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Volleyball-Meisterschaft Erst zum Doc, dann nach Haching

Ein Spektakel voll Schmerz und Drama: Im Play-off-Finale der Volleyballer zwischen Berlin und Unterhaching steht es 1:1. Wer sehen will, wie’s an diesem Samstag (19.30 Uhr) weitergeht, muss hingehen, das Fernsehen zeigt es nicht.

© dpa Vergrößern Berlin sieht Volleyball: Die Volleys füllen die Max-Schmeling-Halle

Jaroslav Skach ahnte schon, wie das am Mittwoch aussehen würde bei den Berlin Recycling Volleys. Es werde wohl wieder „eine große Schlange beim Doc geben“, schwante dem 36 Jahre alten Zuspieler. Am Abend zuvor war Skach im zweiten Play-off-Finale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft gegen Generali Haching unverhofft ins Team gerückt - nach dem jüngsten Malheur der Berliner: Der etatmäßige Spielmacher Kawika Shoji war beim Einspielen umgeknickt und fiel aus.

Wie schon Angreifer Urpo Sivula, wie Mittelblocker Ricardo Galandi, der immerhin wieder auf der Bank saß; dazu kamen noch die angeschlagenen Scott Touzinsky, Paul Carroll und Martin Krystof. Allesamt Schlüsselspieler, die nun, statt um den ersten deutschen Meistertitel für die Berliner seit 2004 zu spielen, „eigentlich eher auf dem OP-Tisch liegen“ müssten, wie Manager Kaweh Niroomand sagte.

Immerhin: Der Einsatz der Berliner Schmerzensmänner war nicht vergebens. Nach dem deutlichen 0:3 im ersten Finale glichen die Volleys am Dienstagabend vor 6400 Zuschauern überraschend durch ein noch deutlicheres 3:0 (25:16, 25:13, 25:23) in Spiel zwei zum 1:1 in der Best-of-Five-Serie aus. Zwei Finalspiele, zwei ganz unterschiedliche Partien - darauf kann sich auch Berlins Trainer Mark Lebedew keinen so rechten Reim machen.

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„Es hat sicher viel mit der Psyche der Mannschaften und der einzelnen Spieler zu tun“, sagt der Australier. Hachings Nationalspieler Max Günthör bestätigte: „Das ist ein Beispiel, welche entscheidende Rolle der Kopf bei zwei Volleyballteams auf einem Level spielt.“

Für Lebedew war der starke Auftritt seines Teams auch eine Art Trotzreaktion auf das gehäufte Verletzungspech. Die gebeutelten Berliner haben sich zuletzt ohnehin den Ruf der Stehaufmännchen der Liga erarbeitet. Auch im Halbfinale gegen Rekordmeister VfB Friedrichshafen lagen sie nach verlorenem ersten Spiel im zweiten schon mit 0:2 Sätzen zurück - warfen den großen Meisterschaftsfavoriten aber trotzdem aus dem Rennen.

Touzinsky reißt mit

“Diese Gruppe“, sagt Lebedew, „hat einen unglaublichen Willen, einen unglaublichen Charakter. Sie gibt sich nie auf.“ Großen Anteil an dieser Mentalität hat der Amerikaner Touzinsky. Nach der vergangenen Saison hatten sich die Berliner von ihm getrennt, im Januar holten sie den Mann, der 2008 mit dem Team USA Olympiasieger wurde, reumütig zurück.

Nächste Chance Heimspiel: Haching will daheim in Führung gehen Nächste Chance Heimspiel: Haching will daheim in Führung gehen © dpa Bilderstrecke 

Seither verleiht der 29 Jahre alte Außenangreifer den Volleys die nötige Stabilität, im Spiel und auch in den Köpfen. „Er hat großen Einfluss auf die Mannschaft“, sagt Lebedew. „Er vermittelt ihr viel Siegeswillen und Moral, er reißt sie mit, auch wenn er selbst nicht hundertprozentig fit ist.“

Die Zuschauer honorieren das Wagnis

Das kommt auch bei den Fans an. Nirgendwo wird Volleyball in Deutschland inzwischen so zelebriert wie in der Hauptstadt, nirgendwo kommen mehr Zuschauer. Die Volleys halten den Liga-Rekord mit mehr als 8000 Besuchern und den Saisonrekord mit gut 7000. In Berlin haben sie sich vor dieser Saison bewusst für die große Lösung entschieden.

Erstmals lag der Etat dank neuem Hauptsponsor über einer Million Euro, erstmals trägt der Klub alle Heimspiele in der riesigen Max-Schmeling-Halle aus, mit Show-Acts, Lichteffekten, aufwendigen Inszenierungen. Es war ein finanzielles Wagnis - doch die Zuschauer haben es honoriert.

Jahrelang wollte der deutsche Spitzenvolleyball raus aus dem Mief der Schulturnhallen, nun sind die Berliner auf diesem Weg in eine neue Dimension so weit vorangeschritten wie kein anderer Klub. Die Präsentation der Volleys ist jedenfalls schon jetzt meisterlich.

Alle hoffen auf die Olympia-Qualifikation

Und trotzdem: Wer das Volleyball-Spektakel in Fernsehen oder Internet verfolgen will, schaut in die Röhre. Lebedew bekommt oft Anfragen aus dem Ausland, wo man die Spiele seines Teams denn sehen könne, und wenn er dann sagen muss „hm, schwierig“, lautet die Reaktion meist: „Wie kann das sein?“

Viele Hoffnungen richten sich nun auf die mögliche Olympia-Qualifikation der deutschen Volleyballer und darauf, dass sie auch der Bundesliga neue Aufmerksamkeit verschafft - auch wenn die meisten Nationalspieler, aus finanziellen und sportlichen Gründen, in hochkarätigen ausländischen Ligen aktiv sind. Angreifer Georg Grozer und Zuspieler Patrick Steuerwald etwa standen zuletzt mit ihren polnischen Klubs jeweils im Europapokalfinale.

„Wenn sich die deutsche Mannschaft für Olympia qualifiziert, wäre das ein Riesen-Push für den Volleyball“, sagt Lebedew. Die beste Chance dafür bietet das Qualifikationsturnier Anfang Juni - in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Dort gilt nun freilich erst mal alle Aufmerksamkeit dem Finale um den Titel gegen Haching.

Den großen Brocken Friedrichshafen rauskegeln und dann doch nicht Meister werden - dieses Szenario wollen die Volleys nach Kräften vermeiden, „Beide Teams wissen jetzt: Die anderen können kämpfen“, sagt Lebedew. Das sei wie beim Boxen: „Jeder hat einen guten Schlag gesetzt.“ Die dritte Runde steigt an diesem Samstag (19.30 Uhr) in Unterhaching.

Quelle: F.A.Z.

 
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