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Volleyball Zwischen ewigem Mangel und ständigem Wechsel

02.02.2012 ·  Im Volleyball gilt derzeit das bayrische „Mia san mia“ bei Tabellenführer Generali Haching. Die Münchner Vorstädter gewinnen in Serie. Trainer Mihai Paduretu versteht es virtuos, sein Team auf Topniveau zu halten

Von Christian Eichler, Unterhaching
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© picture-alliance/ dpa Star auf Wechselkurs: Max Günthör ist für Haching nicht zu halten

Die Parallelwelt zum großen FC Bayern liegt nur ein paar Meter jenseits der Münchner Stadtgrenze. Dort existiert ein Klub, der alle 17 Bundesligaspiele gewonnen hat und dabei auf einen Zuschauerschnitt von 700 kommt. Der Champions League spielt, dabei aber draufzahlt, weil er sogar die TV-Bilder für die Übertragung im Internet selbst bezahlen muss. Ein Klub, der seit elf Jahren seinen Trainer nicht entlassen hat. Und der fast jedes Jahr ein neues Team aufbauen muss, weil er die besten Spieler nicht halten kann.

Die Rede ist von Volleyball. „Platz eins in der Bundesliga, dreimal Pokalsieger, wieder im Pokalfinale und in den Play-off-Spielen der Champions League“, zählt Trainer Mihai Paduretu auf und findet, dass dieser Bilanz von Generali Haching „ein bisschen mehr Aufmerksamkeit angemessen“ wäre.

Neidisch auf den Basketball

Mit Fußball vergleicht man sich natürlich nicht. Doch der rasende Aufstieg etwa der Basketballspieler des FC Bayern in der Gunst von Publikum und Fernsehen, und das trotz bisher mittelmäßiger Leistungen als Bundesliga-Debütant, gibt den Hachingern zu denken. Sie wissen aber, dass man sich besser nicht laut beklagt. Lieber betont Josef Köck, ein pensionierter Marketing-Mann, der ehrenamtlich als Manager des Klubs arbeitet, das Positive: „Wir sind nicht neidisch. Es ist gut, wenn in einer Stadt wie München eine andere Sportart als Fußball in der Popularität nach oben kommt. Und wenn man im Fernsehen mal etwas anderes zu sehen bekommt als Fußball und Wintersport.“

Am Mittwoch war die Hachinger Halle erstmals in dieser Saison mit 1500 Zuschauern ausverkauft. In einer hochklassigen Partie unterlagen die Unterhachinger im Achtelfinale der Champions League dem Favoriten Lokomotiv Nowosibirsk nach großem Kampf und 15:10-Führung im vierten Satz mit 1:3 Sätzen (19:25, 25:20, 16:25, 23:25). „Wir waren körperlich unterlegen“, urteilte Paduretu. „Vor allem in Block und Feldabwehr war Nowosibirsk um eine Klasse besser als alles, was man in der Bundesliga sieht.“

Hohe Fluktuation

Finanziell auch. Der russische Pokalsieger hat einen mindestens dreimal so großen Etat wie der deutsche und kann sich Spieler wie den amerikanischen Olympiasieger Ryan Millar leisten. Für das Rückspiel am nächsten Mittwoch werden die sparsamen Hachinger, die sonst fast ausschließlich mit dem Bus zu Auswärtsspielen fahren, nicht um Flugkosten herumkommen. Die Reise dauert auch so lang genug, neun Stunden über sechs Zeitzonen hinweg.

Professionalismus schließt Amateurgeist nicht aus, setzt ihn hier sogar voraus. Denn beim derzeit besten deutschen Volleyballteam funktioniert professionelles Arbeiten nur dank ehrenamtlicher Arbeit. Paduretu nennt es „investierte Leidenschaft“. Fest angestellt ist neben ihm nur eine Halbtagskraft auf der Geschäftsstelle. „Unser Ziel ist, so viel wie möglich in die Mannschaft zu stecken“, sagt Köck.

Dennoch ist die Fluktuation im Team hoch. „Es wird immer schwerer, gute Spieler längerfristig zu bekommen“, so der Manager. „Die Topspieler wollen meist nur Einjahresverträge.“ Vor der letzten Saison gingen sieben Spieler. Vor dieser gingen acht - mehr als die Hälfte des Kaders. Woanders, etwa in Berlin oder Italien, gibt es mehr zu verdienen.

In der Unruhe liegt die Kraft

„Wir setzen auf Spieler am Anfang der Karriere, etwa solche, die in München studieren wollen“, sagt Paduretu. Dem Studienabschluss folgt in der Regel die Trennung, so wie in diesem Sommer bei Nationalspieler Max Günthör, „der dann bestimmt ins Ausland geht“. Ständig studiert Paduretu Videos von Spielern, telefoniert mit „Spionen in allen Ländern“, fährt „Tausende Kilometer“ herum, um neben der Arbeit mit dem jetzigen Team schon das nächste zu finden. So entdeckte er in Finnland den Venezolaner Fredy Cedeno, der eher der anderen Hälfte des Hachinger Beuteschemas entspricht: „Erfahrene Spieler am Ende ihrer Karriere.“

Was Paduretu aus diesem ewigen Mangel und ständigen Wechsel macht, ist virtuos. Der gebürtige Rumäne, der 1991 mit 24 Jahren als Spieler nach Deutschland kam, hat Haching gegen solventere Konkurrenz in der Spitze der Liga etabliert. In dieser Saison will er endlich das seit 2005 gültige Titel-Abonnement vom VfB Friedrichshafen beenden.

Partien wie die gegen Nowosibirsk sieht Paduretu als „gute Hilfe“ für die im März beginnenden Play-offs um die deutsche Meisterschaft an. Dann wird er auch eine Ablenkung bekämpfen müssen, die Köck so beschreibt: „Am Ende der Saison sind manche Spieler mit dem Kopf schon woanders. Denn wenn man gut spielt, sind die Spieleragenten unterwegs. Das schafft Unruhe.“ Manchmal aber liegt in der Unruhe die Kraft. Die Kraft, sich Jahr für Jahr neu zu erfinden - und um ein wenig öffentliche Beachtung im großen Schatten des FC Bayern zu kämpfen.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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