29.09.2009 · Sie ist mit ihren 22 Jahren die jüngste Stammspielerin im deutschen Volleyballteam. Nach dem Rückzug von Angelina Grün übernimmt Margareta Kozuch bei der EM Verantwortung - auch beim 3:0-Sieg gegen Tschechien am Dienstag.
Von Ullrich Kroemer, KattowitzSie ist bei der Volleyball-Europameisterschaft in Polen eine gefragte Frau. Wenn sich ihre Kolleginnen nach Spielschluss längst in Ruhe dehnen oder Freunde und Verwandte am Spielfeldrand begrüßen, muss Margareta Kozuch Interviews geben – auf Polnisch. „Obwohl ich mit meinem Vater immer in seiner Muttersprache telefoniere, muss ich mich hier total anstrengen, dass ich keinen Unsinn rede“, sagt sie.
Die Hamburgerin mit den polnischen Wurzeln ist im Land des EM-Gastgebers keine Unbekannte. Schon vor der WM 2006 fragte der polnische Verband bei ihr an, ob sie sich nicht vorstellen könne, für das Land ihrer Eltern aufzulaufen. Dass sie sich entschied, weiterhin für Deutschland zu spielen, ist ein Glück für die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV). Denn mit 22 Jahren ist Margareta Kozuch nicht nur die jüngste Stammspielerin im Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti, sondern längst auch eine der wichtigsten Stützen - auch beim souveränen 3:0-Sieg des deutschen Teams im ersten Zwischenrundenspiel am Dienstagabend, das Deutschland weiter alle Möglichkeiten im Kampf um die Medaillen lässt.
Als nach dem Rückzug der langjährigen Wort- und Spielführerin Angelina Grün auf der so wichtigen Diagonalposition eine Lücke klaffte, übernahm Margareta Kozuch im vergangenen Sommer die Verantwortung im Hauptangriff. Zuvor hatte sie sich – bereits seit 2006 Teil des Nationalteams – viel von ihrer früheren Zimmergenossin Angelina Grün abgeschaut. „Sie war eine sehr wichtige Person für mich“, sagt sie. „Sie hat das Team gebildet, und wir führen es jetzt weiter.“
Kozuch beinahe in jedem Match die beste Punktesammlerin
Während die Aufgaben, die Angelina Grün außerhalb des Spiels übernahm, auf viele Schultern verteilt wurden, schaffte Margareta Kozuch das Kunststück, die Ausnahmeathletin auf dem Feld vergessen zu machen. Neben der Eleganz, mit der die frühere Ballettschülerin ihre Angriffe ausführt, hat sie sich auch die nötige Durchschlagskraft angeeignet.
Wenn die grazile Spielerin die Bälle von der Position zwei oder aus dem Hinterfeld ins gegnerische Feld schmettert, ist das nicht nur oft ein sicherer Punktgewinn, sondern auch ein ästhetischer Genuss. Mittlerweile ist Margareta Kozuch in beinahe jedem Match beste Punktesammlerin des DVV-Teams. Während der drei EM-Vorrundenspiele in Breslau steuerte sie 59 Zähler bei. Ein Spitzenwert, der die Konstanz belegt, mit der die Diagonalspielerin inzwischen agiert.
Diese im Volleyball immens wichtige Beständigkeit eignete sie sich wie viele ihrer Mitspielerinnen in Italien an. Mit gerade 20 Jahren wechselte Margareta Kozuch – 2005 in ihrer Heimatstadt Sportlerin des Jahres – vom Bundesligaklub NA.Hamburg in die stärkste Volleyball-Liga der Welt. Ihre ersten Erfahrungen machte sie beim Erstliga-Aufsteiger Sassuolo; vor der zweiten Spielzeit wechselte sie zum Spitzenteam Asystel Volley Novara.
„Sie braucht eine Saison in Italien. Dann ist sie bei 100 Prozent“
Dort reifte sie zu einer Spielerin mit internationalem Spitzenniveau, spielte wegen der Verletzung einer Mitspielerin beinahe komplett durch und kehrte im Sommer mit dem Sieg im CEV-Cup, dem Pendant zum einstigen Uefa-Pokal im Fußball, und dem zweiten Rang in der italienischen Meisterschaft zur Nationalmannschaft zurück. „Sie hat mehr Mut, mehr Professionalität und bringt mehr Persönlichkeit ein als früher“, sagt Trainer Guidetti. „Sie wird jedes Jahr besser.“
Um auf ihrer Position eine der bestimmenden Spielerpersönlichkeiten in Europa zu werden, müsse Margareta Kozuch nun nur noch an ihrer Kaltschnäuzigkeit und an ihrem Selbstvertrauen in Drucksituationen arbeiten. „Sie braucht eine Saison in Italien, in der sie die Protagonistin ihrer Mannschaft ist. Dann ist sie bei 100 Prozent“, sagt Guidetti. Im deutschen Nationalteam hat sie diese Führungsrolle schon jetzt inne.