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Volleyballerin Louisa Lippmann : Das Gesicht des Sieges

Fokussiert und konzentriert: Louisa Lippmann Bild: Picture-Alliance

Volleyball ist ein Teamsport, darauf legt sie großen Wert: Dabei ragt Louisa Lippmann beim deutschen Meister heraus. Ob sie eine Zukunft beim SSC Schwerin hat, bleibt ungewiss.

          Ein Autokorso durch Schwerin, ein Empfang bei der mecklenburg-vorpommerschen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, eine Feier mit den Fans am Pfaffenteich im Herzen der Landeshauptstadt: Auch Tag drei als deutscher Volleyball-Meister bot den Spielerinnen des SSC Palmberg Schwerin an diesem Montag ein abwechslungsreiches Programm. Und immer vornedran beim Party-Marathon: Louisa Lippmann, die Nummer eins im Team von Bundestrainer Felix Koslowski, auch wenn sie auf dem Trikot die Nummer drei trägt.

          Louisa Lippmann ist so etwas wie das Gesicht des Erfolgs. Die 1,91 Meter große, blonde Powerfrau war im vergangenen Jahr Deutschlands Volleyballerin des Jahres, wurde zudem als wertvollste Spielerin der Saison ausgezeichnet. Bei der Europameisterschaft im Sommer galt sie als „auffälligste Akteurin“ – was auch daran liegt, dass die Diagonalangreiferin zwar mit einer Schlaggeschwindigkeit von rund 90 Kilometern pro Stunde Bälle verwandeln kann, aber auch gerne mal ein paar „sanfte“ Punkte mit Fingerspitzengefühl einstreut.

          In der Hauptrunde der abgelaufenen Bundesliga-Saison erzielte sie dank dieser Mischung 358 Punkte: Topwert aller Teams. In den Playoff-Partien legte sie noch mal 121 Zähler drauf. Und auch beim 3:1-Sieg im dritten Spiel der Finalserie am Samstag beim MTV Stuttgart war sie einmal mehr die effektivste Akteurin.

          Dazu ragt Louisa Lippmann auch optisch heraus, mit ihrem blonden Zopf und dem entschlossenen Blick, der sich in Momenten des Erfolgs stets zu einem breiten Lächeln auflöst. Eine attraktive Kombination, die auch dem Sportartikel-Ausstatter „Asics“ aufgefallen ist, der die junge Frau zu seinem europaweiten Werbegesicht im Volleyball machte und schon einige Fotokampagnen mit ihr startete.

          Durchschlagend am Netz, mit Wucht oder mit Köpfchen

          Der Meistertitel vom Samstag war nun bereits der dritte in Serie für die gerade mal 23 Jahre junge Sportlerin. Denn vor den beiden Meisterschaften mit Schwerin 2017 und 2018 hatte sie auch schon 2016 die Schale gewonnen, damals noch im Trikot des Dresdner SC – und nicht ganz glücklich in ihrer Rolle als Backup hinter der Weißrussin Kristina Mikhailenko. Das Angebot aus dem hohen Norden kam gerade recht, zumal Trainer Koslowski sie dank seiner Doppelrolle als Bundestrainer schon kannte, „mit all meinen Macken“, wie sie damals sagte.

          Doch die Vorzüge überwogen offensichtlich, zumal die junge Spitzenkraft trotz ihrer persönlichen Glanzpunkte stets die Mannschaftsleistung über alles stellt: „Ich liebe dieses Team, ich bin so stolz auf uns“, sagte sie am Samstag, den Freudentränen nahe – wohl wissend, dass keine Angreiferin ohne vorangegangene Annahme und präzises Zuspiel auskommt.

          Als Geheimnis des Schweriner Erfolgs nennt Lippmann: „Wir haben hundertprozentig daran geglaubt.“ Und das, obwohl es zu Saisonbeginn beim Titelverteidiger gar nicht optimal gelaufen war. Nur Rang drei stand nach der Hauptrunde zu Buche. Doch als es drauf ankam, zeigte sich das Team eingespielt, setzte sich in den Playoffs ohne Satzverlust durch: sowohl gegen den USC Münster, Louisas erster Bundesliga-Station bis 2014, als auch gegen ihre zweite, Pokalsieger Dresdner SC. Und schließlich zum krönenden Finale gegen Vorrunden-Meister MTV Stuttgart. „Wir haben die Schale geholt, das ist so geil“, lautete die Kurzversion der Saisonbilanz mit den Worten von Louisa Lippmann, aufgekratzt und mit angekratzter Stimme.

          Die Hand an der Schale: Meisterin Louisa Lippmann (rechts) mit Denise Hanke

          Kurz vor halb sechs in Stuttgart hatte am Samstag die Party begonnen, nachdem der letzte Aufschlag der Schwaben im Netz gelandet war, noch in der gleichen Nacht nach achtstündiger Busfahrt, wurde in einem Schweriner Klub der Titel tanzend gefeiert. Schon am Sonntag saß die Starspielerin – wieder bei Stimme – gemeinsam mit Trainer Koslowski und Kapitänin Jennifer Geerties dann im NDR-Sportclub bei Gerhard Delling. Dort erklärte sie das Geheimnis des Schweriner Erfolgs einmal mehr mit dem guten Teamgeist, verschmitzt lächelnd.

          Daraus abzuleiten, dass sie dauerhaft bei den Norddeutschen spielen werde, wäre allerdings gewagt. „Volleyball ist leider eine kleine Sportart“, sagte sie bedauernd, mit der sich nicht viel Geld verdienen lasse, zumindest nicht in Deutschland. Dagegen stünden Spielerinnen ihres Formats in Italien, der Türkei und China hoch im Kurs. Man werde sehen, wo die Reise hingehe, so die vieldeutige Aussage. Was nicht dafür spricht, dass Lippmann in Schwerin bleiben wird. Daran kann und will auch Trainer Koslowski nichts ändern. Aber egal, wo die auffällige Diagonalangreiferin in Zukunft aufspielen sollte, ihr Motto wird stets das gleiche bleiben: „Immer Vollgas“.

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