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Volleyball "Wir sind jung, arbeiten fleißig und spielen gut"

 ·  Stark wie nie? Die deutschen Volleyball-Herren wollen nach vielen Jahren der Rückschläge und Stagnation zur Weltmeisterschaft 2006 in Japan.

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Stelian Moculescu steht während der Matches so nahe an der Spielfeldbegrenzung, als ob er dem Gegner vermitteln wolle, er müsse gegen Sieben ran. Daß auch die deutschen Volleyballspieler ihrerseits die Nähe zum Bundestrainer suchen, ist seit Beginn der Saison belegt: Damals bewegten die Spieler ihren umstrittenen Coach zum Bleiben. Deutschland habe noch nie "eine Mannschaft von dieser Qualität und Arbeitsmoral" gehabt, sagte Moculescu. Der nicht abebbende Fluß von Spielern, die in die beste Liga der Welt nach Italien wechseln, zeugt davon, daß sich im deutschen Herren-Volleyball etwas bewegt.

Stefan Hübner, Björn Andrae, Eugen Bakumovski, Frank Dehne, Norbert Walter, Christian Pampel und künftig auch der 2,12 Meter große Robert Kromm bilden die deutsche Enklave im "El Dorado" des Volleyballs. Positive Begleiterscheinung: Die so freigeräumten Stammplätze in den zuletzt die Bundesliga prägenden Vereinen VfB Friedrichshafen und SCC Berlin werden von jungen Spielern eingenommen. "Deutsche", sagte Legionär Björn Andrae, "sind in Italien im Moment sehr begehrt. Wir sind alle noch recht jung, arbeiten fleißig und spielen gut."

Kaum erträglich

So gut, daß berechtigte Hoffnung auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006 in Japan besteht - es wäre die erste Teilnahme seit 1994. Dafür muß die DVV-Auswahl vom 29. bis 31. Juli in Neapel in ihrer Gruppe gegen den Weltranglistenzweiten Italien, Spanien und die Ukraine mindestens Zweiter werden. "Hinfahren und gewinnen", lautet Moculescus simples Credo, "damit endlich das Gerede aufhört, die Herren-Nationalmannschaft kommt in ihrer Entwicklung nicht weiter." Das sei kaum erträglich, sagte der Rumäne, der seine berufliche Zukunft als Bundestrainer fest mit einer erfolgreichen WM-Qualifiaktion verknüpft hat.

Auf dem Weg nach Fernost kommt die zum zweiten Mal ausgespielte Europaliga - das europäische Trostpflaster für diejenigen, die es nicht in die Weltliga geschafft haben - als lange Testspielserie unter Wettkampfbedingungen gerade recht. An sechs Wochenenden zwischen dem 3. Juni und dem 10. Juli mit je zwei Spielen gegen denselben Gegner bildet die Europaliga ein ideales Forum für Spielpraxis. Mehr aber nicht. "Wir haben in der Europaliga nichts zu verschenken", sagte zwar Georg Wiebel vom neuen deutschen Meister VfB Friedrichshafen. Aber das "Hauptaugenmerk" liege "ganz klar auf der WM-Qualifikation", fügte der Mittelblocker hinzu. Am Freitag- und Samstagabend gastierte Estland in der schmucken Arena Kreis Düren, die noch immer wie der Innenraum eines Neuwagens riecht. Die deutsche Mannschaft siegte vor 1.300 Zuschauern zunächst mit 3:0-Sätzen (25:21, 27:25, 25:12) und tags darauf vor 1.450 Zuschauern 3:1(25:19, 25:27, 27:25, 25:19). Dabei kam sie stets mit einer Portion Ruhe und Gemütlichkeit daher und wagte das ein oder andere Experiment.

Mit solcher Urgewalt

"Die springen bis unters Hallendach", hatte der Hallensprecher die Gäste vorgestellt und meinte wohl, die Balten würden ihre mangelnde Körpergröße mit abnormer Sprungkraft wettmachen. Die Riesen vom DVV prügelten den Ball schon beim Einspielen mit solch einer Urgewalt ins gegnerische Feld, daß die auf der Rückseite des Feldes positionierten Pressevertreter ihre Laptops oft nur mit waghalsigen Abwehrmanövern vor Schaden bewahren konnten. Die Mannschaft stehe noch "am Anfang ihres Weges", betonte Moculescu bei jeder Gelegenheit. Bei der "gewaltigen Dichte" im Volleyball sei es nicht so einfach, nach vorne zu kommen. "Und wer das nicht versteht, der sollte sich mal genauer mit Volleyball befassen", riet der 55 Jahre alte Trainer allen notorischen Nörglern.

Stelian Moculescu, der als Vereinstrainer mit dem VfB Friedrichshafen gerade das Double schaffte, sieht es kommen: Aus dieser Mannschaft, die hier im Hochsommer mit dem Adler auf der Brust durch die Hallen tingelt, obwohl "man auf dem Beach mehr verdient", werden in den "nächsten zwei Jahren sicherlich drei bis vier Weltklassespieler hervorgehen". Nahe genug dran war der Bundestrainer ja.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2005
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