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Volleyball Corina Ssuschke - Auszug aus dem Paradies

20.07.2009 ·  Souverän haben sich die deutschen Volleyballfrauen in Almere für die WM 2010 in Japan qualifiziert. Ein Stützpfeiler der Mannschaft ist Mittelblockerin Corina Ssuschke. Dabei hat sie eine ziemlich schwere Zeit in Italien hinter sich.

Von Ullrich Kroemer, Almere
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Die Wohnung war unerträglich, das Auto war undicht, und nach dreieinhalb Monatsgehältern war plötzlich Zahlungsstopp: Corina Ssuschke hatte sich das anders vorgestellt in Cesena. Als auch noch die grauen Trainingsanzüge „wie Schlafanzüge mit Bündchen“ aussahen, über die sich selbst die Gegnerinnen lustig machten, war für Corina Ssuschke, die viel Wert auf ihr Äußeres legt und bei Spielen schon mal mit Schmetterlings-Ohrringen und lackierten Fingernägeln antritt, alles klar. „Die Organisation des Vereins war eine Katastrophe“, sagt sie.

Vor einem Jahr wechselte die Mittelblockerin der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft vom bodenständigen Dresdner SC zum Aufsteiger in die italienische Lega A Uno – und erfüllte sich damit den Traum aller Volleyballspieler, den auch Corina Ssuschke schon als Jugendliche gehegt hatte. Doch kurz nach dem Transfer von Sachsen in die Emilia-Romagna sprang Cesenas Hauptsponsor ab. Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte der Aufsteiger, wie viele Klubs im Volleyball-Paradies Italien, wo die Gehälter und die Aufmerksamkeit von Fans und Medien höher sind als anderswo, plötzlich Probleme. „Auch wenn mich das Jahr sportlich weitergebracht hat, war das für mich kein Paradies“, sagt Corina Ssuschke. Immerhin half sie als entscheidende Spielerin ihres Teams mit, den Klassenverbleib zu sichern.

„Nur zwei Klubs, Pesaro und Piacenza, hatten keine Probleme“

Ganz anders liegen die Dinge bei ihrer Nationalmannschaftskollegin im Mittelblock, Christiane Fürst. Die Spielführerin der DVV-Auswahl und einzige Weltklasse-Akteurin im Team hatte den Schritt in den Süden schon ein Jahr vor Corina Ssuschke gewagt und sich dem Topteam Scavolini Pesaro angeschlossen. Dort gewann die 1,92 Meter große Spielerin mit Ausnahme der Champions League alles, was zu gewinnen war, wurde zweimal italienische Meisterin, triumphierte mit einem Weltklasseteam 2008 im Europapokal und dazu in diesem Frühling in Pokal und Supercup. Dazu stimmte das Umfeld, das Gehalt traf stets pünktlich ein, und beim Shopping in Bologna kannten die Menschen in der Einkaufspassage den Star sogar beim Namen – das klingt schon eher nach Paradies.

Doch wie das Beispiel Corina Ssuschkes zeigt, ist der Garten Eden klein geworden. „Nur zwei Klubs, Pesaro und Piacenza, hatten keine finanziellen Probleme“, berichtet Christiane Fürst. Während der Saison gab es von Seiten der Liga mehrfach Bestrebungen, ein Gehaltslimit für die Profis einzuführen, woraufhin es Proteste der Spieler und Spielerinnen gab. Das Thema beherrschte die Szene und dürfte auch im deutschen Nationalteam hinreichend diskutiert worden sein – fünf der zwölf Spielerinnen des italienischen Bundestrainers Giovanni Guidetti stehen in dessen Heimat unter Vertrag.

„Das war zwar nicht der einzige Höhepunkt in diesem Jahr“

In der Nationalmannschaft hingegen kann von Krisenstimmung keine Rede sein. Nach dem vorläufigen Rücktritt der langjährigen Wort- und Spielführerin Angelina Grün musste die Mannschaft „einen neuen Spirit“ entwickeln, wie Guidetti es nennt. Auch dank der Unterstützung des Mentaltrainers Christian Fust scheint das gelungen zu sein: Bei der dritten Runde der WM-Qualifikation in Almere (Niederlande) am Wochenende beeindruckte das Team vor allem durch seinen – auch für Außenstehende spürbaren – Zusammenhalt.

Vor den Toren Amsterdams machten Christiane Fürst, Corina Ssuschke und ihre Mitspielerinnen mit zwei Siegen gegen Aserbaidschan und Slowenien die Teilnahme an der WM im Herbst kommenden Jahres in Japan schon vor dem abschließenden Prestigeduell gegen die Niederländerinnen perfekt. Das gewannen sie dann auch noch 3:0. „Das war zwar nicht der einzige Höhepunkt in diesem Jahr, aber der wichtigste“, sagte Christiane Fürst. „Dieser Erfolg gibt uns viel Selbstvertrauen für die Zukunft.“ Zum Beispiel für die nun folgende Teilnahme am World Grand Prix sowie die im Herbst anstehende EM in Polen.

„Ich will nach dem Traum den nächsten Schritt machen“

Nach dem gemeinsamen Sommer in der DVV-Auswahl werden sich die Wege von Corina Ssuschke und Christiane Fürst dann wieder trennen. Während Fürst bei Foppapedretti Bergamo, dem nächsten Topklub, angeheuert hat, erhielt Ssuschke das beste Angebot nicht aus Italien, sondern aus Tschechien. Der Champions-League-Teilnehmer RK Prostejov hat dort große Ziele, will neben dem Double aus Meisterschaft und Pokal auch das Final-Four-Turnier der Champions League austragen.

„Nachdem ich mir meinen Traum erfüllt und ein Jahr in Italien gespielt habe, will ich jetzt den nächsten Schritt machen und auch im Verein international spielen“, sagt Corina Ssuschke. Wenn ihr der neue Klub neben einer akzeptablen Wohnung, einem trockenen Auto und dem pünktlichen Gehalt dann auch noch modische Trainingskleidung stellt, wäre das für Corina Ssuschke schon genug Volleyball-Paradies.

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