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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Volleyball-Kommentar Alles auf Anfang

 ·  Es ist nicht lange her, da schafften sie nicht mal die EM-Qualifikation. Nun sind die Volleyballer als einzige deutsche Mannschaft neben den Hockey-Teams bei Olympia dabei. Es ist wie ein Matchball für diesen Sport.

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© dpa Nerven bewahrt und gewonnen: deutsche Volleyballspieler

Wenn es in den vergangenen Jahren um die deutschen Volleyballer ging, herrschte oft der Eindruck vor: Alles gut und schön, nette Jungs, tolle Entwicklung - aber wenn’s drauf ankommt, fehlen ihnen dann doch wieder die Nerven. Der Eindruck kam nicht von ungefähr. Es wurde dabei nur gerne übersehen, woher die deutschen Volleyballer eigentlich kamen: von ziemlich weit unten. Es ist gerade mal gut zehn Jahre her, da schafften sie nicht einmal mehr die Qualifikation für die Europameisterschaft - so weit war die Nationalmannschaft sportlich gesunken.

Seither hat sich einiges getan bei den deutschen Volleyballern, und vieles davon hatte mit Stelian Moculescu zu tun, dem langjährigen Bundestrainer. Er pochte hartnäckig auf eine Teilnahme an der Weltliga, und er beharrte darauf, dass die Nationalspieler Erfahrung im Ausland sammeln. Heute sind fast alle Auswahlspieler in den stärksten Ligen Europas am Ball, in Polen, in Russland, in Italien, in Frankreich - und oft in tragenden Rollen. Das kommt nicht nur der finanziellen Situation der Spieler zugute, sondern auch dem sportlichen Niveau des Nationalteams. Und was die Bedeutung der Weltliga angeht, an der die Deutschen nun seit drei Jahren wieder teilnehmen, sagte der aktuelle Bundestrainer Vital Heynen erst kürzlich: „Wenn wir nicht mehr Weltliga spielen würden, wäre das für lange Zeit das Ende des deutschen Männer-Volleyballs.“

So aber steht nun nach der erfolgreichen Olympia-Qualifikation eher alles auf Anfang bei den deutschen Volleyballern - schließlich arbeiten sie jetzt gerade erst sechs Wochen mit dem neuen Bundestrainer Heynen zusammen. Der Belgier ist mit seiner modernen, aufgeschlossenen Art der richtige Mann zur richtigen Zeit für eine Mannschaft, die zwar schon länger individuell stark besetzt ist, als Team aber oft unter Wert geschlagen wurde. Heynen fand in kürzester Zeit den Schlüssel, um das Potential der Mannschaft zu nutzen. Nervenschwach kann man die Auftritte bei der Olympia-Qualifikation jedenfalls kaum mehr nennen: Gegen Kuba gewannen sie hauchdünn im Tie-Break, im Elfmeterschießen des Volleyballsports, gegen Tschechien behaupteten sie sich, als gegen ein locker aufspielendes Team, für das es um nichts mehr ging, plötzlich das Traumziel London wieder auf der Kippe stand.

Nun sind die Volleyballer als einzige deutsche Mannschaftssportler neben den Hockey-Teams bei Olympia dabei. Es ist fast wie ein weiterer Matchball für einen Sport, dessen Erstliga-Spiele hierzulande zuletzt nicht mal mehr im Internet zu sehen waren. Auch dieses Potential gilt es nun zu nutzen. Mannschaftssport kann besondere Kraft entfalten, nach innen und nach außen, er kann Gemeinschaftsgefühl schaffen, gerade bei Großereignissen, siehe Fußball-Europameisterschaft. Heynen erzählte, er habe jüngst gelesen, die Niederländer hätten als schönsten olympischen Moment die Volleyball-Goldmedaille 1996 gewählt. Eine Nummer kleiner würde aus deutscher Sicht da auch schon weiterhelfen.

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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