer wurde, als die Tessiner in der Nationalliga A eines sportlichen Wunders bedurften. Eigentlich war die „Best-of-seven“-Finalserie schon entschieden, 0:3 lag Lugano zurück gegen Ambri - am Ende seines Debüts wurden Kreis und seine Leute aber als Champions gefeiert. Zwei Jahre später wiederholte er das Kunststück mit den Zürich Lions.
Nicht zuletzt diese respektable Bilanz verleitete Uwe Krupp schon vor Wochen dazu, die Düsseldorfer zu seinem persönlichen Geheimfavoriten zu ernennen: „Kreis macht einen verdammt guten Job. Und mit Nethery hat er eine schnelle und technisch starke Mannschaft beisammen“, sagte der Bundestrainer. „Wenn alle sagen, wir haben gegen Berlin keine Chance, dann sollen sie das ruhig denken. Ich traue meiner Truppe alles zu“, betonte denn auch DEG-Kapitän Daniel Kreutzer. Und weiter: „So kurz vor dem Ziel darf die Kraft keine Rolle spielen. Dann sind Adrenalin und Emotionen da“, unterstrich der Routinier, der mit seinen Kollegen nach dem Spiel in Hannover gleich mit dem Bus nach Berlin weiterreiste.
Mit der Schweizer Gelassenheit
Für die Rheinländer war es bereits das zwölfte Play-off-Match, während die Eisbären schon am Wochenende gegen Mannheim weiterkamen und sich seitdem in Ruhe vorbereiten konnten. „Cool bleiben und klug agieren“, umschrieb Kreis die Strategie, die er seinen Leuten für das Wochenende vorgegeben hat. Er spricht gerne von Eishockey mit „Hirnli“ - in sprachlicher Anlehnung an seine Erfahrungen und Erfolge in der Schweiz.
Weil zudem auch ein bisschen Aberglaube in den entscheidenden Momenten der Play-offs noch nie geschadet hat, wollte Spezi Nethery für die Aufenthalte in der Hauptstadt eigentlich dasselbe Hotel buchen wie ehedem mit den Frankfurtern. Doch in der Unterkunft waren so kurzfristig und über Ostern nicht mehr genügend Betten frei. Ein schlechtes Omen? Nicht für Kreis, der in seiner Zeit bei den Eidgenossen auch Gelassenheit lernte. „Wir nehmen alles, wie es kommt, und suchen dann nach der bestmöglichen Lösung.“ Mit dieser Marschrichtung sind die Düsseldorfer unter seiner Regie bislang allenthalben gut beraten gewesen.