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Volleyball : Kofferpacken statt Kopenhagen

  • -Aktualisiert am

Desillusioniert: Bundestrainer Vital Heynen Bild: dpa

Das deutsche Volleyball-Team ist im EM-Viertelfinale an Bulgarien gescheitert. Bundestrainer Heynen sieht die Auswahl dennoch auf einem gutem Weg.

          Die deutschen Volleyball-Nationalspieler hätten am Wochenende liebend gern in einem Kopenhagener Fußballstadion ihre Künste demonstriert. Im Parken-Stadion in der dänischen Hauptstadt finden die Halbfinals der Europameisterschaft statt, und viel hat nicht gefehlt, dann wären die Deutschen dort im Mittelpunkt gestanden. Doch weil sie das Viertelfinale gegen den Olympia-Vierten Bulgarien 1:3 (30:28, 25:27, 22:25, 20:25) verloren, gebührt anderen der Auftritt auf der großen Bühne, wo schon die Rolling Stones und Bruce Springsteen das Publikum begeisterten. Bulgarien trifft im Halbfinale auf Italien, Olympiasieger Russland auf Serbien, den Europameister von 2011. Für die vier Vorrundengruppensieger Deutschland, Belgien, Finnland und Frankreich ist die Show vorbei.

          Hinter den Kulissen begannen im deutschen Lager sehr schnell die Aufräumarbeiten. Bundestrainer Vital Heynen hatte seinen Spielern noch in der Umkleidekabine in der Danziger Arena gesagt: „Denkt dran, nehmt jetzt das Positive mit, was ihr hier erlebt habt.“ Leichter gesagt als getan, denn dem ein oder anderen fiel es schwer, den Schalter umzulegen. Zu groß war der Frust. Denis Kaliberda, der junge Außenangreifer, bis dahin einer der auffälligsten im deutschen Team, besorgte sich bei der medizinischen Abteilung noch eine Schlaftablette: „Sonst komme ich gar nicht runter.“ Er war nicht der einzige Führungsspieler, der mit der Hauptrolle seine Probleme hatte. Lob gebührte im Viertelfinale eher Nebendarstellern wie dem Mittelblocker Tim Broshog, einer von fünf Neuen in der deutschen Auswahl, oder dem Außenangreifer Sebastian Schwarz, der bis dahin kaum in Erscheinung treten durfte, gegen Bulgarien seine Sache aber gut machte.

          Der Bundestrainer erinnerte auch an seine angeschlagenen Diagonalangreifer. Georg Grozer hatte nach einer Schulteroperation erst Mitte August das Training aufgenommen. Jochen Schöps war mit einer Bauchmuskelverletzung nach Polen angereist und kam überhaupt nicht zum Einsatz. „Wenn ein Führungsspieler heute einen richtig guten Tag gehabt hätte, stünden wir jetzt im Viertelfinale.“ So einen, wie Tsvetan Sokolov aus dem bulgarischen Team ihn hatte. Im Fünf-Satz-Krimi der Vorrunde erschmetterte er 28 Punkte gegen die Deutschen, im Viertelfinale bei einem Satz weniger 29.

          Olympia-Qualifikation geschafft

          Heynen gelang es als erstem, den Blick für das Gute zu finden. „Wir haben wieder einen Schritt gemacht, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte er. Im vergangenen Jahr hatte der Belgier eine verunsicherte Mannschaft übernommen, sie schnell auf Kurs gebracht und neben der Olympia-Teilnahme den Einzug in die Weltliga-Finalrunde plus die EM-Qualifikation geschafft. „Das geschah alles in fünf Monaten. In diesem Sommer sind wir mit 35 Tagen Vorbereitungszeit zur EM gefahren.“

          Wer weiß, was noch alles möglich gewesen wäre. „Vor gut einer Woche dachte ich noch, wie schlecht wir sind“, sagt Heynen, „und jetzt sind wir unter den besten Sechs in Europa.“ Was nicht selbstverständlich ist, schließlich stellen die Europäer fast traditionell die stärksten Teams der Welt. Bei den Olympischen Spielen in London waren fünf europäische Nationen unter den ersten Sieben. Allmählich setzen sich die Deutschen auf diesem Level fest, und Heynen hätte gern weitergearbeitet: „Nach London war ich wie tot, jetzt ärgere ich mich eher darüber, dass wir aufhören müssen.“

          Statt Kofferpacken für Kopenhagen ging es am Donnerstagmittag zurück nach Deutschland und für die Spieler weiter in ihre Klubmannschaften. Erst im Dezember sehen sie sich wieder. Anfang Januar steht ein Qualifikationsturnier für die WM 2014 in Polen an. Dafür hat Vital Heynen noch in Danzig ein neues Drehbuch vorgestellt. Gegen Bulgarien wurde das Viertelfinale in London bei den Olympischen Spielen verloren und nun auch bei der EM: „Aber bei der WM will ich hier wieder gegen Bulgarien im Viertelfinale spielen und dann gewinnen wir.“

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