23.04.2008 · Früher war er heroinsüchtig. Später gehörte er zu den besten Triathleten der Welt. Heute kommt das bewegte Leben von Andreas Niedrig in die Kinos. Ein Gespräch über Sucht, Motivation und Doping.
Früher war er heroinsüchtig. Später gehörte er zu den besten Triathleten der Welt. Heute kommt das bewegte Leben von Andreas Niedrig in die Kinos. Ein Gespräch über Sucht, Motivation und Doping.
Sind Sie zufrieden mit Ihrem filmischen Porträt?
Ja, es ist glücklicherweise kein reiner Sportfilm geworden. Aber wir waren bei der Entstehung ja auch eingebunden. Meine Frau hat ein wachsames Auge auf das Drehbuch geworfen.
Sie haben mittlerweile dazugelernt.
Es stimmt, ich war nicht immer so glücklich über die Darstellung meiner Geschichte. Als ich 1993 spät - mit 25 Jahren - angefangen habe, an Triathlons teilzunehmen, und gleich Erfolg damit hatte, haben die Journalisten natürlich recherchiert: Was hat der früher gemacht? Manche Lokaljournalisten kannten mich noch aus der Zeit, als ich auf der Straße gelebt habe. Und die anderen haben schnell herausgefunden, dass ich früher ein Junkie war.
Kein Wunder, dass ein Buch über Sie geschrieben wurde . . .
. . . auf das ich damals gar keinen Bock hatte. Ich wollte mich zu der Zeit nur dem Sport widmen, den ich kurz vorher für mich entdeckt hatte. Nach dem Buch kamen die Fernsehauftritte, überall hatte ich meinen Werdegang zu erzählen. Es war immer nur die eindimensionale Story „Vom Junkie zum Ironman“. Heute ist es mir wichtig, eine Botschaft zu transportieren: Ich will jungen Menschen Mut machen, ihre Ziele zu erreichen.
Sie halten nicht nur an Schulen Vorträge, sondern lassen sich auch von Unternehmen buchen. Wie sieht ein Motivationstraining bei Ihnen aus?
Den Begriff des Motivators stelle ich erst mal in Frage. Mich selbst etwa kann niemand motivieren. Ich habe schon viele Motivationskünstler kennengelernt, die haben tolle Programme. Nach diesen Seminaren denkt man sich: „Tschakka“, von der Ameise zum Adler geworden. Aber nach drei Tagen ist der Effekt dahin. Ich denke, es ist vernünftiger, über konkrete Ziele zu sprechen und wie man sie trotz eventueller Rückschläge und unter extremen Belastungen erreicht: mit starkem Willen und dem Glauben an sich selbst.
Das hört sich aber dann doch nach Motivationskünstler an . . .
. . . die ihre Sprüche auswendig gepaukt haben, während ich vom Leben gelernt habe. Mir können Zuhörer nicht sagen, ich machte es mir mit meinen Ratschlägen zu einfach.
Sie waren seit 1980 rauschgiftsüchtig. Nach dem Heroin-Entzug 1989 trainierten Sie und reüssierten im Triathlon, einer der trainingsintensivsten Sportarten. Haben Sie die eine mit der anderen Sucht ersetzt?
Ich musste während der Therapie lernen, mich selbst auszuhalten. Wenn ich das heute nur könnte, indem ich andauernd Sport triebe, wäre ich sicherlich nicht so erfolgreich. Genauso wichtig wie das Training sind die Ruhepausen, und wer sich in diesen Phasen nicht entspannen kann, der wird nie zu den besten Triathleten gehören.
Sie waren vom Drogenmissbrauch stark geschwächt. Wie schafft man es trotzdem, noch dazu als Späteinsteiger, solche Leistungen zu bringen?
Mein später Einstieg war wohl eher Vorteil denn Nachteil, da ich mental den jungen Athleten überlegen war. Zum anderen habe ich wohl gute Gene. Meine ganze Familie ist sehr sportlich: Mein Opa war Botenläufer während des Krieges, mein Vater läuft Marathons, und auch meine Schwester, die in der Fernsehserie „Niedrig und Kuhnt“ mitspielt, ist ziemlich fit.
Ihre Disziplin steht im Verdacht, dopingverseucht zu sein. Wie sehen Sie das als ehemals Drogenabhängiger?
Ich habe meinem Körper genug angetan, dem muss ich nicht auch noch Doping zusetzen. Aber es stimmt: Doping gibt es im Triathlon. Das Problem ist, dass es schon so viele vermeintlich leistungssteigernde Präparate legal zu kaufen gibt, dass die Schwelle zu illegalen Produkten sehr niedrig ist.
Könnten Sie mit Ihrer Erfahrung nicht auf andere Sportler einwirken?
Ehrlich gesagt: Nein. Nach acht Stunden Training will ich am Abend heim zu meiner Familie und über alles reden, nur nicht über Sport.